Beiträge von joh

    Früher wurden Kinder ganz anders erzogen. Es galten andere Werte und Vorstellungen. Die Kinder von damals hatten wenig bis keine Rechte und die Eltern hatten das Recht, ihre Kinder so zurecht zu biegen, wie es ihnen beliebte.


    Stimmt nicht ganz. Früher mussten die Kinder sich stärker den äusseren Gepflogenheiten fügen. Sie hatten aber dafür mehr Möglichkeiten sich frei zu entfalten. Von einem Kind wurde früher deutlich weniger erwartet. Es gab auch mehr Natur und Freiräume um Dinge auszuprobieren. Es gab weniger Kontrolle.

    Heute nennt man es ADHS.


    Stimmt nicht ganz. ADHS beinhaltet einige Aspekte von POS, ist aber etwas anderes als ein POS.
    Unruhe, Zappligkeit und mangelende Aufmerksamkeit waren die Grundmerkmale von POS. Als ich etwas älter war, wurde mir ende 1970er Jahre erklärt, das POS auswächst. Auch unter Fachleuten war die Ansicht weitverbreitet, dass mit dem Eintritt ins Erwachsenenalter, POS von selber verschwindet (aus wächst).
    Darum wurde in der Schule auch mit Zwang gearbeitet. Weil man dachte dass dadurch die Aufmerksamkeit und Motivation steigt.
    Erst mit dem neurologischen Fortschritt wurde die dahinter liegenden Probleme besser erkannt und der Zwang verschwand aus dem schulischen Alltag.
    Darum wurde mir auch als junger Erwachsenen gesagt, dass ich nun gesund, also wieder normal bin. Nur meine Probleme hatten sich nicht gelöst.
    Heute gilt ADHS als unheilbar. Und zwar bis ans Lebensende. Heute wird auf die Kommunikationsprobleme und die sozialen Probleme gezielt eingegangen.
    Mit entsprechender Therapie und Nachteilsausgleich, sind die Folgen eines ADHS gut in den Griff zu bekommen. Mit der Therapie bin ich sehr zu frieden, schon in kurzer Zeit hat sich meine Lebensqualität gesteigert.
    Wobei nicht zu vergessen ist, dass die neurologischen Hintergründe noch nicht erforscht sind. Darum gibt es auch Überschneidungen mit Autismus, Hosipitalismus, ADHS, etc.
    Es ist gut möglich, dass mit dem wissenschaftlichen Fortschritt, die „Krankheitsbilder“ ADHS, Autismus, etc. verschwinden und neu definiert werden.
    Schade nur, dass für die Erforschung des Gehirnes und des Bewusstseins, nicht mehr getan wird. Weniger Geld für Waffen und mehr Mittel für den wissenschaftlichen Fortschritt wäre – ist wünschenswert.

    Das mag so sein.....was willst Du dagegen tun?


    Die Integration funktioniert sehr gut. Allerdings braucht es dafür Information. In der Regel sind die meisten Leute aufgeschlossenen und gutwillig. Wenn ihnen erklärt warum andere Menschen anders sind, akzeptierten sie dies in der Regel bereitwillig. Sobald Behinderung erkennbar sind, werden sie akzeptiert. Bei körperlichen Behinderungen ist die einfacher, als bei Behinderung die „man nicht sieht“.
    Die MS-Gesellschaft macht es vor wie es geht. Für mich ist sie das Mass für eine gelungene Lobbyarbeit zugunsten benachteiligter Menschen.

