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Montag, 31. Mai 2010, 20:44

Thema zum Feed: Eltern von Autisten werden oft allein gelassen

Thema zum Feed: Eltern von Autisten werden oft allein gelassen

Ein wichtiges Thema. Auch ich empfinde es als Mutter und als Lehrerin so: In der regulären Volksschulzeit wird (mit Diagnose) viel für Kinder mit besonderen Bedürfnissen getan, zum Teil in heilpädagoischen Schulen, in der integrativen Förderung oder in der Integrativen Sonderschulung oder auch in Privatschulen.
Aber nach der Schulzeit? In der Schweiz (wie wahrscheinlich in vielen anderen Ländern auch) fehlt es an Kompetenzzentren für Autismus für den Berufseintritt und für das Erwachsenenalter. Als Mutter hiess und heisst das für mich: zuerst im Alleingang Lösungen suchen, vernetzen, verhandeln, Informationen/Wissen sammeln, Unterstützung einfordern und (schön, wertvoll!) auch bekommen!

grüsse

soleil

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »soleil« (31. Mai 2010, 20:52)


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Dienstag, 1. Juni 2010, 08:22

Berufseintritt ist ein schwieriges Thema, aber auch bei Schulen wird noch zu wenig getan, ich erzähl mal ein bisschen von mir :)

Mich hat man einfach in ein Internat geschmissen und mich als schwererziehbar eingestuft. Ich habe hingegen meine Diagnose auch erst mit 16Jahren bekommen. Nach der Schule wurde ich alleingelassen von allen Seiten, die IV wollte/konnte mir nicht helfen und hatte mich damals auch sehr enttäuscht. Nach der Schule ging ich ins 10te Schuljahr, einer Privatschule. Nach dieser Schule habe ich zwar viel gelernt, aber wusste immer noch nicht, wie ich ins Berufsleben einsteigen sollte, wobei mein Berufswunsch schon längst feststand. Ich sass drei viertel Jahre zuhause und bastelte ein bisschen vor mich hin, durch pures/n Glück/Zufall kam ich an ein Praktikum an einer Hochschule, was jetzt zu einer Lehre wurde.

Ohne dieses/n Glück/Zufall sässe ich jetzt immer noch zuhause meiner Mutter auf der Pelle, denn sonst hatte uns niemand mehr geholfen! :dumm:

Koala

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3

Dienstag, 1. Juni 2010, 13:35

Ja, bei mir geht es auch so. Man wird da alleingelassen, was bei Stellensuche oder Beruf betrifft. Für mich wäre es auch schön, wenn da eine Hilfs-Organisation vorhanden wäre, die uns etwas Erleichterung schaffen könnte. Bei mir geschah auch alles mit etwas Glück. Ich bekam bis jetzt eine Arbeitsstelle nur durch Bekannte oder Freunde.

Freundliche Grüsse von
Koala

Solaris

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4

Freitag, 4. Juni 2010, 23:24

Ich dachte eigentlich, dass die Lehrer der 3. Oberstufe dann auch mithelfen bei der Ausbildungsuche.....
Anscheinend nicht...?
Mal sehn, was da noch auf uns zu kommt.
Solaris :love:

monica

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5

Samstag, 5. Juni 2010, 15:26

Schule und Berufseintritt

Ich habe die Schulzeit bei meinen Kindern als relativ schwierig erlebt. Der Jüngere wurde in einer Sprachheilschule beschult (Internat), wo kein regulärer Schulstoff vermittelt worden ist. Dies kam daher, dass bei ihm auch mit 5 bis 6 Jahren kaum aktive Sprache vorhanden war. Dass er Autist war, wussten wir nicht, von seinem Begabungsprofil hatten wir keine Ahnung. Auch nachdem in der Schule bekannt war, dass er autistisch ist, wurde darauf keine Rücksicht genommen. Sie stellten sich auf den Standpunkt, dass, wenn er liest: "stehe auf und fülle ein Glas mit Wasser", er dies auch zu tun hat! Die Lehrer dieser Schule begriffen nicht, dass unser Sohn dies zwar lesen und verstehen kann, es aber nicht ausführen kann. So wurde ihm weiterer Schulstoff vorenthalten, weil er diesen Schritt nicht machte. In der Folge verweigerte er sich völlig. Unser Sohn lernte nur noch zu Hause, die Schulwoche brachte er apatisch und teilnahmslos hinter sich. Er wurde im Verhalten immer schwieriger!

Beim Älteren lief es etwas besser, weil bei ihm die Sprachentwicklung, zwar stark verspätet aber doch einsetzte. Er konnte normal eingeschult werden. Je älter er wurde, umso schwieriger wurde der Umgang mit ihm und seinen Mitschülern. Diese merkten bald einmal, dass hier ein Schüler anders "tickt"! Unser Sohn wurde immer unglücklicher, die sozialen Regeln, konnte er nicht durchschauen. Er konnte sein Andersein nicht mehr richtig erklären, er realisierte, dass er irgendwie "anders" war. Er wurde depressiv, wir zogen die Handbremse und vollzogen den Wechsel in eine Privatschule. Zum Glück erhielten wir in der Zwischenzeit für ihn die Diagnose HFA. So konnten wir seine neuen Lehrer aufklären, seine neuen Mitschüler klärte unser Sohn selbst auf. Ab da, ging es sehr gut.

