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Montag, 13. Mai 2013, 14:21

"Das Profil des Bösen", Artikel auf Blick-Online, 16.12.2012

Wo kann ich diesen Artikel lesen?
Der Artikel ist auf auf Blick-Online:
http://www.blick.ch/news/ausland/das-pro…-id2141694.html


Der Artikel als PDF-Datei:
Das Profil des Bösen.pdf


Hinweis
Das ist ein längerer Beitrag. Bei kommenden Besprechungen werde ich mich kürzer halten.


Hintergrund
Er erschien Mitte Dezember letzten Jahres und gehört zu einer Reihe von Artikeln die im Zusammenhang mit dem furchtbaren Amoklauf von Adam Lanza in Newton, USA, und dem Asperger-Syndrom bzw. Autismus stehen. Adam Lanza hat 28 Menschen getötet und so unfassbares Leid für viele Menschen gebracht.

Ich persönlich finde den Artikel schlecht, er hat mich wütend gemacht, verletzt und ich kann mir vorstellen, dass es anderen Menschen aus dem AS (Autismus-Spektrum) und deren Angehörigen ähnlich ergeht.

Darum habe ich beim Presserat eine Beschwerde zu diesem Artikel eingereicht. Der Presserat ist nicht auf die Beschwerde eingetreten. Hier ist die detaillierte Begründung:
http://presserat.ch/_07_2013.htm

Diese Reaktion hat mich enttäuscht. Ich fragte mich: Was verstehe ich hier falsch?

Der Anfang des Artikels
Doch der Reihe nach. Ohne dass der Journalist explizit schreibt, dass der Autismus von Adam Lanza die Ursache für den Amoklauf war, wird das meiner Meinung nach durch die Komposition von Titel, Lead und Bild impliziert. In meiner Beschwerde an den Presserat berief ich mich auf die Ziffern 1 und 8 der "Erklärung der Pflichten der Journalistinnen und Journalisten" (Link: http://presserat.ch/code_d.htm).
  • Ziffer 1: "Sie (die Journalisten) halten sich an die Wahrheit (...)"
  • Ziffer 8: "Sie respektieren die Menschenwürde und verzichten in ihrer Berichterstattung in Text, Bild (...) auf diskriminierende Anspielungen, welche (...) Krankheiten sowie körperliche oder geistige Behinderung zum Gegenstand haben (...)".
Die Antwort des Presserates dazu:

Zitat

Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers suggerieren weder Titel und Lead noch der Lauftext des beanstandeten Berichts, die Ursache des Amoklaufs liege im Autismus. (...).
Wie lesen sie beim Presserat einen Text?
Für mich wird durch die erwähnte Komposition ein ganz klarer Zusammenhang hergestellt: Der Autismus von Adam Lanza ist die Ursache für den Amoklauf. Damit verletzt dieser Artikel meiner Meinung nach die Menschenwürde der Menschen mit Autismus, dem Asperger-Syndrom und deren Angehörige und BetreuerInnen.


Die Infobox
Am Schluss des Artikels steht eine Infobox mit dem Titel: "Die Krankheit des Serienkillers".
Wird auch hier allein durch die Formulierung dem Leser unbewusst eine Erklärung untergeschoben?
Beim Presserat habe ich hier die Ziffer 1 beanstandet, dass Autismus oder das Asperger-Syndrom keine Krankheit sondern eine tiefgreifende Entwicklungsstörung ist.
Die Antwort des Presserates:

Zitat

(...) Für die Leserschaft ist zudem die Unterscheidung zwischen «Krankheit» und «tiefgreifender Entwicklungsstörung» nicht so wesentlich, dass aus der vom Beschwerdeführer beanstandeten Begriffsverwendung eine Verletzung der Ziffer 1 der «Erklärung» abzuleiten wäre (...).
  • Wieso ist hier Wahrheit oder Genauigkeit nicht so wichtig?
  • Traut der Presserat den Lesenden nicht zu, den Begriff "tiefgreifende Entwicklungsstörung" zu verstehen? Eine Erklärung dazu in der Infobox wäre doch möglich gewesen.
  • "Krankheit" und "tiefgreifender Entwicklungsstörung" sind doch zwei ganz unterschiedliche Konzepte? Oder gehören jetzt Äpfel zu den Gemüsen und Katzen zu den Reptilien?

Weiter steht in dieser dieser Box:

Zitat

(...) Sie seien stressempfindlich und hätten Mühe, wenn etwas nicht nach Plan laufe. Dies könne zu emotionalen Ausrastern führen, Aussenstehenden erschienen sie als Sonderlinge – die klassischen Merkmale eines Amokläufers. Sachs glaubt dennoch nicht, dass es die Krankheit alleine war, die Lanza zu seiner Tat trieb.
In meiner Beschwerde beanstandete ich die Verletzung von Ziffer 1 weil die Merkmale eines Amokläufers anders sind. Sicher, dieser entschärfende Satz steht unmittelbar danach:

Zitat

Sachs glaubt dennoch nicht, dass es die Krankheit alleine war, die Lanza zu seiner Tat trieb
Aber mit alldem, was vorher schon geschrieben und komponiert wurde, ist es zu spät, der Geist schon aus der Flasche, die Meinung beim Leser, bei der Leserin gemacht: Autismus ist die Ursache für diese unfassbare Amoktat.