    Seit 46 Jahren bin ich ein treuer Kunde der Helfer-Industrie. Weil irgendwas an mit nicht so war, wie es nach Meinung meiner Eltern sein sollte, wurde ich zum Psychologen geschleppt.
    Ende 60er gab es noch POS. POS war dann gerade modern. Vom Ende der 60er bis anfangs 80er Jahren, wurde aus allen Kindern, mit abweichenden, abnormen Verhalten POSler gemacht. Es gab Heime für POS-Kinder samt Therapie & Co. Heute gibt es nicht mal mehr POS.
    Weil Sozialarbeiter, Psychologen und Psychiater einen so Kunden wie mich nicht verlieren wollten, wurde meine Diagnose jeweils der Mode angepasst. Offensichtlich abnormal, konnte ich nicht einfach normal werden.
    In der Zwischenzeit hatte ich die verschiedensten Diagnosen.
    Darum meine ich: Die Gesellschaft macht die Behinderung. Was gerade Modern ist und sich massenmedial gut vermarkten lässt, muss als Diagnose erhalten.
    Wenn ich es richtig kapiert habe, dann wird eine Asperger-Syndrom anhanden des Sozialverhaltens, des Kommunikationsverhaltens und einem Hang sich mit abstrakten Dingen intensiv zu beschäftigen, diagnostiziert.
    Die Diagnose Asperger-Syndrom kommt ohne Hilfe eines genetischen Diagnoseverfahrens oder eines Gehirnscan zustande. Nicht die Materie, sondern dass von der Gesellschaft in der aktuellen Mode als normal empfundene Verhalten, sind die Grundlage der Diagnose.
    Die Gesellschaft entscheidet ob eine Eigenheit wie Körpergrösse, Augenfarbe, Sexuelle Orientierung, BDSM, Autismus, Adipositas, etc. nur eine in der Bewertung belanglose Besonderheit ist, oder eine Behinderung ist.
    Bis vor Kurzen galten Homosexualität und sexueller Sado-Maschochismus als psychische Behinderung. Sie wurde als solche nach IDC-10 klassifiziert, mit Medikamenten, Psychotherapie und Zwangsmassnahmen behandelt.
    Irgendwann wurden aus BDSM und Homosexualität normale, durch alle gesellschaftlichen Schichten hindurch akzeptierte Besonderheit, der sexuellen Ausrichtung. PolitikerInnen wie Corinne Mauch, Guido Westerwelle, Klaus Wowereit werden anhanden ihrer Leistungen und nicht anhanden ihrer sexuelle Orientierung beurteilt.
    Desgleichen mit der Legasthenie. Vor 45 Jahren wurde Legasthenie als schwere Beeinträchtigung, als Zeichen von mangelnder Intelligenz und Dummheit betrachtet. Heute weiss jeder das Legasthene normale Menschen sind, die wegen einer Andersartigkeit im Gehirn, die Rechtschreibung nicht erlernen können. Vernünftigerweise wird den Legasthene ein Nachteilsausgleich gewährt. Im Gegenzug macht sich die Gesellschaft die Fähigkeit der Legasthenen objektorientiert Denken zu können in der Informatik zu nutze.
    Als ich noch zur Schule ging, war für die Legasthenen eine Hilfsarbeiterkarriere vorgeben. Egal wie hoch der IQ, wer nicht richig Schreiben (noch heutiger Rechtschreibung schon wieder falsch) konnte und Tolggen ins Reinheft machte, wurde in die Hilfsschule abgeschoben.
    Auch hier macht die Gesellschaft die Behinderung. Ohne Rechtschreibung, keine Legasthenie.
    Die Gesellschaft besteht aus lauter Menschen und Gruppen die irgendwie benachteiligt sind. Die Liste der Selbsthilfegruppen in Kanton Luzern ist sehr lang.
    Nicht nur Aspies haben Probleme in der Kommunikation und sozialen Interaktion, sondern alle Menschen. Ein Blick auf die entsprechenden Fachabteilungen in der Buchhandlung impliziert diese Feststellung.
    Alleine der gesellschaftliche Mainstream entscheidet, was normal, abnormal oder eine unbedeutende Besonderheit ist. Die Entscheidung wird aufgrund von irrationalen, zu meist für die Mainstream-Medien gut vermarktbaren Parameter gefällt. Positiv ist, dass diese Entscheidung manchmal sehr schnell umkehrbar ist.
    Was heute als angesagt und modern gilt, wird zu meist von ehemaligen, in die gesellschaftliche Mitte aufgestiegen Randgruppen entschieden.
    Üblicherweise wird eine Randgruppe anhand von subjektiven, zu meist sachlich nicht zu treffenden Gründen marginalisiert. Betreffende Randgruppe beginnt sich zu wehren und klärt auf. Irgendwann wandelt sich das Bild und Gesellschaft beginnt die Inhalte, der Randgruppe für sich zu nutzen.
    Beispiele dafür gibt es viele. Bodybuilding, Schwulstylische-Mode, Popmusik, Brillen tragen, BDSM-Mode, Bio-Gemüse, Ökologie usw.
    Kürzlich haben die Gamer den Anschluss geschafft. Gestern waren sie noch asoziale Killer in Wartestellung und heute gilt Gamen als harmlose Freizeitbeschäftigung.
    Nach dem Newtown-Massaker haben die Journalisten die vorgefertigten Manuskripte auf den Desktop geholt und mithilfe der Suchen-und-Ersetzen-Funktion das Wort Egoshooter-Gamer mit Aspie ersetzt.


