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1

Freitag, 21. Februar 2014, 20:55

unsere gesellschaft

ich habe das gefühl, dass es in der schweizer gesellschaft keinen zusammenhalt mehr gibt. der soziale kitt fehlt.

vielleicht kommt mir das auch nur so vor, weil ich ein aussenseiter bin, was ich irgendwie gerne bin.
ich würde es nicht als kompliment sehen, zur mehrheit dazuzugehören. die mehrheit ist auf ihre eigene weise dumm und beschränkt, obwohl sie auch ihre vorzüge hat.

wenn ich mir die schweizer jugend ansehe - denke ich scheisse, wie oberflächlich und beschränkt sind die (echt ein trauriger haufen).
sorry, ich bin nicht in der stimmung, ein milderes urteil zu fällen...

Apeiron70

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2

Freitag, 21. Februar 2014, 22:04

Liebe "entität", den fehlenden Zusammenhalt gibt es nicht nur in der Schweiz, sondern mit Sicherheit überall. Und das kommt Dir auf jeden Fall nicht "nur so vor", denn die Masse ist in ihrer grundlegenden Eigenschaft tatsächlich in der Weise beschränkt, dass sie eine Art Herde darstellt, die nur zu gerne geführt werden will ohne die Fähigkeit zu besitzen, sich selbst zu bestimmen. Die Vorzüge beschränken sich dahingehend, dass jeder einzelne in der Masse untergeht, ohne sich hervorheben zu müssen; z. B. durch Entscheidungen, betreffend der Verantwortlichkeit für die Selbstbestimmung. (Siehe die Bücher von Wilhelm Reich: "Menschen im Staat" und "Die Massenpsychologie des Faschismus". - Niemand soll als Faschist dargestellt werden, sondern es geht darin um die Psychologie des "Menschentiers"!)
Von einer 17jährigen habe ich vor kurzem noch den Ausspruch gehört: "Die anderen sind auch alle oberflächlich. Deshalb will ich auch oberflächlich sein!" Traurig aber wahr, selbst aus ihrer Sicht.
Den fehlenden Zusammenhalt erkläre ich mir aus dem Konkurrenzdenken, welches von der Wirtschaft impliziert wird, da von ihr jedem Menschen eingebleut wird, dass er/sie das Beste, das Schnellste, das Neueste, das was auch immer haben muss, da er/sie sonst nicht so viel wert sei. Und diese Konkurrenz schafft immer einen sozialen Abstand zu den anderen.
Dann war es früher so, dass die Familie zum überleben zusammenhalten musste, um das Überleben zu sichern. Heutzutage kommt man besser alleine über die Runden, dank HartzIV. (In Deutschland jedenfalls.)
Ein milderes Urteil ist bestimmt nicht angebracht, keine Sorge...
Grüße A.
»Liebe, Arbeit und Wissen sind die Quellen unseres Daseins. Sie sollen es auch regieren.«
Wilhelm Reich

cindy2003

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Freitag, 21. Februar 2014, 22:28

das ist so wie apeiron sagt, dass es nicht nur die schweiz betrifft und das der Zusammenhalt fehlt sieht man auch daran, dass die Hilfen untereinander abnehmen bzw. gar nicht mehr da sind, früher gab es bei uns sog. Nachbarschaftshilfe - heute kennt fast keiner mehr seinen Nachbarn und will ihn viell. auch nicht kennen.
Was noch sehr beängstigend ist, dass Menschen auf offener Strasse zusammengeschlagen werden und 20 Mann drumherumstehen und nichts tun, das verstehe ich nicht, es gab einen Fall in Berlin, da ist ein junger Mann aufgrund einer U-Bahn Schlägerei daran gestorben, sehr sehr traurig.
Mit sowas kann sich "unsere Gesellschaft" wirklich nicht rühmen.


liebe Grüsse von Cindy2003
Der wertvollste Besitz, den man haben kann, ist Seelenfrieden. Friede kommt von innen und kann niemals durch materielle Werte entstehen.
-Sathya Sai Baba-

cindy2003

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Freitag, 21. Februar 2014, 23:10

und weiter : in gewisser Weise sehe ich Parallelen zu meinem Beitrag "die kalte Welt" hier im Forum.
Ich möchte jetzt die DDR-Geschichte nicht schönreden, doch gab es dort weniger Konkurrenzdenken aber eben auch weniger Möglichkeiten, viele Menschen hatten ungefähr dasselbe Einkommen und diesselben Lebensverhältnisse, es gab keinen sozialen Druck und jeder wurde "beschäftigt". Gut, auch eine Art "Herden-Verhalten", aber durch diese Umstände war der Neidfaktor unter der Bevölkerung auch geringer. Man hat sich geholfen untereinander.


