Beiträge von PascalH_96

    Hallo Leute


    Ich bin seit einiger Zeit, genauer seit meiner Ausbildungszeit, ein, ja Fan ist jetzt vielleicht etwas übertrieben, aber doch ein begeisterter Anhänger der Serie "Game of Thrones" und der dazugehörigen Bücher von George R. R. Martin. Ich habe alle Folgen gesehen, der ganze dazugehörige Soundtrack auf meinem Computer gespeichert und besitze alle Bücher als E-Book und ein paar dazugehörige Werke, die mittlerweile von anderen Autoren über die Welt von George R. R. Martin geschrieben wurden. Zudem bin ich, seitdem ich vor rund fünf, sechs Jahren mit der Serie und den Büchern angefangen habe, angefressen davon, ebenfalls eine Fantasywelt im Stille von George R. R. Martin, also mit wenig Fantasy, dafür mehr Realismus, zu erschaffen. Ich mag zwar Fantasy-Literatur, gerade die High Fantasy mit besonders detailliert ausgearbeiteten Fantasywelten, bin aber mehr der Anhänger der differenzierteren Art der Unterscheidung zwischen Gut und Böse und weniger der Anhänger von Schwarz-Weiss-Denken, auch wenn das für einen Autisten vielleicht seltsam tönt. Aber ich möchte hier gar nicht ausschweifen. Ich frage mich halt, ob es auf diesem Forum auch Anhänger von "GoT" gibt und ob man da einfach mal ein wenig darüber quatschen (oder schreiben in diesem Falle wohl eher ;) ) könnte. Ich würde mich darüber freuen.


    In meiner Familie wird gerade auch viel über Serien gesprochen, vor allem unter meinen Geschwistern. Allerdings unterscheidet sich das Serien-Verhalten meiner Geschwister von meinem grundsätzlich. Ich interessiere mich mehr für Fantasy- und Historienserien, womit ich in meinem Umfeld eher alleine bin. In meiner Familie bin ich so ziemlich der einzige, der sich für Fantasy à la George R. R. Martin interessiert. Vor etwa anderthalb Jahren habe ich der versammelten Familie mal etwa eine halbe Stunde lang erklärt, worum es in "Game of Thrones" etwa geht. Meine jüngste Schwester interessiert sich zwar für Literatur und das Schreiben, womit ich mit ihr ein gemeinsames Thema habe, aber leider nicht in der Fantasy-Richtung. Wir können aber stets gute Gespräche über das Schreiben führen, was mich sehr freut, dass ich zumindest damit in meiner Familie nicht alleine bin.

    Hallo Gigi


    Ich beschäftige mich zurzeit gerade auch mit den Auswirkungen meiner Kindheit und Jugend auf meine persönliche Entwicklung und kann da vielleicht ein wenig aus erster Hand berichten. An meine frühe Kindheit kann ich mich, was persönliche Erlebnisse und Empfindungen angeht, nicht mehr erinnern. Viele Dinge weiss ich nur von Erzählungen aus dem Umfeld und von Fotos in Fotobüchern. Etwa mit zehn Jahren wurde bei mir das Asperger-Syndrom diagnostiziert, also genau in meine Schulzeit. Seitdem habe ich eine Vielzahl von Betreuungsangeboten, Sozialtrainigs und Lager mit anderen Autisten und Therapien (unter anderem Logopädische und Motorische) erhalten resp. absolviert. Diese Fürsorge hat mich sicherlich in meiner persönlichen Entwicklung vorangebracht. Sie half mir, die Schulzeit irgendwie zu überstehen, weil ich ja doch auch gemobbt wurde und es manch schlimme Tage gab. Dennoch konnte ich die Schule regulär besuchen und regulär abschliessen. Ein grosser Erfolg für mich war auch die Tatsache, dass es mir gelang, die Aufnahmeprüfung von der Sekundar- zur Bezirksschule zu bestehen und so mit dem Bezirksschulabschluss in die Berufswahl zu gehen, wobe ich im Jahr der Prüfung zur Halbzeit aus der regulären Sekundarschulklasse herausgenommen und mich daraufhin bei einem Privatlehrer auf die Aufnahmeprüfung vorbereitet habe. Inwieweit mich dieser Schritt persönlich beeinflusst hat und ob schon zu diesem Zeitpunkt die Grenze zwischen guter und notwendiger Unterstützung und dem Pushen auf Leistung überschritten wurde, darüber bin ich mit mir selber uneins und das ist ein Gedanke, der bezüglich Unterstützung immer beachtet werden sollte. Ich gehe weiter unten noch darauf ein.


