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Nachrichten

Hier findest du Schlagzeilen zum Thema Autismus mit Schwerpunkt Asperger Syndrom.

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22. Dezember 2014, 14:58

Der beste Azubi Deutschlands mit Asperger-Syndrom

Nur noch zwei Tage. Dann wird Jonathan Haas dort stehen, wo er eigentlich ungern steht: mitten im Rampenlicht – und in diesem Fall auch noch auf einer Bühne in Berlin. Rund 1000 Gäste werden bei dem „großen Festakt“, wie es in der Einladung heißt, erwartet.



Hinter ihm liegt ein nicht ganz einfacher Weg. Doch von vorn: Nach dem Abitur kämpft Haas damit, seinen Weg zu finden. Informatikstudium nach einem Semester abgebrochen; mehrere erfolglose Bewerbungen auf Ausbildungsplätze. „Ich habe einige Bewerbungsgespräche gehabt. Aber ich war immer ziemlich nervös und bin wohl auch deshalb nicht so gut rübergekommen“, sagt er. Dass er das Asperger-Syndrom hat und ein Bewerbungsgespräch auch schon deshalb für ihn eine schwierigere Situation darstellt als für viele andere Bewerber, erzählt er seinen potenziellen Arbeitgebern nicht.

Diese Andersartigkeit ist es, die in Haas’ Ausbildungsbetrieb geschätzt wird. Innerhalb weniger Tage gelingt es Haas, seinen zukünftigen Arbeitgeber von sich und seinen Fähigkeiten zu überzeugen. Er darf direkt programmieren und zeigen, was in ihm steckt. Nach dem Praktikum arbeitet er einige Zeit weiter im Betrieb und beginnt schließlich seine Ausbildung in der Firma.

„Er ist bei seiner Arbeit ausgezeichnet, kann sich sehr schnell in neue Aufgaben eindenken, hat eine wahnsinnige Auffassungsgabe und arbeitet sehr exakt“, sagt Roland Schmitz über seinen Azubi. „Das Programmieren ist einfach seine Sache.“ Dass Haas vielleicht nicht besonders gut im Bereich Small Talk ist oder noch Schwierigkeiten hat, mit fremden Menschen am Telefon zu sprechen, stört hier niemanden.

Während Ausbildung und Studium hat Haas nicht nur gelernt, wie er mathematische Methoden bei der Programmierung anwendet und Software erstellt, sondern er hat auch gelernt, mit dem Asperger-Syndrom anders umzugehen. „Ich bin in den vergangenen vier Jahren viel offener geworden“, sagt er. „So ein Gespräch, wie wir es heute geführt haben, wäre damals nicht möglich gewesen.“


 

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22. Dezember 2014, 14:49

Diagnose Asperger – Mein Mitschüler ist Autist

Was die Diagnose für den Jungen und die Menschen in seiner Umgebung bedeutet, erklärt ein Zehntklässler im Abendblatt

Ich kann sagen, dass die typischen Verhaltensweisen eines Menschen mit dem Asperger-Syndrom auf meinen Mitschüler zutreffen. Er fällt häufig durch emotional unangemessenes Verhalten und begrenzten Blickkontakt auf. Die in meinen Augen größte Auffälligkeit besteht jedoch darin, dass er sich sprachlich perfekt ausdrücken kann. Wer ihm aufmerksam zuhört, bemerkt, wie er sich die Sprache im Kopf zurechtlegt. Er plant das Sprechen. Dadurch redet er oft stockend, langatmig und manchmal auch so, dass einem das Folgen schwerfällt. Außerdem fehlt ihm das Verständnis für Ironie und Sarkasmus. "Das war doch nur Ironie!" Diesen Satz hört er mehrmals in der Woche. Das zeigt aber auch, dass kaum jemand weiß, was Asperger überhaupt ist. Es scheint, dass selbst einige Lehrer nicht informiert sind. So forderte ein Lehrer meinen Mitschüler zum Beispiel einmal auf, die wichtigsten Aussagen eines Textes zu nennen. Der Großteil der Menschen mit Asperger-Syndrom kann nicht zwischen Wichtigem und Unwichtigem unterscheiden.

