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Sonntag, 2. März 2014, 08:49

Artikel: Weibliche Gene schützen stärker vor Autismus

Zitat

Deutlich mehr Männer als Frauen sind Autisten. Woran liegt das?
Erstmals zeigen Genetiker den Einfluss des Erbguts auf. Mutationen in den Genen schaden Männern mehr.

Der Originalartikel auf der Homepage des AJHG:
http://www.cell.com/AJHG/retrieve/pii/S0002929714000597

Sowie der Artikel darüber in Zeit Online:
http://www.zeit.de/wissen/gesundheit/201…-studie-genetik

Es bleibt die Frage, ob es tatsächlich deutlich mehr autistische Männer als Frauen gibt oder ob Frauen sich besser anpassen können und deshalb viel seltener diagnostiziert werden. So wie es beispielsweise hier steht:
http://www.dailymail.co.uk/health/articl…etter-boys.html

schmutzteufel

unregistriert

2

Sonntag, 2. März 2014, 09:19

Ich bin mir absolut sicher, dass es daran liegt, dass sich Frauen besser anpassen können, weil ihre Gehirnhälften besser zusammenarbeiten, naturgegeben. Außerdem muss man ja bedenken, dass ein NT-Mann an sich schon mehr Eigenschaften besitzt, die bei Autisten vorkommen. Ganz naturgegeben. Und wenn diese Eigenschaften verstärkt zu Tage treten ist das sehr auffällig.

Man sieht das bei Aspergerfrauen, denn die wirken oft sehr männlich. Das ist nicht unbedingt von Nachteil, daher fallen sie auch nicht so auf, sondern sind manchmal vielleicht sogar besser unterwegs im Leben als viele sehr neutotypische Frauen.

....Eigentlich fehlt in dem Forum eine Rubrik speziell für Aspergerfrauen :hm2: ....in Blogs sind sie gut vertreten....

3

Sonntag, 2. März 2014, 13:45

Ich bin mir absolut sicher, dass es daran liegt, dass sich Frauen besser anpassen können, weil ihre Gehirnhälften besser zusammenarbeiten, naturgegeben.

Möglicherweise ist das so. Und es spielt sicher eine Rolle. Allerdings denke ich, ist die Erziehung ebenso entscheidend: Mädchen werden auch heute noch mehrheitlich so erzogen, dass sie lernen müssen, auf die Bedürfnissen der Anderen zu achten, den Menschen behilflich zu sein und ihre eigene Meinung weniger klar zu vertreten. Was dazu führt, dass sie sich eben verstärkt anpassen um nicht schon sehr früh "aus dem Rahmen" zu fallen.

..... Das ist nicht unbedingt von Nachteil, daher fallen sie auch nicht so auf, sondern sind manchmal vielleicht sogar besser unterwegs im Leben als viele sehr neutotypische Frauen.


Da bin ich mir auch nicht so sicher....
Jedenfalls denke ich, dass mein Leben im Alltag genauso anstrengend ist als das meiner NA-Freundin, einfach anders. :)

Grüsse, Satu

sid

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4

Sonntag, 2. März 2014, 15:33

Je nach Studie schwankt das Geschlechter-Verhältnis von Asperger-Betroffenen extrem.

Tony Attwood schreibt von einem Verhältnis männlich zu weiblich von 4:1 bei Kindern. Er erwähnt, dass Mädchen oft viel schwieriger zu diagnostizieren sind, da sie häufiger Mechanismen zur Überspielung des Asperger-Syndroms entwickeln als Jungen. Auch seinen die Spezialintressen von Mädchen öfters weniger auffällig, z.B. ist es ja für ein Mädchen nicht ungewöhnlich, wenn es alles über Pferde sammelt und wissen will.

Er ist der Ansicht, dass unter Verwendung der Gillberg-Kritierien etwa 50% aller Kinder mit AS nicht erkannt werden. Diejenige Kinder, die nicht an einen Spezialisten überwiesen werden, sind also in der Lage, ihre Schwierigkeiten zu kaschieren. Diese Grauzone ist riesig und der Mädchen-Anteil in dieser Gruppe natürlich unbekannt.

Bei Erwachsenen Asperger-Autisten beträgt das Verhältnis zwischen Männern und Frauen nahezu 2:1. Dies, weil sich viele Betroffene Frauen oft erst im Erwachsenenalter abklären lassen, weil andauernde Probleme mit Gefühlen, am Arbeitsplatz oder mit Beziehungen bestehen. Oder wenn eine Frau ein Kind mit AS bekommt und erkennt, dass sie dieselben Symptome aufweist wie ihr Kind.