    Noch was: Es gibt weder gute noch schlechte Menschen. Es gibt verschiedene Menschen mit ihren ganze eigenen Stärken und Schwächen.
    Bevor die Attribute Gut und Schlecht benutzt werden können, muss allgemeingültig geklärt werden, was Gut und was Schlecht ist. Eine absolute Aussage ist nicht möglich, mehr als eine subjektive Wahrnehmung liegt nicht drin.
    Wenn dann Ying und Yang: Das Gute ist schlechte, das Schlechte ist gut. Alles ist in allem enthalten.

    "Nicht der Behinderte ist behindert, sondern die Gesellschaft behindert Menschen, die anders sind,"


    Der Satz könnte auch so erweitert werden: Die Behinderung der Gesellschaft liegt darin, dass sie Menschen mit einer individuellen, eigenen, alternativen Lebensweise behindert.
    Die Gesellschaft behindert sich selber weil sie in ungenügendem Masse, auf das brachliegende Potenzia,l sogenannt behinderter Menschen zurückgreift.


    In meinem Fall liegt eine Diskrepanz zwischen meiner Selbstwahrnehmung und der Aussenwahrnehmung vor. In meiner Odyssee durch Sonderschulen, Förderklassen und heilpädagogischen Heimen, habe so einiges erleben dürfen.

    Ich selber erlebe mich nicht als Autist. Ich erlebe mich nicht als andersartig oder sonst wie behindert. Ich für mich selber erlebe mich als normaler Mensch. Mir ist auch nicht bewusst, dass ich mich irgendwie von meinen Mitmenschen unterscheide.
    Es sind meine Mitmenschen, die mir laufend zu verstehen geben, dass mit mir etwas nicht stimmt. Dass ich Dinge sage die man nicht darf, andere Menschen anglotze, den Leuten beim Reden nicht in die Augen schaue, oder mich für Dinge interessiere, die langweilig sind oder wie im Falle der Geschichte schon längstens vorbei sind.
    Nicht ich habe mich zu Autist, sondern meine Mitwelt hat mich zum Autist gemacht.
    Wenn ich richtig verstanden habe, wird ein Asperger-Syndrom anhanden von abweichendem Sozialverhalten und nicht mainstream-fähigen Interessen diagnostiziert.
    So gesehen ist ein Asperger-Syndrom eine Form von nicht regelkonformen Verhalten.
    Die Gesellschaft erwartet das Männer aktives und Frauen passives Verhalten. Wenn ein Mädchen stundenlang ruhig mit Puppen spielt ist das ein rollenkonformes Verhalten. Wenn ein Junge sich still mit etwas beschäftigt und nicht aktiv und laut die Umwelt erkundet, entspricht er nicht der Rollenerwartung der herrschenden Gesellschaftsordnung. So gesehen macht es einen Sinn, dass Autismus häufiger bei Jungs als bei Mädchen diagnostiziert wird.
    Es gibt Gesellschaften, in denen als ausgesprochen unhöflich gilt, Menschen direkt in die Augen zu sehen. Unter anderem werden in diesen Gesellschaften langes Ruhig sein und Schweigen, als Zeichen grosser Ehrerbietung gewertet. Mich nähme es Wunder wie dort der Autismus gewertet wird. Ob es in einer solchen Gesellschaftsform es überhaupt ins Gewicht fällt, ob jemand ein Aspie ist oder nicht.
    Die Minderheit der Autisten ist wie andere Randgruppen von grosser Wichtigkeit für die Gesellschaft. Homosexuelle haben einen grossen Einfluss auf die Mode und Kultur. Ohne die Minderheit der Afro-Amerikaner, gäbe es keine moderne Musik und Popkultur.
    Mathematik und Informatik sind die oder eine natürliche Domaine der Aspies und Legasthenen. In dieser Funktion haben seinen einen massgeblichen Einfluss, auf die Art wie Wirtschaft und Gesellschaft miteinander Kommunizieren. Ohne Menschen mit „abnormen“ neuronalen Strukturen, gäbe es kein Informatikzeitalter.
    „Nicht der Behinderte ist behindert, sondern die Gesellschaft in der er lebt!“

    Danke für diese Feststellung: Die "Intelligenz" ist eine fester Begriff in der Diagnostischen Psychologie und bestens verankert mit verschiedenen Tests....die laufend angepasst werden.