Jetzt stellte sich das Problem mit der Lehrstellen-Suche. Das nicht sehr ausgeglichene Begabungsprofil unseres Sohnes stellte an die Berufsfindung grosse Probleme. Er ist handwerklich nicht sehr begabt, die Sprachen, hauptsächlich der Fremdspracherwerb war sehr schwierig für ihn. Aber, er ist sehr interessiert an Geschichte und Politik, den Computer.....nun , den benützte er hauptsächlich zum Gamen. Die IV-Berufsberatung erlebten wir nicht als sehr versiert und erfahren bei der Beratung von normal begabten Jugendlichen mit Autismus. Es kamen kaum Vorschläge, wir fühlten uns ziemlich alleine. Hier ist noch viel Aufklärungsarbeit nötig! Per Zufall fand ich im Internet eine Adresse von einer Stiftung, die Jugendlichen mit Autismus ermöglichen will, eine Informatiker-Lehre zu absolvieren. Als ich dies der IV-Berufsberatung mitteilte, stellte sich heraus, dass diese von diesem Angebot noch keine Ahnung hatte! (Wie soll diese Stelle dann uns Eltern und die Jugendlichen beraten, wenn ihnen solche Ausbildungsplätze nicht bekannt sind???????)

Ohne offizielle Diagnosen für unsere Kinder wären wir nicht weitergekommen. Der Jüngere besucht seit diesem Schuljahr dank einem Integrationsprojekt für Autisten, die Regelschule am Wohnort. Der Ältere beginnt diesen Sommer seine Informatikerlehre in der Stiftung. Wir sind sehr froh, diese Lösungen für unsere Söhne gefunden zu haben. Beiden Söhnen geht es momentan sehr gut, wir, die Eltern wagen diesem Frieden noch nicht ganz zu trauen!

Lange fühlten wir uns Eltern "von Allen" alleine gelassen, oft hatten wir das Gefühl gegen Windmühlen zu rennen. Plötzlich läuft es, ich stelle fest, dass im Kanton Bern vieles im Umbruch ist. Es finden viele Aufklärungen statt, während der Schulzeit gibt es, wenn das Kind die offizielle Diagnose hat und nicht in einer Privatschule beschult wird, viele Unterstützungsmöglichkeiten. Aber, wenn die Schulzeit zu Ende ist, fehlen Anschlusslösungen.

Ich hoffe, dass sich dies in den nächsten Jahren ändert. Liebe Grüsse, Monica

6

Mittwoch, 9. Juni 2010, 22:12

Liebe Monica

Viele deiner Textstellen "könnten" von mir sein...ich merke immer wieder, das AS mitbetroffene Eltern oft einen ähnlichen Weg hinter und vor sich haben!
Je älter er wurde, umso schwieriger wurde der Umgang mit ihm und seinen Mitschülern. Diese merkten bald einmal, dass hier ein Schüler anders "tickt"! Unser Sohn wurde immer unglücklicher, die sozialen Regeln, konnte er nicht durchschauen. Er konnte sein Andersein nicht mehr richtig erklären, er realisierte, dass er irgendwie "anders" war.

Unser Sohn hatte bis zum Lehreintritt keine AS Diagnose.....zwar war vieles immer anders, nicht erklärbar, schwierig! Die Probleme und der Druck innerhalb der Klasse/Gleichaltrigen wurden vorab in der Oberstufe für ihn (und uns Eltern) immer grösser. Ich gratuliere euch, dass ihr die "Notbremse" gezogen habt! Zur Diagnose, dass da etwas grundlegend anders ist, kamen wir erst, als es gar nicht mehr ging! Userer Sohn bewältigte die "Schulhürde" mit den Gleichaltrigen bei Lehrbeginn nicht mehr....was in einem Lehrabbruch endete.

Zitat

Es kamen kaum Vorschläge, wir fühlten uns ziemlich alleine. Hier ist noch viel Aufklärungsarbeit nötig!

Ja, alleine die Diagnose half uns gar nicht weiter, da war niemand, der uns konkret weiterhelfen konnte....dies wurde uns auch bereits vor der Abklärung im KJPD gesagt: Sie seien "nur " für die Diagnose zuständig! Die Suche nach geeigneter Therapie- und Ausbildungsmöglichkeit blieb an mir hängen.

Ohne offizielle Diagnosen für unsere Kinder wären wir nicht weitergekommen.

Dei Diagnose half dann aber trotzdem in mehrfacher Beziehung: Endlich konnte ich vieles verstehen, akzeptieren und mit wachsendem Wissen auch begreifen.
Therapeutisch fand ich eine auf Autismus spezialisierte Psychologin, die unseren Sohn seit zwei Jahren begleitet.
Und: Es gelang mit Hilfe der IV und dem Arbeitgeber auch ein erneuter Lehrstart mit anderen "Schulbedingungen".
Dies tönt nach "happy end"....so einfach ist das natürlich nicht: Da braucht es Mut, Eigeninitiative, Glück (!), Engagement, Aufklärungs- und Kommunikationsarbeit und ein dauerndes Begleiten des (immer mal wieder gefährdeten) Prozesses!

grüsse

soleil

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