Jetzt passiert eine "Vereinsamung", auch eben bedingt durch die Möglichmachung der wirtschaftlichen Selbständigkeit (wie Apeiron schon sagte) Hartz IV, unter anderem. Die Jungen können die Alten nicht mehr versorgen, da sie arbeiten müssen, es gibt keine Vielgenerationen-Haushalte mehr (wenige). Die älteren, wenn sie pflegebedürftig werden, gehen ins Seniorenheim, ob sie wollen oder nicht ( nicht alle, keine Verallgemeinerung).


Und dann kommt es eben vor, dass Menschen schon tot in ihrer Wohnung gefunden wurden, weil ein beissender Gestank im Treppenhaus, die Mitmieter auf den Plan rief. Kann es sein, denkt man da, gabs da niemand, der sich gekümmert hat, nein, es war nicht der Fall.


Ich habe festgestellt und ich beschäftige mich schon lange mit diesem Thema, dass ein gewisser Werteverfall, stattfindet - oder sollte ich sagen "Wertewandel", diejenigen Tugenden und Moralvorstellungen die ich habe, sind nicht mehr die, die gefragt sind und gelebt werden.


Also gehen wir von einem Wertewandel aus : Oberflächlichkeit, Unzuverlässigkeit, Mißgunst, Verschwendung, Angeberei, Aufschneiderei, Gewinnsucht, Hemmungslosigkeit, das sind so die von mir beobachteten "neuen Werte".
Klingt krass, aber mir fehlt ein bisschen die Mitmenschlichkeit und die Nächstenliebe, nicht nur ein bisschen, ganz ehrlich.


Liebe Grüsse von Cindy2003

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schmutzteufel

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Samstag, 22. Februar 2014, 09:56

All das was ich hier lese, kenne ich genauso. ist bei uns in Ostösterreich nicht anders.

Ich führe es darauf zurück, dass es uns einfach "zu gut" geht. Der zu große "Wohlstand" ist daran schuld.

Die Geschichte zeigt, dass die Menschen wieder mehr zueinander finden, das "Miteinander" eintritt, der Zusammenhalt, wenn es einer Gesellschaft schlecht geht. Man sieht das immer wieder bei kleineren und größeren Katastrophen, Hochwasser, etc. auch bei uns. Da helfen auch sonst zerstrittene Menschen plötzlich einander ohne zu fragen, man spricht miteinander, usw...habe ich selbst schon erlebt.

Wäre es nun die Lösung unseren Wohlstand einfach freiwillig aufzugeben? Nein, das lässt die menschliche Natur nicht zu. Wir sind nicht zum Diogenes geboren.
Aber keine Sorge unser Wohlstand hat ein Ablaufdatum. Die nächste globale Umweltkatastrophe natürlichen Ursprungs oder vom Menschen gemacht, wird irgendwann kommen.

Wir sehen den unmenschlichen Zustand in unserer Gesellschaft, tun aber selbst nichts dagegen? Warum?
Okay, ich gehe zu meinem Nachbarn mit dem ich (aus gutem grund) böse bin, bringe ihm einen Kuchen und sage, wir sollten uns mal zusammensetzen und einfach plaudern, ein bisschen Mitmensch sein und unsere Zwiespältigkeiten zur Seite legen...

