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Montag, 20. Februar 2017, 09:13

Invalidität das Hauptarmutsrisiko in der Schweiz

Nur noch zwei Tage. Dann wird Jonathan Haas dort stehen, wo er eigentlich ungern steht: mitten im Rampenlicht – und in diesem Fall auch noch auf einer Bühne in Berlin. Rund 1000 Gäste werden bei dem „großen Festakt“, wie es in der Einladung heißt, erwartet.



Hinter ihm liegt ein nicht ganz einfacher Weg. Doch von vorn: Nach dem Abitur kämpft Haas damit, seinen Weg zu finden. Informatikstudium nach einem Semester abgebrochen; mehrere erfolglose Bewerbungen auf Ausbildungsplätze. „Ich habe einige Bewerbungsgespräche gehabt. Aber ich war immer ziemlich nervös und bin wohl auch deshalb nicht so gut rübergekommen“, sagt er. Dass er das Asperger-Syndrom hat und ein Bewerbungsgespräch auch schon deshalb für ihn eine schwierigere Situation darstellt als für viele andere Bewerber, erzählt er seinen potenziellen Arbeitgebern nicht.

Diese Andersartigkeit ist es, die in Haas’ Ausbildungsbetrieb geschätzt wird. Innerhalb weniger Tage gelingt es Haas, seinen zukünftigen Arbeitgeber von sich und seinen Fähigkeiten zu überzeugen. Er darf direkt programmieren und zeigen, was in ihm steckt. Nach dem Praktikum arbeitet er einige Zeit weiter im Betrieb und beginnt schließlich seine Ausbildung in der Firma.

„Er ist bei seiner Arbeit ausgezeichnet, kann sich sehr schnell in neue Aufgaben eindenken, hat eine wahnsinnige Auffassungsgabe und arbeitet sehr exakt“, sagt Roland Schmitz über seinen Azubi. „Das Programmieren ist einfach seine Sache.“ Dass Haas vielleicht nicht besonders gut im Bereich Small Talk ist oder noch Schwierigkeiten hat, mit fremden Menschen am Telefon zu sprechen, stört hier niemanden.

Während Ausbildung und Studium hat Haas nicht nur gelernt, wie er mathematische Methoden bei der Programmierung anwendet und Software erstellt, sondern er hat auch gelernt, mit dem Asperger-Syndrom anders umzugehen. „Ich bin in den vergangenen vier Jahren viel offener geworden“, sagt er. „So ein Gespräch, wie wir es heute geführt haben, wäre damals nicht möglich gewesen.“


 

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