• (…) ein Gleichnis [Nachtrag des Editors: vom verlorenen und wiedergefundenen
    Schaf, Lukas, 15]:



    Stellt euch einen Hirten vor, der hundert Schafe hat, und
    wie wenig es braucht, um im Bergland von Galiläa beim Herdendurchtrieb eines
    der Tiere zu verlieren. Er zählt sie am Abend durch und vermisst er eines, wird
    er, solang die Sonne noch am Himmel steht, den Weg zurückgehen, um das
    Verlorene zu suchen, weiss er doch, dass kein Schaf freiwillig von den anderen
    wegläuft. Aber in Minuten kann es geschehen, dass hinter einem Bergvorsprung
    der Sichtkontakt zu den anderen blockiert wird und wenig später der akustische
    Kontakt. Und dass ein Schaf gar nicht anders kann, als sich hinzuhocken und
    kläglich um Hilfe zu blöken, die nicht kommen will, allenfalls, dass sich die
    Beutegreifer sammeln. Käme nicht der Hirte – weil es sich verloren hat –, wäre
    es verloren. Und bitte schön, meint Jesus, jetzt überträgt das auch auf Gott
    und auf euch selber.



    Gott hat den Menschen nicht erschaffen, um sie verloren zu
    geben und sich noch gut dabei zu fühlen, dass man den Stab jetzt über die
    sogenannten Sünder hat brechen können. So ist Gott nicht, und so haben wir auch
    wir Menschen untereinander (…) überhaupt kein gutes Recht, miteinander so
    umzugehen. Je weiter ein Mensch sich von uns entfernt hat, desto mehr müssen
    wir uns vielmehr auf die Beine machen und ihn suchen gehen. Oft haben wir keine
    Ahnung, wo der andere sich befindet, und wie viele Jahre mag es dauern, bis wir
    endlich begreifen, was passiert ist, womöglich als er noch ein kleines Kind
    war. Und wie sein ganzes Leben gestaltet wurde durch bestimmte Einflüsse und
    Traumata, die ihm selber nicht bewusst sind.



    Psychoanalyse ist ein Verfahren, so ins Unbewusste zu loten,
    dass es sich durch Nacharbeit ins Bewusstsein integriert. Aber die
    entscheidende Bedingung ist in den zahlreichen Theoriebildungen fast immer
    wieder untergegangen: Menschen können eigentlich nur wahrhaftig werden durch
    ein Vertrauen, nicht verurteilt zu werden. Und das ist die Bedingung,- nennen
    wir es die jesuanische Evidenz. Denn der Mann aus Nazaret kam nicht, um eine
    neue Religion zu gründen, um eine neue Institution einzurichten, er kam, um
    unser Leben zu ändern – von Angst zu Vertrauen, von Gewalt zu Güte, vom
    Verurteilen zum Verstehen.



    ps: alles abgeschrieben aus „Wozu Religion? Antworten auf
    Grundfragen des Lebens“ von Eugen Drewermann

  • wir könnten doch auch tauschen : ich gebe dir etwas und dann gibst du mir etwas, ganz einfach, das Ganze, oder was ist die Schwierigkeit ?


    Da stellen sich bei mir doch prompt Überlegungen ein wie zum Beispiel:
    Was kann ich meinem Optiker für die Brille geben. Und was soll der damit anfangen, wenn es die Glasfirma, bei der er die Gläser bezieht, auch nicht brauchen kann, weil diejenigen, die die Rohstoffe bereit stellen, etwas ganz anderes haben wollen?
    Was kann ich dem Gemüsehändler geben. Ein von mir gemaltes Bild? Was soll er damit? Und wenn das alle so machen, dann braucht er bald eine Lagerhalle dafür. Die Tauschware muss ja irgendwo gelagert werden, bis er Zeit hat, sie wiederum einzutauschen.


    Ich meine, es ist nicht mehr möglich, den gesamten Geldfluss in Waren- und Dienstleistungstausch umzuwandeln.
    Bleiben die moralischen Gesichtspunkte als Ansatz für eine Veränderung.

    Mein natürlicher Zustand ist verträumte Abwesenheit. Seit 45 Jahren lebe ich gegen meine Natur.

  • Um in einer Kommune leben zu können, muss man erst das zusammen-Leben lernen.