 

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22. Dezember 2014, 10:40

Dieser Barkeeper schüttelt auch sein Gehirn

Sein Privatleben empfindet Autist Florian Flussmann als "eher lästig".
Als Barkeeper blüht er hingegen auf. Mit Tricks kontrolliert er das Asperger-Syndrom, um seinem Traumberuf nachgehen zu können.



Immer wieder macht Flussmann zu Hause Pause und arbeitet dann im „Hotel Jungbrunn“ im Tannheimer Tal Abends, wenn andere die Füße hochlegen und den Fernseher anschalten, startet bei Florian Flussmann, 28, ein immer gleiches Programm.
Der junge Mann aus Sonthofen im Allgäu löscht dann "die Festplatte in seinem Kopf", eine Art Defragmentierung wie er es nennt. Eine Stunde lang denkt er noch einmal an alle Ereignisse und Informationen des Tages und verschiebt die unwichtigen in einen imaginären Papierkorb. Andernfalls wäre sein Gedächtnis schnell mit Überflüssigem zugemüllt und er würde darüber vielleicht die eigene Telefonnummer vergessen. Oder die Hausnummer. Oder sein Geburtsdatum.
Denn Florian Flussmann ist Autist.

 

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9. März 2014, 08:27

Ein Wanderer im Land der Zahlen

Daniel Tammet ist ein Savant. Der 35-jährige Brite kann extrem gut mit Zahlen. Doch weniger gut mit Menschen. Tammet hat Asperger, eine spezielle Form von Autismus. Und er hat ein unergründliches Zahlenwissen, an dem er die Leser seines neuen Buchs «Die Poesie der Primzahlen» teilhaben lässt.
« Meine Mutter stellt für mich ein ewiges Geheimnis dar. Ihr Verhalten ist mir ein Rätsel, und so sehr ich es auch zu begreifen und zu lösen versuchte, ich verstehe sie einfach nicht. »
Daniel Tammet

22'514 Ziffern haben ihn berühmt gemacht. Denn Daniel Tammet kann die Zahl Pi, die vor dem Komma eine drei und hinter dem Komma unendliche viele Stellen hat, bis auf besagte 22'514. Nachkommastelle auswendig aufsagen. Gelungen ist ihm dies vor ziemlich genau zehn Jahren, am Pi-Tag im Museum of the History of Science der Universität Oxford.

Tammet ist ein so genannter Savant. Ein Mensch, der über ausgesprochen faszinierende Begabungen verfügt, während ihm ganz alltägliche Dinge schwer fallen. Der 35-jährige Brite hat ein unergründliches Zahlenwissen – und Asperger: eine spezielle Form von Autismus. Für Aussenstehende ist das faszinierend und unverständlich zugleich. Weshalb sich Daniel Tammet in Vorträgen und Büchern zu erklären versucht. Auch in seinem dritten Buch, der Aufsatzsammlung «Die Poesie der Primzahlen», führt er die Leser durch seine wundersame Welt der Ziffern und Zahlen.

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8. Dezember 2013, 23:22

Susan Boyle leidet unter Asperger-Syndrom

Viele Jahre wurde Sängerin Susan Boyle gehänselt, nun wurde bei dem "Britain's Got Talent"-Star das Asperger-Syndrom, eine Form des Autismus, diagnostiziert. Für die 52-Jährige eine Erleichterung.


Die schottische Sängerin Susan Boyle, die durch eine Talentshow über Nacht zum Star geworden ist, leidet nach eigenen Angaben unter dem Asperger-Syndrom, einer Form von Autismus.Nachdem sie jahrelang wegen ihrer Lernschwäche gehänselt worden sei, habe sie vor einem Jahr endlich die Diagnose Asperger bekommen, sagte Boyle in einem am Sonntag veröffentlichten Interview mit der britischen Zeitung "The Observer". Als Kind sei ihr hingegen gesagt worden, sie habe einen Hirnschaden.