Was wäre? Erfahrungsgemäß würde ich auf extremes Misstrauen stoßen.
"Aha! Was führt die im Schilde? Die will was ganz bestimmtes mit der Aktion erreichen...da muss ich auf der Hut sein!"
Es wird uns Misstrauen entgegen gebracht.....weil der andere ja keinen "Grund" darin erkennen kann zu so viel Freundlichkeit plötzlich.
Einfach "nett" sein ist kein Grund in unserer Gesellschaft. Ja, vielleicht für Geistliche, Ordensfrauen/männer, das ist ja deren Beruf. Aber nicht für Frau und Herr "Jedermann".

Einziger Grund für plötzlichen Zusammenhalt und Miteinander sind in unserem Gesellschaftssystem katastrophale oder außergewöhnliche Ereignisse. Es reicht schon der Tod oder die Geburt. Da sind Leute da, die sonst nie da sind, da sprechen auch jene mit dir, die es sonst nie tun. Es gehört zu den "guten Sitten".

Und was die Jugend betrifft hat sich schon Sokrates betreffend geäußert:

Zitat

Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor den älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte. Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.

cindy2003

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Samstag, 22. Februar 2014, 11:01

also haben wir jetzt schon Erfahrungswerte aus drei Ländern beisammen.....
zum Thema Jugend : ich kenne auch Jugendliche - meine Tochter - , die sind gut erzogen, haben Manieren, haben Respekt und sind sozial und hilfsbereit, ich habe ihr das in Erziehungsarbeit vermittelt -:)
Man könnte bei den negativen Beispielen vermuten, das es eine Sache der fehlenden Erziehung ist : die Kinder werden mehr und mehr sich selbst überlassen, weil die Zeit fehlt ?
zum Thema Nachbarschaft : meine Nachbarn sind eine Notarsfamilie, die mich noch nie gegrüsst haben, warum weiss ich nicht, und ein Rentnerpaar, die sich ständig über die Lautstärke meines Sohnes beschweren, gut da ist es nicht einfach, mit gutem Beispiel voranzugehen und zu sagen : Hallo, ich lade sie ein auf einen Tee oder Kaffee....


liebe Grüsse von Cindy2003
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friedel

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Samstag, 22. Februar 2014, 11:56

Man könnte bei den negativen Beispielen vermuten, das es eine Sache der fehlenden Erziehung ist : die Kinder werden mehr und mehr sich selbst überlassen, weil die Zeit fehlt ?

Ich meine, die Kinder zeitweise sich selbst zu überlassen ist nicht das eigentliche Problem. (Das waren sie auch schon zu Zeiten, als die Eltern tagsüber auf dem Feld arbeiteten, ohne oberflächlich zu werden.)
Was ich als problematisch ansehe ist, dass die Kinder dabei unvorbereitet und unkritisch unserer Gesellschaft und unseren Medien ausgesetzt werden.
Das was heutzutage an Werten umgeht, wird überwiegend von der Wirtschaft diktiert.
Der Hauptwert ist: Sei geldwert! Oder zeige zumindest nicht, dass du es nicht bist. Was dann zu Oberflächlichkeit führt. Geldwert sein wird durch Geld ausgeben gezeigt, notfalls simuliert. Konsum.
Der zweite Wert ist: Sei konform! Sei ein braves Schäfchen in der Herde. Leicht kontrollierbar. Abschätzbar. Kein Risikofaktor. Top-integriert. (Da unterscheiden sich die Ansprüche von Staat und Kirche und Wirtschaft nicht wirklich wesentlich.)
Keine Aussage wird wahrer, indem sie häufig wiederholt wird.
Aber sie gewinnt dadurch ungemein an Glaubwürdigkeit. (UT)
Wer den Willen hat, etwas zu tun (oder zu lassen), findet auch einen Anlass dafür. (UT)

cindy2003

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Samstag, 22. Februar 2014, 12:17

also ist die Wirtschaft unsere wirkliche Religion, beispielhafte Alternativen gibt es ja auch gross nicht mehr - die Kirche hat sich in der Geschichte und auch jüngst nun wirklich ins Aus geschossen, der Glaube ist da, aber ihre Vertreter betreiben Mißbrauch mit diesem, erinnere nur an den Protzbischof Tebarz van Elst, der Millionen für irgendeinen Prunkbau ausgegeben hat. (katholische Kirche)


liebe Grüsse von Cindy 2003
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friedel

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Samstag, 22. Februar 2014, 15:21

Die Kirche ist eine sehr alte Institution. Es ist wohl wie bei einem alten Apfelbaum, der zu selten richtig zugeschnitten wurde. Irgendwann bilden die Äste so ein Gewirr, dass man selbst an die wenigen gut gelungenen Äpfel gar nicht mehr herankommt.