    Ich würde sogar noch weiter gehen und sagen, dass wir das Zusammenleben egal in welcher Form, neu lernen müssten. Dafür müssen wir bei uns selbst anfangen und unsere Haltung verändern. Das funktioniert nur, wenn wir unser Verhalten bzw. unsere Voreingenommenheiten kritisch hinterfragen um dann Neues lernen zu können. Dazu wieder einen Vortag von Gerald Hüther:


    http://www.youtube.com/watch?v=iXdGSf21Ros


    Grüsse, Satu

  • in dieser interessanten Diskussion scheint mir eins unumgänglich und zwar das Thema "Liebe".


    um etwas verändern zu können, müssen wir das mit Verstand und mit Liebe tun - und hier gleich zu anfang wieder meine Bedenken : ein Kind was nicht geliebt wird, wird ein Erwachsener der nicht lieben kann ...., es gibt viele Möglichkeiten der Liebe : wir müssen sie aber in unserem Herzen tragen, jeder hat eine andere Sicht auf die Liebe, hier zwei Denk-Möglichkeiten :


    die Liebe..... ist eine energetische Wertschöpfung auf der Basis von Bewusstseinsverengung ...... oder


    die Liebe ist langmütig und freundlich,
    sie kennt Neid, keine Selbstsucht, sie prhalt nicht und ist nicht überheblich,
    Liebe ist weder verletzend noch auf sich selbst bedacht,
    sie freut sich nicht am Unrecht
    sondern freut sich, wenn die Wahrheit siegt,
    DIESE Liebe erträgt alles
    sie glaubt alles
    sie hofft alles
    und hält ALLEM stand !
    Die Liebe hört niemals auf ------


    das hoffe ich inständig...
    Liebe Grüsse von Cindy2003

    Der wertvollste Besitz, den man haben kann, ist Seelenfrieden. Friede kommt von innen und kann niemals durch materielle Werte entstehen.
    -Sathya Sai Baba-

  • Schon oft habe ich mit Menschen intensiv diskutiert, was das Wort "Liebe" eigentlich bedeuten soll.....Es hat für jeden eine andere Definition!


    Cindy, was du da über "Liebe" schreibst, ist nicht lebbar, denn es ist (für mich) wie das Erreichen des Nirvana im Buddhismus...so irgendwie.
    Wenn Liebe definiert wird ist das immer eine "schwammige" Sache. Nichts konkretes....oder etwas unerreichbares...etwas gelogenes, etwas geschöntes, etwas durch rosarote Brillen gesehenes......aber was ist Liebe konkret für jeden einzelnen?
    Wert ein neues Thema zu erstellen: Was versteht ein Asperger unter "Liebe"!

  • Das Thema ist schon weit fort geschritten. Aber ich wage es
    trotzdem mal noch einzusteigen in dem ich mich an den Thread Titel halte und
    dann auf die Beiträge eingehe.


    Puh wo soll ich nur anfangen… Ich habe meine Probleme mit
    der Gesellschaft und dem Kapitalismus. Dies reicht weit in meine Kindheit
    zurück. Es gibt da viele eingebrennte Erinnerungen die mich auch heute immer noch,
    oder immer wieder leiden lassen. Es heisst ja immer dieser Mensch „leidet“ an
    dem Asperger Syndrom. Warum leidet man daran? Ich fühl mich gut, abgesehen
    davon dass jetzt dann die Pollen wieder kommen. Das Leid denke ich, ich werde
    das auf mich beziehen, kommt von dem ewigen Druck von aussen "Normal" zu sein
    und sich in das System zu inegrieren. Warum kannst du nicht die Noten haben wie die anderen in der Schule?
    Warum kannst du nicht so sein wie die anderen? Das ist heute auch noch so, das System probiert
    einem krampfhaft in den Kapitalismus zu integrieren. Auch der externe
    Psychiatrische Dienst bei dem ich war, ging gar nicht auf mich ein, auf das was
    ich sagte oder wie ich mich fühlte. sie sagten mir nur was ich jetzt tun muss und
    welche Medikamente ich zu nehmen habe das ich normal Arbeiten kann.
    Meine Diagnose habe von einem Unabhängigen Psychologen. Aber da ich mir das nicht
    weiter leisten konnte musste ich in eine Massenklinik von der die Kosten von
    der Krankenkasse getragen worden sind. Um all dieses „Leid“, welches ja nur von
    der Gesellschaft erschaffen wird, tragen zu können… ist in meiner
    Kindheit ein vorgehen entstanden welches mir bis heute hilft.