5

Sonntag, 2. März 2014, 16:04

@sid
Danke für diese Info :)

Grüsse, Satu

6

Sonntag, 2. März 2014, 18:07

Schmutzteufel, da bin ich deiner Meinung! Und es wird sich heute noch genau aus diesem Grund gewehrt Mädchen die Diagnose zu geben. Lieber wird gesucht und therapiert bis ins schier unendliche!!

7

Sonntag, 2. März 2014, 18:09

Sid, und genau den Mädchen, welche Aspergermütter haben wird die Diagnose noch seltener gegeben, das die "Wissenschaft" der Meinung ist, dass das Verhalten der Töchter angelernt sein...

8

Sonntag, 2. März 2014, 19:04

In dem Artikel "Diagnostik und Differenzialdiagnose des Asperger-Syndroms im Erwachsenenalter" wird unter dem Kapitel "Besonderheiten des spät diagnostizierten Asperger-Syndroms" folgende Aussage gemacht:

Zitat

Mögliche Gründe für die erst spät im Lebensverlauf gestellte Diagnose eines AS sind – neben einer vergleichsweise „milden“ autistischen Symptomausprägung – hohe sozial-kognitive Kompensationsleistungen der Betroffenen. ...

In Verbindung mit hoher sprachlicher Kompetenz und der Fähigkeit zur Selbstreflexion kann ein vergleichsweise hohes und oberflächlich oft unverdächtiges psychosoziales Funktionsniveau erreicht werden....

Ich denke, dass das auch für Frauen gilt und somit die Argumentation von sid unterstützt.
Grüsse, Satu

cindy2003

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9

Sonntag, 2. März 2014, 22:37

daraus ergibt sich die Frage : sind Asperger- Mädchen empfänglicher für "Erziehung" als Jungen ? wenn ja,warum ? Erhaltung der Art ?
liebe Grüsse von Cindy2003


ich bin der Meinung, das die "Erziehung" von Aspergerkindern eine grosse Schwierigkeit darstellt, da die Kinder bereits ihr eigenes Weltbild (Sicht auf die Dinge ) haben, ich kann ihnen nichts "anerziehen", auch Bitte und Danke sagen entwickelt schon die Frage nach dem Warum ....., die Erklärung des aktuellen Werte und Regelsystems der Gesellschaft muss doch nicht anerkannt werden....
Der wertvollste Besitz, den man haben kann, ist Seelenfrieden. Friede kommt von innen und kann niemals durch materielle Werte entstehen.
-Sathya Sai Baba-

sid

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10

Sonntag, 2. März 2014, 22:40

@ Satu

Das ist genau das was ich meinte, AS-Frauen haben offenbar in der Regel bessere Kompensationsfähigkeiten als betroffene Männer und fallen daher weniger auf.

Ich persönlich empfinde den Begriff "mild" im Zusammenhang mit Autismus als nicht angebracht. Auch bei einer "milden" Form kann der Anpassungsdruck sehr hoch sein und im schlimmsten Fall zu einem völligen Zusammenbruch führen...

Der Beitrag von »sid« (Sonntag, 2. März 2014, 22:41) wurde aus folgendem Grund vom Autor selbst gelöscht: Eigener Beitrag, doppelt geschickt (Freitag, 7. März 2014, 15:21).

schmutzteufel

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12

Montag, 3. März 2014, 06:13

Ich denke man kann Kinder nicht "erziehen". Ich bin das beste Beispiel für den gescheiterten Versuch meiner Mutter, ebenso wie meine vier Kinder sich nicht erziehen haben lassen und lassen wollen...Man kann ein Kind in eine Rolle "zwingen". Es ist abhängig, hat Angst vor unangenehmen Konsequenzen....Aber irgendwann, früher oder später wird es ausbrechen aus der Rolle und sein eigenes Leben leben....Mädchen(Frauen) können sich leichter und länger dem Anpassungsdruck unterwerfen als Buben (Männer). Aber auch Frauen brechen mal aus aus einer Zwangsrolle.....meist erst mit über 40....wenn die eigenen Kinder groß werden...
Meine beiden NT-Töchter verstehe ich bis heute nicht, und sie mich nicht....Aliens....der AS-Sohn, absolut problemlos....und der 13jährige....schräger Vogel, weder NT noch AS, nur schräg.....nicht erziehbar....?????