Man darf nicht vergessen, dass Kirchenmänner genauso von unserer Zeit beeinflusst sind, wie ander auch.
Ich erinnere an die von mir erwähnte Werteregel 1: Zeige, dass du geldwert bist!
Tebarz vo Elst hat gezeigt, dass er jemand ist, dem Gelder zuzfließen. Er und die, die ihm so fleißig zugearbeitet haben, haben nichts anderes getan, als unserem Wertesystem zu erliegen (und das ganz ursprüngliche kirchliche Wertesystem in den Hintergrund zu drängen.)
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friedel

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Samstag, 22. Februar 2014, 15:38

Der Hauptwert ist: Sei geldwert!
Der zweite Wert ist: Sei konform!


Der dritte Wert ist: Unterscheide dich!
Wir sollen zwar konform sein, aber nicht beliebig austauschbar. Das hat auch wirtschaftlichen Sinn. Man soll zwar das wollen, was die anderen auch haben, aber man soll es so wollen, dass es genau auf das eigene Individuum zugeschnitten ist. Man soll das Teil nämlich nich einfach vom Nachbarn leihen oder von der Mutter erben, sondern man soll es sich selbst kaufen.

Der 4. Wert ist: Werde 100! (Und wirke dabei wie 50!)
Das mag jetzt manchen belustigen. Aber es hat schon seinen Grund, dass wir mit Statistiken beschallt werden, dass die Menschen immer älter werden. Um da konform zu bleiben, müssen wir investieren. In Fitness, in Wellness, in Pharmaartikel. Das ist ein riesiger Markt.
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Apeiron70

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Samstag, 22. Februar 2014, 21:37

Wir sehen den unmenschlichen Zustand in unserer Gesellschaft, tun aber selbst nichts dagegen? Warum?
Weil wir nicht wissen WAS zu tun ist! Demonstrieren auf der Strasse? Kennen wir alle schon, nutzt nix. In einer Partei tätig werden? Nutzt auch nix, da Politik ausserhalb des tatsächlichen Lebens steht, da " - der Politiker gegen jede positive menschliche Bemühung steht und stehen muß, da er seine Existenz ungelösten Problemen verdankt; - keine politische Regelung menschlicher Probleme jemals etwas erreichen wird; ... " (W. Reich, "Menschen im Staat", S. 115) und wie aus langen Erfahrungen heraus schon damals, 1937, gesagt werden konnte: "Die Partei war (für mich, W. R.) zur zweiten Heimat geworden. Das wird sie für alle, die die bürgerliche Sicherheit zugunsten des Kampfes für eine bessere Zukunft aufgeben. Für viele wird sie nur Heimat. Sie vergessen darüber das Ziel. Dies vernichtet die Organisation und macht sie zum Apparat." (ebenda, S. 212)
Es gibt viele gute Ansätze tatsächlich etwas zu tun, z. B. Dieter Duhm "Die heilige Matrix", oder auch Rudolph Bahro: "Die Alternative", doch wer fühlt sich berufen? Wer hat die Kraft, den Mut, das Geld, die Zeit? - Ich leider nicht.
Bleibt vorerst die Option, den Lauf der Dinge durch Passivität zu beeinflussen. (Typisch deutsch!) Und Lotto spielen... (Obwohl nun in der Ukraine die Menschen durch Zusammenhalt etwas bewirkt haben. Doch wo dies hinführen wird, vermag laut den Nachrichtensendungen niemand zu sagen.)