    Gruss Daniel

  • Das ist heute auch noch so, das System probiert
    einem krampfhaft in den Kapitalismus zu integrieren.

    Dies geschieht nur, solange Du gewinnbringend arbeiten kannst. Sobald dies nicht mehr der Fall ist, wirst du (jeder) überflüssig und bist nur noch dazu zu gebrauchen, die Löhne der Anderen, die, die noch arbeiten können, zu drücken. Marx hat für die Arbeitslosen den Begriff "Surpluspopulation" geprägt.
    Grüsse A.

    »Liebe, Arbeit und Wissen sind die Quellen unseres Daseins. Sie sollen es auch regieren.«
    Wilhelm Reich

  • kann der Kapitalismus nicht durch eine andere Gesellschaftsform abgelöst werden ? vielleicht Kommunismus ? (Marx-Engels)
    liebe Grüsse von Cindy2003

    Der wertvollste Besitz, den man haben kann, ist Seelenfrieden. Friede kommt von innen und kann niemals durch materielle Werte entstehen.
    -Sathya Sai Baba-

  • :ironie: Was ist der Unterschied zwischen Kommunismus und Kapitalismus?
    Im Kapitalismus beutet der Mensch den Menschen aus; im Kommunismus ist es genau umgekehrt. :ironie:


    Diesen alte Witz kenne ich seit meiner Kindheit als noch niemand dachte, dass der "eiserne Vorhang" jemals fallen würde....
    Der Mensch ist eine Spezies, die sich Sklaven hält. Wer Sklave und wer "Herr" ist hängt von dem Durchsetzungsvermögen und der Energie des einzelnen ab, aber auch von seiner geburtlichen Herkunft...
    So ist es, leider... :(

  • :D :D :thumbsup:
    da wirst du den Finger draufhaben, schmutzteufel,
    hab da auch noch einen : REVOLUTION ? - Der Besitz wechselt die Taschen -


    liebe Grüsse von cindy

    Der wertvollste Besitz, den man haben kann, ist Seelenfrieden. Friede kommt von innen und kann niemals durch materielle Werte entstehen.
    -Sathya Sai Baba-

  • Bisher wurde jede Gesellschaftsform, die aus Ausbeutern und Ausgebeuteten bestand, abgelöst durch eine höhere, weiter entwickelte Ausbeuterform. Aber dies immer allmählich! Nie abrupt.
    "..., denn abstrakt strenge Grenzlinien scheiden ebensowenig die Epochen der Gesellschafts- wie die der Erdgeschichte." (Marx "Kapital", MEW Bd. 23, S. 391)
    Der Mensch hält sich Sklaven, weil er dahin erzogen wurde. Wenn die Erziehung sich ändern würde, würde niemand mehr auf die Idee kommen, andere auszubeuten. In den Urkommunistischen Gesellschaftsformen, wie die der Indianer z. B., gab es keine Ausbeutung. Der Mensch ist im Grunde nicht so. Der Mensch liebt die Freiheit; er hat nur verlernt mit der Freiheit umzugehen.
    Dieses hat auch wieder Wilhelm Reich beschrieben als "Widerspruch zwischen Freiheitssehnsucht und Freiheitsfähigkeit" und erklärt auch die Usachen, die den Menschen dahin geführt haben.
    Das nächste Problem besteht darin, wie kommen wir dahin? Denn: Von nichts kommt nichts. Aber keiner weiss, was zu tun ist. Auch sind wir "Arbeitnehmer" nicht die einzigsten, die um dieses Problem wissen; daher hat Warren Buffett schon Jahre vor der Weltwirtschaftskrise gesagt:

    Zitat

    „Es herrscht Klassenkrieg, richtig, aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg führt, und wir gewinnen.“

    http://deinweckruf.wordpress.c…und-der-sieg-der-reichen/


    Und wir sitzen vor unseren Fernsehern (Aspis nicht so viel ;-) und lassen es mit uns machen. Die Gesellschaft verändern ist nicht so leicht...
    Grüsse A.

