Gefühl, etwas Bestimmtes machen zu wollen, aber keine Ahnung was

  • Sandra hat in einem Beitrag geschrieben:

    Zitat

    Kennt noch jemand dass Gefühl, etwas Bestimmtes machen zu wollen, die Erfüllung zu finden, aber keine Ahnung zu haben was??? Mich bringt diese Gefühl an den Rand des Wahnsinns...

    Was hilft hier? Eine Potentialanalyse? Habt ihr irgendwelche Ideen?

    "Before you judge me, make sure, you're perfect."

  • Hoi mitenand

    beim Jobcoach habe ich verschiedene Ansätze kennen gelernt. HRA nennt sich das eine, eine Art Befragung des Unterbewusstseins anhand von Skulpturen. Transaktionsanalyse, wo man sieht, was unsere hauptsächlichen "Antreiber" sind. Wie wir gestrickt sind. Die Lebenslaufarbeit, wo wir sehen, welche Vorbilder, welche Ideen wir haben. In den letzten 4 Jahren habe ich daran gearbeitet. Und eigentlich schon mein ganzes Leben vorher. Jeder Mensch tickt ganz anders, es lohnt sich, Geduld mit sich zu haben. Ich bin jetzt 54 und habe nicht mehr den Anspruch, DAS Wichtigste im Leben zu tun, sondern so zu leben, dass ich Freude daran habe.

    Früher wollte ich Entwicklungshilfe leisten, Behinderte unterstützen, die ideale Gemeinschaft finden usw. Habe auch vieles davon gelebt aber das waren nur Etappen im Leben...


    Gruess fisch

  • ich habe auch schon einiges ausprobiert betreffend Jobs. So etwas wie HRA habe ich auch gemacht. Ich war auch bei einer Berufsberatung beim Carl-Huter-Institut. Diese arbeiten mit der Psychophysiognomin. Es hat alles nichts gebracht und ich denke, dass ein Asperger oder ADHS in diesen Beratungen/Coachings nicht gesehen bzw. berücksichtigt werden. Wie sollen diese auch. Meistens arbeiten ja „normale“ Personen in solchen Berufen.

    Als Kind wollte ich soooo viele Dinge machen und habe von diesen nicht ein einziges umgesetzt, da ich so damit beschäftigt war zu versuchen so zu sein wie alle anderen!

    Bei mir ist es so, dass mich so viele Dinge interessieren aber keine Sache so, dass ich in die Tiefe gehe oder es wird mir extrem schnell langweilig und ich bin schon wieder beim nächsten. Wie soll man da eine Beschäftigung finden die einem Befriedigt?

    Zur Zeit arbeite ich Teilzeit in einem Bauunternehmen im Büro. Bin die restliche Zeit Mutter und Hausfrau. Mein Alltag überfordert mich täglich und ich bin immer froh wenn 22 Uhr ist und ich endlich ins Bett könnte. Leider kommt es aber oft vor, dass ich nicht schlafen gehe, weil es ja dann schnell wieder morgen wird....

  • Hallo Sandra,

    das Gefühl, dass alles gleich interessant ist, kenne ich nur all zu gut - und auch den Frust, wenn man sich darin verzettelt. Eigentlich hatte ich nie einen konkreten Berufswunsch, am liebsten hätte ich weiter aufs Abi gelernt oder eben ewig weiter studiert. Ich erinnere mich an die wahnsinnige Exististenzangst, die mich jahrelang begleitet hat, wahrscheinlich weil ich nie einen Plan hatte.

    Andererseits wird die Berufswahl immer komplexer. Leute im Jahrgang meiner Eltern (1956/57) haben darüber oft gesagt, dass sie nicht nochmals vor die Wahl gestellt werden wollten. Die Berufswahl heutzutage von Erwartungen überladen, gleichzeitig ist es natürlich von Vorteil, wenn man seine Stärken und Schwächen kennt. Nur, das ist zumindest für mich sehr schwierig, da war ich immer von Fremdeinschätzungen abhängig.

  • Als es um die Berufswahl ging, hat mich nur der naturwissenschaftliche Bereich interessiert. Das spiegelte sich nicht nur in meinen Spezialinteressen wieder. Ich hatte auch das Glück, eine entsprechende Ausbildung machen zu können. Nach einigen Aufs und Abs kann ich heute sagen, ich habe meine berufliche Erfüllung gefunden.


    Was mich darüberhinaus umtrieb, ist etwas anderes. Mein als kleines Kind noch vorhandenes Selbstvertrauen wurde mir ja gründlich aberzogen. Menschen, die mich angeblich gern hatten, sahen sich gezwungen, mich ihr hilfloses Entsetzen über meine schreckliche Art spüren zu lassen. Das mussten sie aus welchem Grund auch immer bekräftigen, indem sie fortwährend das für mich nicht schaffbare forderten, mir aber gleichzeitig nichts zutrauten, und darauf achteten, mir ja nicht beizubringen, wie ich es trotz offensichtlicher Enschränkung hinbekommen könnte. Das ist in der Kombination sehr wirksam.


    Die Sehnsucht nach Anerkennung steckt ja in jedem Menschen. Den Punkt hatte ich bald so abgeschrieben, dass ich sie nicht mal mehr annehmen konnte, wenn sie denn tatsächlich doch kam. Ich sehnte mich danach, nützlich zu sein, mich einbringen zu können im privaten wie im öffentlichen Bereich. Meine leidigen Versuche in dieser Richtung haben nur zu meiner Überlastung beigetragen und mir gezeigt, dass ich das eben auch nicht hinbekomme.