Grüße A.
»Liebe, Arbeit und Wissen sind die Quellen unseres Daseins. Sie sollen es auch regieren.«
Wilhelm Reich

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Samstag, 22. Februar 2014, 22:38

zwischenbilanzmäßig in diesem Thread sieht es so aus, dass es nur noch Zusammenhalt gibt, wenn uns eine gesamtbedrohende Katastrophe ereilt...., ganz schön schlimm, mit der unserer Lebensweise und Vernichtung der Erde wird das demnächst der Fall sein....mal krass gesagt.
Ich versuche trotzdem innerhalb meines Kreises Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe zu leben und weiterzugeben, es ist so wie Sender und Empfänger, manche können aber nicht empfangen, verstehen das nicht, was ich sagen will. Ich stosse da auf knallharte Ansichten, Aussagen wie : "was springt dabei für mich raus".
Mitgefühl mit Anderen zu haben ist doch sehr wichtig, ich kann nicht glauben, dass sich jeder nur noch für sich selbst interessiert, das führt zu nichts Gutem.
Die Krankheiten unter der Bevölkerung nehmen zu : allen voran Herz-Kreislauf, gefolgt von Diabetis, sowie psychische Leiden, die modernen Diagnosen wie Burnout usw. hört man jetzt nur noch, sollte uns das nicht zu denken geben.
und wie friedel sagt, man solle 100 Jahre alt werden und wirken wie 50, ist ebenso ein Wahnsinnsdruck, dem sich die Menschheit aussetzt, gegen das biologische Alter kann man nichts tun, aber gegen das optische, plastische Chirurgie ist da das Zauberwort. Der Kampf gegen das Alter ist doch ein aussichtsloser, geradezu lächerlich, aber viele kämpfen ihn täglich, und denken mit den angepriesenen Mittelchen ist nochwas zu machen, so ist es aber nicht, denn die Leistungsfähigkeit, die Kraft, die Belastbarkeit, die Lernfähigkeit und vieles andere schwindet und das ist auch so vorgesehen. Aber viele Menschen belügen sich da selbst und wirken eher nicht jugendlich sondern eher lächerlich (meine persönliche Meinung).


liebe Grüsse von Cindy 2003
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13

Sonntag, 23. Februar 2014, 22:23

Was wir hier sehen sind meiner Meinung nach "Neben"wirkungen unseres Systems.
Das System welches entwickelt (shaped) wurde um ein Individuum dazu zu bewegen zu konsumieren.
In einer Welt in der Dinge hergestellt wurden um Probleme zu lösen und zwar lange und gründlich ging es noch um Vernunft, maßvollen Einsatz von Guthaben und Ressourcen weil das alles noch auf einer Pre-Industrielen und Idee von "Schlechten Zeiten" oder "Mangel" basierte (die sich ja auch durch die Kriege nochmal verfestigte).
Von all dem wurden wir "befreit". Heute sind Dinge im Überfluss. Es gibt Dinge von denen wussten wir nicht einmal, daß es sie gibt und wir brauchen diese Dinge. Vor allem aber brauchen wir diese Dinge um uns von all den anderen Leuten abzusetzen. Zuerst von den Leuten die die Dinge nicht haben, sekundär von Leuten die die gleichen Dinge haben aber in einer anderen Farbe z.B.

Das bringt interessante Nebenwirkungen mit sich. Zum Beispiel ist Teilen nicht mehr gewollt. Teilen wird sogar verboten und verfolgt (ich rede hier nicht nur von Filesharing. Auch das "Vorführen" von DVDs z.B. ist reguliert). Auch das modifizieren/verbessern/reparieren (geplante Obsoleszenz) ist nicht gewollt. Also alle Tätigkeiten die zu Zusammenarbeit führen könnten. Zusammenarbeit die angeblich Gewinne mindern könnten.

Solch ein Denken ist sehr praktisch für Leute die mit Dingen Geld machen. Es ist aber auch praktisch für Leute die Politik machen.
Schaut euch mal die "zivilisierten" westlichen Nationen an. Was ist passiert aus den Demonstrationen der End-60ger in Deutschland oder den USA? Occupy ist daraus geworden. Ein Demonstations-Produkt bei dem die Teilnehmer sich eine Uniform (Maske z.B.) kaufen (weil sie oder ihre Eltern es sich leisten können), diese ggf. "individualisieren" (Mit Filzstiften) und dann zum "Event" gehen. Dort daran im Rahmen der gesellschaftlichen Regeln teilnehmen und ihre Teilnahme in den sozialen Medien festhalten (als Achievement/Trophäe). Ist das Event vorbei, gehen sie wieder nach Hause und fahren mit ihrem Leben fort. Die realen Auswirkungen die diese Events verursachen liegen bei Null.
Das wissen die politisch-wirtschaftlichen Führer auch. Sie haben es ausgesessen. Einige von ihnen haben sogar noch Gewinn damit gemacht bzw. machen noch immer Gewinn damit.

