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1

Freitag, 11. Oktober 2013, 19:46

Sachlichkeit, Wahrnehmung und Tatsachen

es kommt Iimmer wieder vor dass einer dem anderen Vorwürfe macht weil jener nicht sachlich sei, die Unwahrheit sage oder sich eteas einbilde.

Jedoch, wie kann sich jeder sicher sein, selbst keine dieser Missetaten begangen zu haben? Woher kann ich wissen, ob ich selbst keiner Illusion unterliege?
Gibt es so etwas wie die absolute Wahrheit überall? Was wären die Konsequenzen?

Selbst in der Physik ist nicht alles so eindeutig wie es scheinen mag. Wie ist es dann erst mit Annahmen die sich nicht bei allen Ansprūchen an die Beweise als Wahrheit zeigen?

Kommt dazu, dass wir auch noch mit mehreren Wahrheiten rechnen müssen, nämlich eine für jede Kombination an Umständen in diesem Moment an diesem Ort.

Dieses Konzept der multiplen Wahrheiten scheint für manchen eine grosse Herausforderung zu sein. Jedenfalls wäre dies eine mögliche Erklärung für viele Missverständnisse und Konflikte inklusive Debatten um Sachlichkeit.

Doch was ist Sachlichkeit überhaupt?
Ist es das Nichtausdrücken von Emotionen?
Heisst das beim Thema zu bleiben?
Bedingt sie jegliches Fehlen von Kritik?
Oder ist ebendiese Definition nicht schon wieder ein Bündel verschiedener Wahrheiten?

2

Freitag, 11. Oktober 2013, 21:39

Wahrheit

Wahrheit ist Wahrheit. Es gibt nur die Wahrheit und keine Wahrheiten. Allerdings sind wir Menschen in der Regel nicht im Besitz der ganzen Wahrheit. Man kann sich aber durchaus auf die Wahrheit zu bewegen oder sich von Ihr entfernen.

Dinge können von verschiedenen Seiten und verschiedenen Perspektiven betrachten werden und je nach dem wo man steht nähert man sich der Wahrheit unter Umständen von einer anderen Seite an.

Wenn man nun aber hingeht und die Wahrheit verleugnet und meint die ganze Welt bestehe nur aus Wahrheiten und jeder Mensch zimmere sich seine eigene Wahrheit, dann gibt man sich der Ilusion des Relativsmus hin für den die Wahrheit alles oder nichts ist.

3

Freitag, 11. Oktober 2013, 21:43

Sachlichkeit ist, wenn man nicht seine persönliche Ansicht einfliessen lässt, sondern nur über Tatsachen redet.

Häufig ist man sich aber schon uneinig, was überhaupt Tatsache ist.
Dadurch wird es natürlich schwierig.

Hinzu kommt, dass es neben der Inhaltsebene die Beziehungsebene gibt.
Da kommt auch die Frage mit der Kritik ins Spiel. Je nach Beziehung zwischen den Personen gestaltet sich die Kritik anders. Sie kann je nachdem auch ganz fehlen.

Ich denke nicht, dass Sachlichkeit bedeutet, keine Emotionen auszudrücken, denn diese gehören zu den Menschen. Jedenfalls zu den NT's.

Bei einer sachlichen Diskussion hilft es auch sehr, wenn man beim Thema bleibt. Themenwechsel sind aber nicht grundsätzlich ausgeschlossen.


friedel

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4

Samstag, 12. Oktober 2013, 11:44

Sachlichkeit ist, wenn man nicht seine persönliche Ansicht einfliessen lässt, sondern nur über Tatsachen redet.

Ist dann die Tatsache, dass etwas meine persönliche Ansicht ist, gar keine Tatsache?
Darüber mag in anderen Köpften tatsächlich Uneinigkeit herrschen.

Es ist meine Ansicht, dass es keine absoluten Tatsachen gibt.