    »Liebe, Arbeit und Wissen sind die Quellen unseres Daseins. Sie sollen es auch regieren.«
    Wilhelm Reich

  • wenn ich das so lese, bekomme ich ein negatives Gefühl...., soll das die Endaussage sein ? wir haben die Vielfalt zugelassen und sie als Wachstum, Fortschritt, Möglichkeiten, Entwicklung geschätzt, wo haben wir uns denn da hinentwickelt ? schlägt jetzt etwa das Imperium zurück, viele viele Menschen wissen um das Desaster und es scheint Aussichtslosigkeit zu herrschen, ich kann und will das nicht glauben.
    Man kann auch nicht fliehen vor dem System, leider. Ich komme mir ausgeliefert und ausgebeutet vor - in der modernen Sklavenhalterei.
    Stopp ! Ich hatte vergessen, die andere Seite zu betrachten :
    "die glücklichen Sklaven sind die erbittertsten Feinde der Freiheit" Marie v. Ebner-Eschenbach


    liebe Grüsse von Cindy2003

    Der wertvollste Besitz, den man haben kann, ist Seelenfrieden. Friede kommt von innen und kann niemals durch materielle Werte entstehen.
    -Sathya Sai Baba-

  • Eines Tages wird sich die Gesellschaft zu mehr Menschlichkeit hin entwickeln. Verteilt über die ganze Welt brodelt es ja schon. Doch wie und wann der Weg zu mehr Gleichheit, Gerechtigkeit und Menschlichkeit beschritten wird, kann nur die Zukunft uns zeigen.


    "Die Waffe der Kritik kann allerdings die Kritik der
    Waffen nicht ersetzen, die materielle Gewalt muß ge-
    stürzt werden durch materielle Gewalt, allein auch die
    Theorie wird zur materiellen Gewalt, sobald sie die
    Massen ergreift. Die Theorie ist fähig, die Massen zu
    ergreifen, sobald sie ad hominem demonstriert, und
    sie demonstriert ad hominem, sobald sie radikal wird.
    Radikal sein ist die Sache an der Wurzel fassen. Die
    Wurzel für den Menschen ist aber der Mensch selbst.
    Der evidente Beweis für den Radikalismus der deut-
    schen Theorie, also für ihre praktische Energie, ist ihr
    Ausgang von der entschiedenen positiven Aufhebung
    der Religion. Die Kritik der Religion endet mit der
    Lehre, daß der Mensch das höchste Wesen für den
    Menschen sei, also mit dem kategorischen Imperativ,
    alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch
    ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein
    verächtliches Wesen ist, Verhältnisse, die man nicht
    besser schildern kann als durch den Ausruf eines
    Franzosen bei einer projektierten Hundesteuer: Arme
    Hunde! Man will euch wie Menschen behandeln!"
    [Marx: Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Einleitung, S. 17. Digitale Bibliothek Band 11: Marx/Engels, S. 556 (vgl. MEW Bd. 1, S. 385)]


    Grüsse A.

    »Liebe, Arbeit und Wissen sind die Quellen unseres Daseins. Sie sollen es auch regieren.«
    Wilhelm Reich

  • das wird man mit Menschen nicht realisieren können : Individualität und Gemeinsamkeit unter einen Hut zu bekommen.
    Sobald sich eine Gruppe bildet, gibt es einen Gruppenführer. Es liegt am Führer (-der Gruppe), das "Wir-Gefühl" zu verbreiten. Das kann er nur wenn er das Ziel vorgibt.
    "Wenn du ein Schiff bauen willst, erkläre den Männern nicht das Holz und die Nägel, sondern die Sehnsucht nach dem großen weiten Meer " - Zitat -
    Ohne Ziel gibt es keine Motivation und Leistung. So da wären wir wieder am Anfang der Geschichte.
    Eine Gruppe, in der alle der Führer sind, würde sich innerhalb kürzester Zeit auflösen, da es keine führbaren Führer geben will.


    jetzt ist es aber genug mit der Führung -:)


    liebe Grüsse von Cindy2003

    Der wertvollste Besitz, den man haben kann, ist Seelenfrieden. Friede kommt von innen und kann niemals durch materielle Werte entstehen.
    -Sathya Sai Baba-

  • Sobald sich eine Gruppe bildet, gibt es einen Gruppenführer. Es liegt am Führer (-der Gruppe), das "Wir-Gefühl" zu verbreiten. Das kann er nur wenn er das Ziel vorgibt.