Diese Events sind sehr repräsentativ für diese surreale und austauschbare "Ideologie des Selbst" eines "Modernen Menschen" geworden. Heute glaube ich an Occupy, morgen bin ich Vegetarier übermorgen bin ich Buddhist. Dabei ist immer jemand da der damit Geld macht. Je nach dem was gerade "In" ist.

Das ist eine faszinierende Entwicklung die augenscheinlich wie eine Falle wirkt. Tatsächlich ist es schwer sich dem System zu entziehen und das Netz der Kontrolle wird mit jedem Jahr enger und es breitet sich aus.
Wir müssen jedoch bedenken: da die Leute an nichts mehr glauben, könnte es passieren, daß die Leute nicht mehr an das System glauben. Das wäre fatal. Daher kommt ein anderes Mittel ins Spiel: Angst.
Angst davor nicht mehr mitspielen zu können. Nicht mehr kreditwürdig zu sein.
Wer nicht arbeitet und Geld macht, darf nicht mitspielen. Darf nicht wählen was er heute glaubt oder nicht glaubt.
Er ist plötzlich auf andere angewiesen. Auf die Gnade der Masse gar. Welch eine Schande! Weiss man doch, daß man selbst gerne für sich wäre und ungern teilt (s.o.). Nun von anderen Hilfe erfragen? Ein Alptraum!

[...]

Zusammenhänge gibt es immer, man muß sie nur finden wollen.
U. Eco

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Hud« (23. Februar 2014, 22:26)


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14

Sonntag, 23. Februar 2014, 22:24

[...]

An dieser Stelle lohnt sich ein Blick zurück. Ein Blick auf die Utopien der 50ger und 60ger: wo sind die Roboter die uns angeblich die Arbeit abnehmen sollten damit wir weniger arbeiten z.B.?
Sie sind tatsächlich da. Tatsächlich gibt es heute nicht genug Arbeit für alle. Bzw. müsste es nicht genug Arbeit für alle geben. Aber das ist ein Tabu. Das darf man nicht aussprechen sonst würde das Angstkonstrukt in Frage gestellt werden und somit alles worauf diese Show basiert.
Deswegen wird heute Arbeit erfunden. Arbeit die es früher nicht gab oder Arbeit die früher einfach mal "miterledigt" wurde von anderen Arbeitern. Aber auch Arbeit die von Maschinen erledigt werden könnte, jedoch der Mensch tatsächlich die billigere Altarntive ist. Künstlichen Subventionen sei Dank.
Das ganze nennt sich dann: die Dienstleistungsgesellschaft.
Tatsächlich arbeiten wir mehr. Teilen gar unsere Arbeit auf outsourcen Teile der Arbeit damit andere auch was zu arbeiten haben.

Man müsste nun meinen, daß ja jetzt Freizeit weg fällt. Freizeit in der wir ja eigentlich konsumieren sollten.
Aber auch das hat sich ja erledigt. Kann man heute ja sich seine Freizeit aufs portable Gerät holen. Man kann damit Spaß haben UND Konsumieren.
Ist das nicht wundervoll??
Ein Kreis schließt sich.