"Ich wusste immer, dass das ein unfaires Etikett war", sagte Boyle über die Fehldiagnose. "Jetzt habe ich eine genauere Vorstellung davon, was nicht stimmt, und ich fühle mich erleichtert und ein bisschen entspannter mir selbst gegenüber."

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31. Oktober 2013, 17:59

Perfekte Fehlersucher

Die Berliner Firma Auticon setzt auf ungewöhnliche Mitarbeiter. Die Softwaretester können sich unwahrscheinlich gut konzentrieren und sehr genau beobachten. Aber wegen ihres Asperger-Syndroms haben sie auf dem Arbeitsmarkt meist keine Chance.


Ortsbesuch bei der Firma Auticon in Berlin. Das Softwareunternehmen residiert im fünften Stock eines geräumigen Altbaus. In den langen Fluren und hohen Räumen herrscht regungslose Stille. In einigen Zimmern klappert lediglich hin und wieder die Tastatur - so auch im Büro einer jungen Frau, die konzentriert am Computer arbeitet:


"Mein Name ist Melanie Altrock, ich bin 27 Jahre alt und Softwaretesterin bei Auticon."


Seit rund einem Jahr gehört die schlanke, dunkelblonde Frau zum Auticon-Team, testet hier neu entwickelte Software auf Programmierfehler. Ein so reizarmes und ruhiges Umfeld wie hier ist wichtig für einen Menschen mit Asperger-Autismus.

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12. August 2013, 21:04

Besonderes Potenzial verlangt neue Entwicklungskriterien

SAP und Vodafone machen es vor: Sie setzen Menschen mit einem autistischen Syndrom für spezielle IT-Aufgaben ein. Welche Potentiale Autisten haben und welche Defizite es in ihrer Personalentwicklung gibt, berichtet Winfried Gertz in der aktuellen Ausgabe des Personalmagazins.


Rund ein Prozent der Bevölkerung ist Schätzungen zufolge autistisch, die meisten davon leben mit einer milden Form des Autismus, dem Asperger-Syndrom. Diese Menschen aus dem ersten Arbeitsmarkt auszuschließen tut ihnen Unrecht, denn sie verfügen oft über Potenziale, die nicht-autistische Arbeitnehmer nur selten mitbringen.


Winfried Gertz beschreibt am Beispiel von SAP und Vodafone, welche das sind. Beide Firmen haben bereits Erfahrungen mit autistischen Arbeitnehmern gemacht: "Sie verfügen häufig über sehr gutes Fachwissen, denken logisch und analytisch", sagt etwa Matthias Prössl, der die deutschen Geschäfte des dänischen SAP-Partners Specialisterne koordiniert und Autisten für das Softwarehaus rekrutiert. Detailverliebt und präzise gingen sie ihre Aufgaben an, so Prössl. Selbst bei Arbeitsschritten, die mehrmals wiederholt werden müssen, lasse ihre Konzentrationsfähigkeit nicht nach. Dies qualifiziert sie vor allem für den IT-Bereich. Außerdem fänden autistische Mitarbeiter "neue Lösungswege für bekannte Probleme", so zitiert Gertz den Projektleiter Marc Ruckebier von Vodafone.

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4. Juli 2013, 22:15

Asperger-Autismus bei Mädchen oft unerkannt

Mädchen sind seltener als Jungen vom Asperger-Syndrom, einer autistischen Störung, betroffen. Oder liegt es nur daran, dass die Symptome bei ihnen weniger auffällig sind? Von 1 000 Kindern sind bis zu drei Asperger-Autisten. Auf sechs bis acht Jungen kommt aber nur ein Mädchen. Möglicherweise ist die ungleiche Geschlechterverteilung darin begründet, dass die Krankheits-Symptome bei Mädchen seltener erkannt werden, weil sie oft nur als komische Eigenheiten gewertet werden. Die betroffenen Mädchen werden oft lediglich als seltsam wahrgenommen, nicht jedoch als umfassend beeinträchtigt. Das Asperger-Syndrom wird oft erst spät erkannt - wichtige Fördermaßnahmen bleiben aus, weiß Dr. Christine Preißmann, Ärztin für Allgemeinmedizin und Psychotherapie, die selbst Asperger-Autistin ist.