    Warum sollte nicht jeder aus der Gruppe einmal "der Führer" sein? Dann kann jeder lernen, wie es ist und was dazu gehört, eine solche Aufgabe zu übernehmen. (Siehe Makarenkow: "Ein pädagogisches Poem".)
    Dann vermittelt der Zusammenhalt in der Gruppe das "Wir-Gefühl"!!! Der "Führer" darf damit gar nichts zu tun haben!!!
    Das Ziel wird von der Gruppe ermittelt und durch die Anforderungen, welche die Gesellschaft und die Umwelt an die entsprechende Gruppe hat.
    Wie man Individualität und Gemeinsamkeit unter einen Hut bekommt, hat Dieter Duhm in seinem Buch "Die heilige Matrix" beschrieben. In deren Kommune haben sie sogar die Kinder eine eigene Kommune gründen lassen, mit vollständiger Selbstverwaltung und Versorgung und allem drum und dran. Das hat (laut Bericht) hervorragend funktioniert; das Geheimnis heisst Partizipation und durch die Erfolgserlebnisse positiv erlebte Verantwortung!!! (Die Jugendlichen in der Kommune vom Makarekow in Russland nach dem 2. Weltkrieg haben in Eigenarbeit [ausser einiger Unterstützung durch Ingenieure] eine Fabrik aufgebaut, in der der 1. Kleinbildfotoapparat der Wellt hergestellt wurde!!!)

    wir haben die Vielfalt zugelassen und sie als Wachstum, Fortschritt, Möglichkeiten, Entwicklung geschätzt,

    Wir haben dies alles nur so geschätzt, weil wir es nicht als Konkurrenz sehen konnten, welche immer nur die Möglichkeit in sich trägt, sich selbst oder den Konkurrenten untergehen zu sehen.
    Genau so mit der Modernisierung:
    "So geht es zu, daß die Maschinerie, um mit Marx zu reden, das machtvollste Kriegsmittel des Kapitals gegen die Arbeiterklasse wird, daß das Arbeitsmittel dem Arbeiter fortwährend das Lebensmittel aus der Hand schlägt, daß das eigne Produkt des Arbeiters sich verwandelt in ein Werkzeug zur Knechtung des Arbeiters. So kommt es, daß die Ökonomisierung der Arbeitsmittel von vornherein zugleich rücksichtsloseste Verschwendung der Arbeitskraft und Raub an den normalen Voraussetzungen der Arbeitsfunktion wird; daß die Maschinerie, das gewaltigste Mittel zur Verkürzung der Arbeitszeit, umschlägt in das unfehlbarste Mittel, alle Lebenszeit des Arbeiters und seiner Familie in disponible Arbeitszeit für die Verwertung des Kapitals zu verwandeln; so kommt es, daß die Überarbeitung der einen die Voraussetzung wird für die Beschäftigungslosigkeit der andern und daß die große Industrie, die den ganzen Erdkreis nach neuen Konsumenten abjagt, zu Hause die Konsumtion der Massen auf ein Hungerminimum beschränkt und sich damit den eignen innern Markt untergräbt. »Das Gesetz, welches die relative Surpluspopulation oder industrielle Reservearmee stets mit Umfang und Energie der Kapitalakkumulation im Gleichgewicht hält, schmiedet den Arbeiter fester an das Kapital, als den Prometheus die Kelle des Hephästos an den Felsen. Es bedingt eine der Akkumulation von Kapital entsprechende Akkumulation von Elend. Die Akkumulation von Reichtum auf dem einen Pol ist also zugleich Akkumulation von Elend, Arbeitsqual, Sklaverei, Unwissenheit, Bestialisierung und moralischer Degradation auf dem Gegenpol, das heißt auf Seite der Klasse, die ihr eignes Produkt als Kapital produziert«
    (Marx, Kapital, Seite 671 und Engels: Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft, S. 502.)
    Ein Schritt zur Lösung dieses Dilemmas ist die Arbeitszeitverkürzung.
    (Ich selbst habe hier nicht viel selbst geschrieben, doch nimmt es für mich viel Zeit in Anspruch...)
    Grüsse A.

    »Liebe, Arbeit und Wissen sind die Quellen unseres Daseins. Sie sollen es auch regieren.«
    Wilhelm Reich

  • Das Gefühl der Menschen, ohne einen "Führer" nicht zurecht zu kommen, hatte ja seinen Höhepunkt ab dem Jahre 1933. Der Ursprung dieser Führersucht liegt in der Form der patriachalischen Familie und dementsprechend auch der Erziehung. Da wir aber heutzutage einen Umbruch der Familienstruktur erleben, siehe die vielen Patchworkfamilien und Alleinerziehenden, sieht es für mich so aus, als befänden wir uns am Beginn eines Umbruchs der gesellschaftlichen Verhältnisse. (Es verhält sich für mich etwas schwierig, das vor und seit Jahren Gelesene hier in aller Kürze verständnisvoll rüber zu bringen... Ihr versteht hoffentlich ;-)
    Grüsse A.