Fast...
denn wie jedes System ist dieses nicht perfekt.
Abgesehen von dem oben beschriebenen Bug im System, daß die Leute irgendwann aufhören könnten an das System zu glauben welches auch durch die x-te Kamera irgendwann nicht mehr gelöst werden kann gibt es da noch die Thermodynamik.
Wo Gleichgültigkeit ist, ist auch Fanatismus.
Diese Entwicklung sehen wir derzeit in der Welt. Während unsere Prêt-à-porter "Event-Demos" hier in der "ziviliserten" Welt daher stolzieren, sterben Menschen für ihre Ideen in Nord-Afrika oder der Ukraine.
Was bei uns noch wie eine spannende Show im Fernsehn wirkt, kommt immer näher und gefährdet die neoliberale Utopie hinter deren Mauern wir uns noch sicher währen können.
Ewig wird das nicht halten.
Dann kommt wieder die Zeit des Zusammenhalts und der Gruppe.
Das ist etwas was wir nicht verlernen können. So weit sind wir noch nicht entfernt von unseren Brüdern und Schwestern die über die Steppen gezogen sind ;)

Zusammenhänge gibt es immer, man muß sie nur finden wollen.
U. Eco

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Apeiron70

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Sonntag, 23. Februar 2014, 22:30

Eine weitere Zwischenbilanz ist für mich zu erkennen, dass es noch ein paar Menschen gibt die sich menschlich verhalten wollen, denen es aber schwer gemacht wird. Die Selbstsucht ist nicht neu,
schon Marx und Engels wiesen in ihren Schriften darauf hin, dass die Genusssucht das letztlich treibende Motiv für Unmenschlichkeit ist:


"Die Macht dieser naturwüchsigen Gemeinwesen mußte gebrochen
werden - sie wurde gebrochen. Aber sie wurde gebrochen durch
Einflüsse, die uns von vornherein als eine Degradation erscheinen, als ein
Sündenfall von der einfachen sittlichen Höhe der alten Gentilgesellschaft. Es
sind die niedrigsten Interessen - gemeine Habgier, brutale Genußsucht,
schmutziger Geiz, eigensüchtiger Raub am Gemeinbesitz -, die die neue,
zivilisierte, dieKlassengesellschaft einweihen; es sind die schmählichsten
Mittel - Diebstahl, Vergewaltigung, Hinterlist, Verrat, die die alte
klassenlose Gentilgesellschaft unterhöhlen und zu Fall bringen."

[Engels: Der Ursprung der Familie. Marx/Engels: Ausgewählte
Werke, S. 9502 (vgl. MEW Bd. 21, S. 97)]




"Nirgendwo sind so offen und so schamlos die Rechte der
Person dem Recht des Eigentums geopfert worden als in den Wohnungsverhältnissen
der arbeitenden Klasse. Jede große Stadt ist eine Stätte des Menschenopfers,
ein Altar, worauf Tausende jährlich dem Moloch der Habsucht geschlachtet
werden.«

[Marx: Das Kapital. Marx/Engels: MEW Bd. 23]


"Mir ist nie eine so tief demoralisierte, eine so unheilbar
durch den Eigennutz verderbte, innerlich zerfressene und für allen Fortschritt
unfähig gemachte Klasse vorgekommen wie die englische Bourgeoisie - und hier
meine ich vor allem die eigentliche Bourgeoisie, besonders die liberale,
Korngesetzabschaffende. Für sie existiert nichts in der Welt, was nicht nur

um des Geldes willen da wäre, sie selbst nicht ausgenommen,
denn sie lebt für nichts, als um Geld zu verdienen, sie kennt keine Seligkeit
als die des schnellen Erwerbs, keinen Schmerz außer dem Geldverlieren. Bei
dieser Habsucht und Geldgier ist es nicht möglich, daß eine einzige
menschliche Anschauung unbefleckt bleibe."

[Engels: Die Lage der arbeitenden Klasse in England.
Marx/Engels: Ausgewählte Werke, S. 10784 (vgl. MEW Bd. 2, S. 486)]


Bleibt immer noch die Frage, wo kommt dieses Verhalten her?

Wo diese Hartherzigkeit und die Unmenschlichkeit herkommt hat Wilhelm Reich zur Genüge analysiert, doch dies kann ich hier nicht mal eben auseinandersetzen. Um die Menschen zu verstehen, habe ich angefangen Reich zu lesen.(Z. B. "Charakteranalyse") Und es hat mir in vielen Lebenslagen geholfen.