(Die Erde ist rund. Ach ja? Sie gleicht doch eher einer eingedellten Kartoffel. Nein, sie ist nicht rund. Und vor zweitausend Jahren war sie noch eine Scheibe. Das ist sie demnach jetzt auch noch, wenn sie niemand gebogen hat. Aber vom All aus sieht sie doch total rund aus. Das liegt am Wasser. Also ist das Wasser rund? .....) ;)

Das was als Tatsache bezeichnet wird, ist im Grunde ein Kompromiss. Eine Übereinkunft.

Sachlichkeit ist das Bemühen (Mehr nicht, denn niemand ist perfekt. Deshalb muss es ab und zu ermahnt werden.), bei einer Diskussion sich im Rahmen dieser Übereinkunft zu bewegen und thematisch bei der Sache zu bleiben.
Keine Aussage wird wahrer, indem sie häufig wiederholt wird.
Aber sie gewinnt dadurch ungemein an Glaubwürdigkeit. (UT)
Wer den Willen hat, etwas zu tun (oder zu lassen), findet auch einen Anlass dafür. (UT)

Wieland

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5

Samstag, 12. Oktober 2013, 12:23

Sehr verehrte Friedel,

bezüglich Deiner Ansicht, die ich durchaus respektiere:

Zitat

Es ist meine Ansicht, dass es keine absoluten Tatsachen gibt.
Das ist doch eine absolute Aussage, da Du damit besagst, dass es AUSNAHMSLOS KEINE absoluten Tatsachen gäbe.
Ist das nicht in sich ein Widerspruch?


(Nur eine kleine Frage, keine Bange... :) )
"Uns Menschen in dieser Welt ist daran am meisten gelegen, dass wir das Verlorene wieder suchen. So wir nun wollen suchen, so müssen wir nicht ausser uns suchen!"

Jacob Böhme (Schuhmacher, Philosoph, Mystiker und Alchimist, 1575-1624)

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Wieland« (12. Oktober 2013, 12:24)


friedel

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6

Samstag, 12. Oktober 2013, 14:20

bezüglich Deiner Ansicht, die ich durchaus respektiere:

Zitat (von friedel):
Es ist meine Ansicht, dass es keine absoluten Tatsachen gibt.

Wieland:
Das ist doch eine absolute Aussage, da Du damit besagst, dass es AUSNAHMSLOS KEINE absoluten Tatsachen gäbe.
Ist das nicht in sich ein Widerspruch?


Das wäre tatsächlich ein Widerspruch in sich, wenn man davon ausgeht, das meine Ansichten absolut (und unveränderlich festgemeiselt) sind.
Wie das aber mit Ansichten oft so ist, basieren auch die meinen auf meinem aktuellen Informationsstand. Erhalte ich neuen Informationen, so muss ich meine Ansichten überdenken.

absolutus, lateinisch: vollkommen, vollendet, uneingeschränkt.

"meine Ansicht": eine nicht zwingende, aber mögliche Einschränkung.

Demnach ist es keine absolute Aussage.

Aber Wieland: Guter Versuch! :D
Keine Aussage wird wahrer, indem sie häufig wiederholt wird.
Aber sie gewinnt dadurch ungemein an Glaubwürdigkeit. (UT)
Wer den Willen hat, etwas zu tun (oder zu lassen), findet auch einen Anlass dafür. (UT)

sofafernsehfan

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7

Samstag, 12. Oktober 2013, 22:00

Doch was ist Sachlichkeit überhaupt?
Ist es das Nichtausdrücken von Emotionen?
Heisst das beim Thema zu bleiben?
Bedingt sie jegliches Fehlen von Kritik?
Oder ist ebendiese Definition nicht schon wieder ein Bündel verschiedener Wahrheiten?


Ich antworte aus meiner Sicht,

Zitat

Was ist Sachlichkeit überhaupt?