Die betroffenen Mädchen sind ruhiger und können ihr Verhalten besser kontrollieren. Im Schulunterricht verhalten sich Mädchen mit Asperger-Syndrom eher passiv und geben sich große Mühe, alles richtig zu machen. Rechtzeitig erkannt, können gezielte Fördermaßnahmen eine wertvolle Hilfe und Gewissheit bieten. Der neue Ratgeber Überraschend anders - Mädchen und Frauen mit Asperger von Preißmann will dazu beitragen. Betroffene und Angehörige berichten darin, wie sie Schulzeit und Pubertät erlebten. Preißmann gibt praktische Tipps rund um Haushaltsführung und Beruf und lässt eine Psycho- und eine Ergotherapeutin ihre Erfahrungen schildern. Der Ratgeber richtet sich an selbst betroffene Menschen und ihr soziales Umfeld, aber auch an alle Interessierten und Fachleute wie Therapeuten, Pädagogen und Ärzte.

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18. Juni 2013, 18:53

«Rain Man» ist nicht allein

Vor fünfundzwanzig Jahren brachte Hollywood den Film «Rain Man» in die Kinos. Dustin Hoffman spielte an der Seite von Tom Cruise einen Mann mit autistischen Störungen: sozial unterentwickelt, aber mit genialischen Zügen – einen Mann mit Asperger-Syndrom. Damals muteten die bewegten Bilder eines Autisten exotisch an. Heute erklären Experten, die Diagnose Autismus habe ein erschreckendes, ja «epidemisches» Ausmass angenommen, gerade in den USA. Der amerikanische Psychiater Allen Francis, der in einem vielbeachteten Buch gegen die Inflation psychiatrischer Diagnosen anschreibt, zählt Autismus gar zu den «Modekrankheiten der Gegenwart», zusammen mit ADHS, Sozialphobie oder Burnout. Was geht hier vor?


Jüngst hat an der Universität Zürich eine Tagung zu dieser Thematik stattgefunden, organisiert von Entresol, einem Netzwerk für Wissenschaften der Psyche. Das Programm erwies sich als abwechslungsreich, aber etwas zu ambitiös – war es doch das erklärte Ziel der Veranstalter, den Autismus «sowohl unter dem Aspekt einer klinischen als auch kulturellen Diagnose einer Prüfung zu unterziehen». Dementsprechend rekrutierten sich die Referentinnen und Referenten aus zwei sehr unterschiedlichen Welten: der psychiatrischen Praxis im engen und der Kulturwissenschaften im weiten Sinn. Die Gefahr, in theoretischen Reflexionen über das Phänomen abzudriften und dabei das Schicksal Betroffener aus den Augen zu verlieren, wurde so umgangen.

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16. Juni 2013, 17:01

Asperger-Syndrom oft spät erkannt

"Manchmal erfahren die Betroffenen sowie ihre Angehörigen erst im Erwachsenenalter, dass sie dem Asperger-Syndrom entsprechende Symptome aufweisen", sagte Dörthe Taubel, die seit rund zehn Jahren mit autistischen Kindern arbeitet. Schwächen in den Bereichen der sozialen Interaktion und Kommunikation, kaum Kontakte zu anderen Kindern und die gering ausgeprägte Fähigkeit, nonverbale und parasprachliche Signale der Mitmenschen zu erfassen, seien typische Symptome.


"Man kommt erst spät dahinter, was das Anderssein des Kindes erklärt", berichtete eine andere betroffene Mutter. Neue Erkenntnisse der Hirnforschung würden heute Aufschluss über Ursachen geben, erklärte Waltraud Deuschle. Mehr Wissen über diese Diagnose könne den Eltern helfen, ist sie sicher; nun hofft sie, dass die Selbsthilfegruppe von Julia Bösch Zuwachs erhält. Die Diagnose Autismus nahm in den vergangenen Jahren erheblich zu, war im Vortrag zu erfahren.