Grüße A.
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Wilhelm Reich

cindy2003

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16

Sonntag, 23. Februar 2014, 22:59

wir sind alle nur Menschen, warum schaffen wir es nicht, friedlich neben und miteinander herzuleben, warum schaffen wir es nicht, diesem Konstrukt, von uns selber gemacht, zu wiederstehen ? Wir verfügen über ein geniales Denkvermögen und wissen bereits, wenn wir so weitermachen, was auf uns zukommt, müssen wir da wieder auf die Diskussion " Dummheit in der Welt" zurückkommen ?
Was bewegt uns, uns über den anderen erheben zu wollen, ihm unsere Meinung zu diktieren, zu intrigieren, ihm zum Untertan zu machen ?
Wo nehmen wir soviel Energie dazu her und wozu ?
Die errungenen Zustände sind nicht dauerhaft haltbar und das kann doch anhand unserer Geschichte jeder nachlesen.
Wir müssen bei Albert Schweitzer oder Kant nochmal in die Lehre gehen, so habe ich den Eindruck.


liebe Grüsse von Cindy2003
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schmutzteufel

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Montag, 24. Februar 2014, 06:52

Ich versuche trotzdem innerhalb meines Kreises Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe zu leben und weiterzugeben, es ist so wie Sender und Empfänger, manche können aber nicht empfangen, verstehen das nicht, was ich sagen will. Ich stosse da auf knallharte Ansichten, Aussagen wie : "was springt dabei für mich raus".
Ganz recht Cindy! Ich kenne dahingehend andere Antworten, ob sie knallhart sind oder normal, weiß ich nicht...
"Was geht Sie/dich das an?"... "Kümmern Sie sich um Ihren eigenen Kram!"... "Was glauben Sie wer Sie sind?"... "Misch dich da nicht ein!"..."Geh sch....!" usw...und noch deftigeres....

Soweit zu jenen in meinem Umkreis, die nicht "empfangen" können/wollen. Oder sende ich die falschen Signale? Asperger schaffen es ja oft nicht, den richtigen Ton zu treffen..

schmutzteufel

unregistriert

18

Montag, 24. Februar 2014, 06:59

Meine falschen(?) Signale:
Oft denke ich mir, es hat tatsächlich etwas mit meinem Äußeren zu tun, dass ich oft auf so viel Abneigung stoße. Meine dunkle, rauhe Stimme, mein breiter Dialekt und meine immer scheinbar böse dreinblickenden Gesichtszüge.

Es hat sich seit damals nicht viel geändert...außer dass das Kind eine alte Frau geworden ist.
»schmutzteufel« hat folgendes Bild angehängt:
  • R.a.Topf 30kb.jpg

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »schmutzteufel« (24. Februar 2014, 07:00)


cindy2003

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19

Montag, 24. Februar 2014, 07:21

Hey, @schmutzteufel

hab was schönes zum österreichischen Dialekt von Christian Morgenstern gefunden :


"Der österreichische Dialekt ist darum so hübsch, weil die Rede beständig zwischen sich gehenlassen und sich zusammennehmen hin und her spielt.
Er gestattet damit einen, durch nichts anderes ersetzbaren Reichtum der Stimmungswiedergabe" -Zitat-


Ja sicher, wird es so sein, das man auf Abneigung aufgrund seines Äußeren stösst, die oberflächlichen Menschen beurteilen doch nur nach Optik, auch so ein Mumenschantz, wie Fasching eben - Kleider machen Leute - , und die Mehrheit von uns fällt darauf herein.....


liebe Grüsse von Cindy2003
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schmutzteufel

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20

Montag, 24. Februar 2014, 07:34

Oder liegt es daran, dass ich Probleme zu direkt anspreche. Das scheint viele abzustoßen.
Man muss überall "um den Brei herumreden". Die Dinge "schleimend" und "kriechend" vorbringen, denke ich.

Beispiel:

"Du kümmerst dich zu wenig um deinen Sohn! Jeder merkt das, nur du nicht!" = falsch!
"Dein Sohn ist ein ganz lieber Bub, aber er scheint ein bisschen einsam? Die Leute meinen er möchte mehr mit dir zusammen sein. Ich denke das auch." = richtig?

Im Umgang mit Borderlinern oder zur Streitschlichtung/coaching gibt es die SET-Kommunikation. Für mich definitiv kaum erlernbar, schon gar nicht wenn etwas spontan geschieht.

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