Ein Diskussionsstil. Der Versuch zu diskutieren ohne jemanden auf persönlicher Ebene anzugreifen und zu verletzen. Der Versuch bei einer Diskussion offen für eine ander als der eigenen Meinung zu sein. Der Versuch zu diskutieren ohne die Diskussion "gewinnen" zu wollen.

Zitat

Ist es das Nichtausdrücken von Emotionen?

Nein.

Zitat

Heisst das beim Thema zu bleiben?

Ja, das gehört dazu.

Zitat

Bedingt sie jegliches Fehlen von Kritik?

Nein, auf keinen Fall. Wie soll eine Diskussion ohne Kritik des anderen Standpunktes stattfinden? Das wäre doch blos aneinender vorbei reden".

Zitat

Oder ist ebendiese Definition nicht schon wieder ein Bündel verschiedener Wahrheiten?

Ja, natürlich. Es gibt nicht nur eine Wahrheit. Ausser vielleicht in der Mathematik.
Ich bemerke dass mein Training im Umgang mit Aspies begonnen hat und ich möchte mich entschuldigen falls es durch meinen gewohnheitsmässigen Umgang mit Doppeldeutigkeiten, Wortspielen und Ironie zu Missverständnissen gekommen ist (und kommen wird).

8

Sonntag, 13. Oktober 2013, 00:25

Anbei meine Antworten zu Deinen Fragen:

1. Doch was ist Sachlichkeit überhaupt?

Sachlichkeit bedeutet, da man eine Diskussion auf der Sachebene und nicht auf der emotionalen Ebene führt. Persönliche Angriffe, fehlender Respekt und unnötige Provokationen sind zu unterlassen. Es geht um das Thema, das man diskutiert und nicht darum zu gewinnen oder sich auf Kosten anderer zu profilieren kurzum sämtliche Regelen der Netiquette oder allgemein gesagt der Höfflichkeit müssen vollumfänglich eingehalten werden.

2. Ist es das Nichtausdrücken von Emotionen?

Nein

3 .Heisst das beim Thema zu bleiben?

Nein, nicht zwingend. Allerdings sollte es nicht zu endlosen Monologen führen die mit dem eigentlichen Thema nicht zu tun haben...eine natürlich Verlangerung des Themas von einem Thema zum anderen beeinträchtigt die Sachlichkeit nicht.


4. Bedingt sie jegliches Fehlen von Kritik?

Nein, solange die Kritik rein sachlicher Natur ist.

5. Oder ist ebendiese Definition nicht schon wieder ein Bündel verschiedener Wahrheiten?

Nein ist es nicht. Es ist bestenfalls ein Ausdruck verschiedener Meinungen zu den Fragen.

9

Sonntag, 13. Oktober 2013, 00:45

"Jedoch, wie kann sich jeder sicher sein, selbst keine dieser Missetaten begangen zu haben? "

In dem man ehrlich zu sich selbst ist und sich in Selbstkritik und Selbstkontrolle übt.

"Woher kann ich wissen, ob ich selbst keiner Illusion unterliege?"

Gleiche Antwort wie oben: In dem man ehrlich zu sich selbst ist und sich in Selbstkritik und Selbstkontrolle übt + Feedback Dritter.

"Gibt es so etwas wie die absolute Wahrheit überall?

Ja, die gibt es. Allerdings nähert sich der Mensch ihr im allgemeinen nur an sprich bewegt sich auf sie zu oder von ihr weg.

Was wären die Konsequenzen?"

Die Konsequenz ist, das man sich nicht aus seiner Verantwortung reden kann, sondern es ein klares falsch oder richtig gibt / klare Spielregeln, die für alle gelten sprich auch für die, die meine für sie gelten die Regeln nicht, da sie eine andere Meinung haben als die Wahrheit so ähnlich wie die Menschenrechte, die allgemein als universel gültig für alle angesehen werden. Auch wenn es Ländern gibt, die meinen für sie gelten diese Regeln nicht, da sie ihnen nur lästig sind.

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