    »Liebe, Arbeit und Wissen sind die Quellen unseres Daseins. Sie sollen es auch regieren.«
    Wilhelm Reich

  • deine Betrachtungen zur Gruppe und die von Dieter Duhm sind interessant, dass es funktioniert hat, auch.
    Ich frage mich, ob das mit dem hochgradig zivilisiertem Menschen machbar ist, denn es bedeutet Verzicht. Um dieses zu ermöglichen, braucht es erstmal Einsicht, diese scheint mir, kann es nur sporadisch geben, da die Erziehung und das Wissen darum fehlt. Du hast alles Spezialisten um dich herum,doch das Verständnis für die "Alltags"-Anforderungen fehlt.
    Der Aufbruch der Struktur der Familie ist traurig, für mich jedenfalls, leider. Ein Kind sollte mit beiden Elternteilen aufwachsen. Ein Kind hat ein Urvertrauen. Die Familie gibt ihm Sicherheit, Geborgenheit, Liebe, Anerkennung, Werte, Moral. Die Single-Gesellschaft ist ermöglicht, ja hurra, aber es fehlen die Vorbilder, die Orientierung, die persönliche, situative. (hier eine Anmerkung : auch gleichgeschlechtliche Elternteile sind möglich).
    Wichtig ist, das Werte vermittelt werden, genau diese, die uns das Überleben ZUSAMMEN möglich machen. Es muss um Gemeinsamkeit gehen, und nicht um Einsamkeit. Aber genau darauf steuern wir zu, wir haben tausend Kontakte und sind einsam. Warum reden wir nicht über unsere Probleme ?
    Ich bin allein - bitte helfe mir, ist das so schwer ? womöglich ja....


    liebe Grüsse von Cindy2003

    Der wertvollste Besitz, den man haben kann, ist Seelenfrieden. Friede kommt von innen und kann niemals durch materielle Werte entstehen.
    -Sathya Sai Baba-

  • Jaaa, der Verzicht ist ein riesen Hindernis. Auch die Habsucht ist ein grosses Problem, denn je mehr ich habe, desto mehr will ich behalten.

    Die Single-Gesellschaft ist ermöglicht, ja hurra,

    Ich würde die "Single-Gesellschaft" nur als eine Art Übergang betrachten. Rein bildlich betrachtet; die patriarchale Familienstruktur, das Grundübel des heutigen Daseins, bricht auf und auseinander. Daraus entwickelt sich das Bruchstück Singlehaushalt. In Zukunft wird es (meiner Ansicht nach) so sein, dass diese Bruchstücke wieder zusammen wachsen, doch nicht mehr nach der patriarchalen Form, sondern eher nach dem Matriarchat, der Urform des Familienlebens, in der es noch keine Herrscher und Unterdrückte gab.

    Ein Kind sollte mit beiden Elternteilen aufwachsen.

    In deinem Satz steckt die Unsicherheit mit dem Wort "sollte" schon drin. "Sollte", "eigentlich"? Warum? - Weil es dem Kind Sicherheit bietet. Ein Kind erfährt Sicherheit, wenn es nach Hause kommen kann. Wenn es nicht weggeschoben wird. Wenn es geliebt wird. - Ist dieses nur in der patriarchalen Familienstruktur möglich? Bestimmt nicht!
    Dieter Duhm:
    "Unsere Kinder sind die Träger der neuen Kultur. Ich habe erlebt, welches Glück sie in dem Moment spüren, wo sie ihre Eltern neu entdecken, wo sie uns wieder lieben, den Erwachsenen wieder glauben, den Autoritäten wieder vertrauen können. Sie lieben die Welt, wo Eltern wieder Eltern, Erwachsene wider Erwachsene, Vorbilder wieder Vorbilder sind. Sie lieben es, wenn sie die Erwachsenen fragen können und eine sinnvolle Antwort oder Hilfe erhalten. Sie tun alles, um der Erde, der Natur, den Pflanzen und Tieren zu helfen, wenn wir ihnen unser Wissen zur Verfügung stellen, ohne sie zu bevormunden. Sie sind kosmische Wesen und haben die Fähigkeit, ungeheuer schnell zu lernen. ..." Aus: "Die heilige Matrix", S 386
    Dazu ist keine "normale" Familie nötig. Andere Familienstrukturen sind dafür genau so geeignet.
    Mal sehen, was wir noch erleben dürfen...
    Grüsse A.