Muss man eigentlich erziehen? Man muss sich an die Gesetze halten und andere bei ihren (legalen) Aktivitäten nicht stören, den Kindern die Regeln unseres Gesellschaftssystem lehren, ob sie sie anwenden wird sich weisen....AS und NT könnten sich so wunderbar ergänzen. Warum lässt man den Menschen nicht mehr Freiheit. Warum zwingt man sie zu Dingen, die sie nicht möchten, die niemand braucht....nur um einem Klischee zu genügen?
Meiner Meinung sind die meisten Menschen sowieso eine Mischform von NT und AS. Männer wirken eher AShaft, Frauen eher NThaft...
Meine Meinung....

cindy2003

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13

Montag, 3. März 2014, 07:21

@schmutzteufel,

dein Beitrag zur Erziehung hat meine VOLLSTE Zustimmung - genau so ist es !
sehr gut beschrieben....
die Art und Weise der frühkindlichen Erlebnisse entscheidet darüber, ob es bei einem Menschen zur Ausprägung des Urvertrauens oder Urmisstrauens kommt.
Zur moralischen Erziehung : Harte Strafen und viele Zwänge fördern die Entwicklung der Moral und des Gewissens nicht ! Die Erzieher erreichen damit nur, dass moralisches Verhalten von äußeren Zwängen abhängig und nicht verinnerlicht wird.


liebe Grüsse von Cindy2003
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-Sathya Sai Baba-

14

Montag, 3. März 2014, 19:15

Muss man eigentlich erziehen?

Jeder Mensch kommt schon als Persönlichkeit auf die Welt und lässt sich nicht "erziehen" im Sinn von "ändern" oder "umkrempeln". Erziehen im Sinne von "Vorbild sein", "einüben" oder "anleiten" ist jedoch möglich und m. E. auch unbedingt erwünscht. Kinder können besser lernen, wenn sie angeleitet (unterstützt) werden. So wie wir laufen lernen, können wir auch bestimmte soziale, intelektuelle oder eben auch praktische Kompetenzen lernen. Je mehr angelernte oder eingeübte Kompetenzen wir haben, desto einfacher wird es für uns, weiter zu lernen und zu entscheiden, ob wir die Kompetenzen dann für uns stimmig beurteilen. Kinder sind in der Regel sehr neugierig und sträuben sich nicht dagegen, etwas Neues zu lernen, wenn sie nachvollziehen können, was man ihnen sagt oder wenn ihr Interesse geweckt wird. Lernen ist ein lebenslanger Entwicklungsprozess, bei dem wir unsere geistigen, kulturellen und lebenspraktischen Fähigkeiten und unsere persönlichen und sozialen Kompetenzen erweitern. Lernen befähigt uns ausserdem, das Wissen um eine Verhaltensweise oder ein Thema kreativ mit anderen Verhaltensweise oder Themen verbindend zu vergleichen und dann die eignenen Schlüsse daraus zu ziehen. Und diese Möglichkeit sollte man, denke ich, niemandem vorenthalten, denn das kann ja wohl jeder gebrauchen.

Hier wieder mal ein Video von Gerald Hüther, diesmal: "Vorbild sein! Zur Not auch ein schlechtes":
http://www.youtube.com/watch?v=cH-EC7ivr-U

Und ein Video von Manfred Spitzer: "Wie lernen Kinder?"
http://www.youtube.com/watch?v=vujELzwcdpQ

Grüsse, Satu

cindy2003

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15

Dienstag, 4. März 2014, 11:36

Erziehung ist eine sehr anspruchsvolle Aufgabe.
Es fängt mit der Reinlichkeitserziehung über die Erziehung zur Selbständigkeit sowie moralische Erziehung und Gewissensbildung an bis hin zur Übernahme der Geschlechterrolle, späte Kindheit, Jugend.
-eine zu strenge und unnachgiebige Haltung sollte vermieden werden
-völlige Nachgiebigkeit sollte auch vermieden werden
-vorbeugen ist besser als strafen
-die Eltern sollte sich ihrer Rolle als Modell für das Kind bewusst werden


Das Kind ist aber ständig in Konflikt zwischen den Anforderungen (Normen) der Umwelt (Eltern) und den eigenen Wünschen und Bedürfnissen wie auch sein Streben nach Selbständigkeit. Ein Rezept für "Erziehung" gibt es nicht, auch bin ich der Meinung, ist es sehr schwer Aspergerkinder zu erziehen.
"Begleiten" ist vielleicht das Schlüsselwort - ich kann die Entwicklung versuchend begleiten, mehr nicht.
und wenn dann die Öffentlichkeit typische Verhaltensweisen meines Sohnes als "schlechte Erziehung" wertet, ist das unrichtig.


liebe Grüsse von Cindy2003



Der wertvollste Besitz, den man haben kann, ist Seelenfrieden. Friede kommt von innen und kann niemals durch materielle Werte entstehen.
-Sathya Sai Baba-

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