    Was mich aus dieser Spirale herausgebracht hat, ist keine Analyse meines Potentials. Da sind wohl noch einige Talente in mir, die auszuleben ich weder Zeit noch Energie habe. Das zu analysieren macht nur wehmütig.

    Mir half der Blick auf meine relative Leistung. Viele Menschen machen den Fehler, Leistung direkt anhand des Ergebnisses zu vergleichen, beziehungsweise diese unglückliche Definition Arbeit-pro-Zeiteinheit heranzuziehen, als wenn wir alle gefühlslose Atome wären. Das mag vielleicht in einer homogenen Gemeinschaft anwendbar sein (z.B. Leistungssportler unter gleichartigen Leistungssportlern). Unsere Gesellschaft ist aber alles andere als homogen. Auch wenn aus praktischen Gründen die Normierung darin wütet.

    Die relative Leistung ist abhängig von Energieniveau, Möglichkeit und Gelegenheit. Ausgeruht auf einer geraden ebenen Strecke läuft es sich schneller als nach einem Zusammenbruch durch den Urwald durch.

    Meine relative Leistung war und ist wirklich gut. Trotzdem helfe ich auch weiterhin gerne, wenn Energieniveau, Möglichkeit und Gelegenheit passen.


    Allerdings kommt auch mir immer mal wieder der Gedanke, dass ich mich an der ein oder anderen Stelle im Leben vielleicht hätte anders entscheiden sollen. Doch eine Wahl hat man nur, wenn man von beiden Möglichkeiten tatsächlich weiß und sie einem tatsächlich offen stehen. Wenn ich mich also in die jeweilige Situation zurückversetze und dabei ehrlich zu mir bin, komme ich fast immer zu dem Ergebnis, dass ich in der selben Lage und Gefühlslage und mit dem selben Wissensstand (Es heißt nicht von ungefähr: hinterher ist man immer klüger) ziemich sicher immer wieder die selbe Entscheidung treffen würde.


    Insgesamt haben mich diese Einsichten zufriedener gemacht. Ich suche keine Erfüllung mehr. Das was für mich jeweils zu erreichen war, habe ich immer schon gehabt (ich wurde nur gehindert es zu sehen). Vielmehr arbeite ich jetzt daran, alte Verletzungen zu heilen, die sich mir immer noch als Wut offenbaren. Diese treibt mich noch um. Nicht auf die Menschen, die mir diese Verletzungen beibrachten, sondern auf das ihre Taten mir gegenüber auslösende Geflecht, in dem sie gefangen waren und sind und sich teils noch regelrecht dran klammer(te)n (Geschlechterrollen, Leistungsverständnis, tradierte Traumata, ...), so dass es ihnen selbstvertsändlich richtig vorkam.

    Mein natürlicher Zustand ist verträumte Abwesenheit. Seit 45 Jahren lebe ich gegen meine Natur.

  • Leider kommt es aber oft vor, dass ich nicht schlafen gehe, weil es ja dann schnell wieder morgen wird....

    Was machst du? Warum gehst du nicht schlafen?


    Ich hatte so eine Phase, wenn ich nicht in der Lage war einzuschlafen, wegen meinen Gedanken... Ich hatte auch viele Träume, die waren aufgrund verschiedenen Umständen komplett zerstört. Seit Jahren versuche ich mich zu finden und einen neuen Weg, leider komme ich als Alleinerzieherin nicht weiter...irgendwie habe ich innerlich aufgegeben, weil ich merke, dass meine Konzentrationsfähigkeit schwächer geworden ist. Es hat sehr wahrscheinlich auch mit meiner Schwerhörigkeit zu tun, und einem andauernden Stresszustand.


    Es scheint mir, dass du gerade irgendwie in einer Lebenskrise steckst, und vieles hinterfragst, oder? Die Diagnose deines Kindes hat bei dir etwas ausgelost...Bei mir war es so, und es tauchen immer wieder verschiedene "flash-backs" auf.

    "Before you judge me, make sure, you're perfect."

  • ich gehe nicht schlafen, weil es dann nicht ganz so schnell wieder Morgen wird. Obwohl ich meine acht Stunden schlaf dringend brauchen würde.

    Wenn ich dann doch ins Bett gehe, drehen sich meine Gedanken und ich träume gefühlt die ganze Nacht.... bin dan also auch nicht wirklich erholt.


    Da kann ich dir gut nachfühlen. Ich hatte auch viele Träume, aber die wurden von meinen Eltern immer wieder zerstört...

    Als alleinerziehende ist schon extrem schwierig under „normalen“ Bedingungen, aber mit einem PDA Kind ist es noch eine grössere Herausforderung. Ich war auch mal Alleinerziehend, daher kenne ich das Gefühl sehr gut.


    Ich bin noch nicht soweit um aufzugeben, irgendwie.


    Jetzt seid der Diagnose meiner Tochter ist mir so vieles klarer geworden, aber wie du geschrieben hast, habe ich auch immer wieder „flash-backs“, die mich dann wieder total aus der Bahn werfen. Im Moment ist jeder Tag ein Kampf, aber ich denke es wird besser werden:).


    Ich bin froh, dass wir nun die Diagnose PDA haben. So kann es weitergehen, vielleicht auch bei mir.

    Ich weiss mann sollte nicht in der Vergangenheit leben, aber ich finde die Vergangenheit gehört zu einem und prägt einem sehr, vor allem die Kindheit und da bin ich nun dran am diese zu „Verarbeiten“ und an dem, warum alles so laufen musst.

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