    »Liebe, Arbeit und Wissen sind die Quellen unseres Daseins. Sie sollen es auch regieren.«
    Wilhelm Reich

  • Das trifft es aus - die heilige Matrix - über Kinder - kosmische Wesen, sehr schön ausgedrückt, sehr richtig...und hier ist die Erziehung überhaupt der ausschlaggebende Faktor für alles Kommende.
    Die zentrale Energie von uns Menschen ist die angeborene Tendenz zur Selbsterhaltung, Selbstverwirklichung und Selbstaktualisierung. Er hat ein Konzept, von all den individuellen Erfahrungen, die er gemacht hat. Entsprechend den indiv. Wahrnehmungen werden andere Personen, Dinge und Ereignisse von der Person als bedeutend, beängstigend oder bedrohlich eingestuft, von einer anderen Person hingegen als höchst erfreulich, willkommen oder bedeutungslos angesehen. So haben wir unterschiedlich ausfallende Verhaltensreaktionen, die sich aus der unterschiedlichen Verarbeitung von Wahrnehmungen ergibt.
    Die Bildung dieses Selbstkonzeptes ergibt sich vor allem durch "Beziehungsbotschaften", die Eltern, Lehrer und Erzieher dem Kind senden. Du bist erwünscht oder du bist unerwünscht...wichtig ist wertschätzend zu erziehen : Ich hab dich lieb oder du kannst sehr gut malen und nicht geringschätzend : aus dir wird sowieso nichts, du Dummkopf, muss man dir denn alles 3 x sagen usw.
    quasi müssen Kinder bedingungslos wertschätzend erzogen werden und nicht Liebe und Zuneigung von Zimmer aufräumen, Teller leeressen abhängig gemacht werden. So fördert man die Annahme der Person, Vertrauen und wertvolle Erfahrungen können gemacht werden.
    Da ich selbst zwei Kinder erziehe, habe ich mich mit dem Thema intensiv auseinandergesetzt.
    Ich stosse jedoch an Grenzen bei der Erziehung meines Aspergersohnes, da er eine völlig andere Wahrnehmung hat (das nur am Rande)
    Die Single-Gesellschaft ist vielleicht auch für viele Singles eine Art Selbstverwirklichung - was ist denn der Sinn des Lebens ? das entscheidet jeder für sich.
    bei den heutigen Anforderungen im Beruf ist es äußerst schwierig allem gerecht zu werden. Man hat es auch schwer, selbst wenn man Kinder liebt und aufziehen will, 2 - 3 Kinder zu ernähren. Alles wird ständig immer teurer, also überlegen viele Menschen schon vorher : kann ich ein Kind auf die Welt bringen.
    zusammenwachsen der Haushalte gibt es ja teilweise schon, Patchworkfamilien, ja das stimmt. Ich kenne da eine, da läuft es positiv und die Kinder freuen sich, weil sie jetzt gleich mehrere Omas,Opas, Onkel und Tanten haben, von denen sie dann auch entsprechend beschenkt werden.
    Was mich noch ärgert, wenn wir gerade beim Thema Kinder sind : wir sind ein "reiches" Land, ich hab jetzt keine Zahlen da...
    Immermehr unserer Kinder leben an der Armutsgrenze und von Sozialhilfe, sie müssen zu Tafeln gehen um ein warmes Mittagessen zu haben. Dieses ist doch mehr als ein Armutszeugnis für uns, wie kann man unsere Zukunft so vernachlässigen - und die andere Seite : die Krankenkasse zahlt einer Rentnerin von 90 Lebensjahren innerhalb von 6 Monaten ! 2 x eine funkelnagelneue Zahnprothese Oberkiefer, weil sie die alte in den Abfall geworfen hat - und noch skuriler : sie kann gar nicht mehr kauen, bekommt die Nahrung püriert. Das nur als kleines Irrsinns-Beispiel v. Verschwendung. liebe Grüsse v. Cindy2003



    Der wertvollste Besitz, den man haben kann, ist Seelenfrieden. Friede kommt von innen und kann niemals durch materielle Werte entstehen.
    -Sathya Sai Baba-

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