    Im umgangssprachlichen Sinn, sind Intelligenz, Dummheit, Blödheit, Schlauheit, Chuzpe etc. unscharfe Begriffe.
    Manch ein wissenschaftliches Genie, kann kein Nagel einschlagen oder den Garten umgraben.
    Intelligenz könnte auch als die Fähigkeit verstanden werden, das Leben auf die einfachste Art und Weise (im Sinn von wenig Reibungsverlust, Kraftaufwand), zu bewältigen.
    Neben der gedanklichen, denkerischen Intelligenz gibt es auch so etwas wie eine emotionale und praktische Intelligenz.
    Damit meine ich, dass es HandwerkerInnen gibt, die komplexe Abläufe mit einem kleinen Handgriff erledigen. Improvisieren, können. Ein Auge, für praktische Zusammenhänge haben. Intuitiv merken wie die Dinge zusammen passen.
    Dazu gehört auch, schwere Gegenstände mit wenig Kraftaufwand zu bewegen. Oder die Dinge nur einmal in die Hand zu nehmen.
    Die meisten Monteure sind Meister praktischer Intelligenz. Mit wenig Werkzeugen lösen sie jedes Problem. Wenn es partout nicht gehen will, wird aus einem guten Monteur ein Meister der Improvisation. Aber beim Znüi wird der Blick gelesen ;)
    Ähnliches gibt es auf emotionalem Gebiet. Zu fühlen was in anderen Menschen vergeht. Das Gegenüber an dem Punkt abzuholen, wo es steht und zu motivieren etc.
    Das sind alles Fähigkeiten, die geschult werden können. Selbst als Aspie kann man lernen Gesichtszüge und Haltung der Mitmenschen zu deuten und darauf einzugehen.
    Aus zwei linken Händen können praktische Hände werden.
    Meinem Verständnis nach ist Blödheit der Unwille sich adäquat zu verhalten, auf die Umwelt einzugehen und diese zu reflektieren.
    Auch ein super-hoch-intelligenter Mensch kann sich Sau-Blöd verhalten.
    Blödheit hat mehr mit dem Charakter und weniger mit dem IQ zu tun.

    Woher unserem Thread den Namen hat
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    NT-Menschen meinen nicht, was sie sagen. Und sagen Dinge, die sie nicht meinen.
    Laut NT-Menschen geht es beim Reden um Gefühle. Gefühle, die Aspies nicht wahrnehmen können. Darum erscheint für eine Aspie vieles, was ein NT-Mensch ernsthaft meint, als Blödsinn. Wobei es aber um den Austausch von Gefühlen, chemischen Substanzen und etc. Geht.
    In der NT-Welt geht es ums „darüber reden“. Nicht um den Austausch von Sachinformationen.
    Wobei ich persönlich nicht sehen kann, was normal daran sein soll, Dinge zu sagen die man nicht so meint.
    „Weitere Charakteristika sind eine sehr detailorientierte Erzählweise mit Schwierigkeiten, das Wesentliche vom Unwesentlichen zu unterscheiden abrupte und für den Zuhörer nicht nachvollziehbare Themenwechsel, das Wörtlichnehmen von Redewendungen, das Antworten auf rhetorische Fragen, die Verwendung von Metaphern und Wortschöpfungen, die nur dem Sprecher geläufig sind, das Festhaften an Formulierungen, die wie auswendig gelernt oder wie aus einem Buch vorgetragen klingen, Selbstgespräche das Nichterfassen von Nuancen (zum Beispiel Ironie, Necken) und ungenaues Zuhören. http://de.wikipedia.org/wiki/Asperger-Syndrom#Sprache