    Ein Einschnitt kam meines Erachtens spätestens dann, als es um die Berufswahl ging. Eine erste KV-Ausbildung musste ich noch vor Ablauf des ersten Lehrjahres abbrechen, was zu einem raschen Ausbildungswechsel unter Federführung der IV führte. Mittlerweile bin ich seit zwei Jahren ausgelernter Konstrukteur mit Eidgenössischem Fachzeugnis (EFZ) und habe während der Ausbildungszeit eine grosse Unterstützung genossen, unter anderem durch das Wohnen in einer betreuten WG nahe meines Ausbildungsortes. Allerdings habe ich mittlerweile, trotz all der Erfahrungen, die ich auf keinen Fall missen möchte, den Eindruck gewonnen, dass ich in dieser Zeit vor allem darauf gepusht wurde, eben eine Ausbildung abzuschliessen, was natürlich ein grosser Erfolg für mich ist und mir vieles auch in Zukunft erleichtern dürfte. Die Unterstützung, die ich hatte, liess mich durchhalten, doch weil die Unterstützung nach dem Lehrabschluss irgendwann zusammenbrach und ich im luftleeren Raum hing, musste ich wieder dauerhaft zu Hause einziehen, was ich mittlerweile als Fehler empfinde, weil ich zu diesem Zeitpunkt eigentlich versuchen wollte auf eigenen Füssen zu stehen und mich von den Abhängigkeiten zu befreien. Mir wurde dann die Unterstützung durch die IV in einem beruflichen Wiedereingliederungsprozess gerade auch von meinen Eltern wie aufgezwungen und auf meine eigenen Ideen und Empfindungen wurde nur zu Beginn des Prozesses ganz kurz eingegangen, diese dann aber wie weggewischt oder als unwichtig erachtet. Zwar hat sich dieser Prozess ausgezahlt, ich bin mittlerweile fest bei einer Firma angestellt, doch diese Art, dass mir Dinge ohne grosse Rücksicht auf meine eigene Persönlichkeit aufgezwungen werden, empfinde ich als persönliche Kränkung und als grossen Rückschritt nicht nur in meiner Entwicklung, sondern auch in meinen Beziehungen zu meinem Umfeld. Ich bin zurzeit dabei, mich mit meinen Gedanken und Gefühlen sowie meinen Erinnerungen bezüglich meiner Jugendzeit und der Zeit meiner Ausbildung sowie während des beruflichen Wiedereingliederungsprozesses auseinanderzusetzen, weil ich glaube, dass eine weitere Verdrängung dieser Gedanken mich daran hindert im Leben weiterzukommen.


    Kein Autist ist wie der andere, sodass es auch unterschiedliche Arten und ein unterschiedliches Mass an Unterstützung benötigt. Die einen brauchen mehr, die anderen weniger Unterstützung. Gute Unterstützung ist meiner Meinung nach solche, wenn sie einer Person hilft, selbständiger zu werden und sich seiner Entscheidungen bewusst zu sein und vor allem hinter ihnen stehen zu können. Sie endet jedoch dort, wo es einer Person darum geht, die unterstützungsbedürftige Person, in eurem Fall euer Sohn, zu bevormunden oder sogar in ihrem Namen zu sprechen, ohne gross auf den Entwicklungsfortschritt oder auf die Gefühlslage dieser Person einzugehen. Ob es aber so wie bei deinem Ehemann ablaufen soll, der sich selber durch seine Kindheit durchboxen musste, würde ich für eine gesunde Entwicklung bezweifeln, auch wenn er, wie du sagst, ein "super Mensch" geworden ist.


    Natürlich sorgen sich Eltern um ihre Kinder und ihr Fortkommen in einer komplexen Welt, was ich gerade auch im Hinblick auf meine eigenen Eltern durchaus verstehe. Doch es muss möglich sein, dass bei wichtigen Entscheidungen des Lebens auch die Personen, um die es eigentlich geht, angehört und auf ihre Gefühle und Meinungen eingegangen wird. Denn auch Autisten haben eigene Gedanken und Vorstellungen bezüglich ihres Lebens und wie sie es gestalten wollen.

    Mit diesen Gedanken eines Direktbetroffenen, die auch nur die Meinung eines Einzelnen darstellen, weil ja kein Autist wie der andere ist und denkt, wünsche ich euch alles Gute und viel Kraft und Durchhaltevermögen auf eurem Weg.


    Grüsse
    PascalH_96