Boulevardmedien
Der Blick ist eine Boulevardzeitung. Das habe ich nicht beachtet, als ich meine Beschwerde an den Presserat schrieb. Denn den Boulvarmedien geht es nicht um sachliche Information sondern um Auflage, um Krawall. Sex, Crime und Sensation stehen im Vordergrund und sollen unterhalten. Blöd ist nur, dass mit Artikeln bei vielen Menschen Bilder, Vorstellungen und Meinungen entstehen, denen nur schwer mit Argumenten beizukommen ist.

Dieser Beitrag wurde bereits 9 mal editiert, zuletzt von »dhqd« (21. Mai 2013, 21:25)


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Freitag, 31. Mai 2013, 08:31

Hallo dhqd, auch ich finde den Blick-Artikel eine Katastrophe - und die von Dir zitierte Reaktion des Presserats absolut skandalös. Grössere verbale Kanonen habe ich leider nicht. Jedoch möchte ich Deinem Ansatz eine kleine kritische Anmerkung beifügen. Du schreibst: "Beim Presserat habe ich hier die Ziffer 1 beanstandet, dass Autismus oder das Asperger-Syndrom keine Krankheit sondern eine tiefgreifende Entwicklungsstörung ist." Diese Aussage mag zutreffen oder auch nicht. Eine "Störung" ist jedoch zumeist Ursache oder Folge eines Defekts und aus diesem Grund ist es dem Presserat auch sehr leicht gefallen, den Unterschied zwischen "Krankheit" und "tiefgreifender Entwicklungsstörung" als "... nicht so wesentlich..." zu bagatellisieren - was wiederum das zentrale Argument der Reaktion des Presserates zu sein scheint. Ich empfinde es sowohl für das Selbstverständnis als auch für die öffentliche Darstellung sinnvoller, AS als genetisch bedingte Variante zu definieren. Immerhin verfügen viele Asperger über Fähigkeiten, welche allfällige Funktions - "Mängel" so ausreichend aufwiegen, dass von einer Störung gewiss nicht die Rede sein kann.

3

Freitag, 31. Mai 2013, 12:39

Ja klar, es ist zu erwarten, dass viele Leute den beanstandeten Zusammenhang aus dem Artikel heraus lesen.
Ob dies nun Absicht des Autors war oder nicht, sei dahingestellt.

Der Presserat hat es sich sehr einfach gemacht, indem er diese Interpretationsmöglichkeit bestreitet, obwohl es wenig Fantasie gebraucht hätte, sie zu sehen.
Dass es für Leser einer Boulevardzeitung nicht wesentlich ist, zwischen den verschiedenen Arten von Abweichung zur "Norm" zu unterscheiden mag zutreffen, doch gerade in diesem Fall hätte der Presserat seine Fantasie etwas mehr anstrengen sollen.

Der Blick beherrscht die Kunst, "etwas so sagen, dass die Leute es so interpretieren als hätte man es gesagt ohne es aber tatsächlich gesagt zu haben" meisterhaft.
Denn so kann er schlecht dafür gerügt werden, wie dieses Beispiel zeigt.

Wenn ich ein Boulevard-Presseerzeugnis in die Hand kriege, fallen mir häufig sofort nicht nur die Fehler im Text, sondern auch die Lücken in Information und Argumentationskette auf. Dass so etwas überhaupt soviele Leser findet, interpretiere ich so, dass all diese Unzulänglichkeiten den meisten Leuten nicht auffallen.

4

Freitag, 31. Mai 2013, 14:11

Der Blick beherrscht die Kunst, "etwas so sagen, dass die Leute es so interpretieren als hätte man es gesagt ohne es aber tatsächlich gesagt zu haben" meisterhaft.
Denn so kann er schlecht dafür gerügt werden, wie dieses Beispiel zeigt.


:thumbup: Das hätte definitiv nicht besser formuliert werden können!
AS ist keine Behinderung und keine Krankheit, sondern eine Besonderheit, die man als Chance nutzen soll.

Liebe Gruess Sunny :winke:

5

Samstag, 1. Juni 2013, 00:51

Halb so schlimm

Machen wir doch dieselbe Interpretation umgekehrt:
Der Presserat stuft die Blickleser offensichtlich als minderbemittelt ein ;-)
Ärgert euch nicht. Es könnte sein, dass der Presserat in diesem Fall teilweise recht hat.
Sich in andere Personen hinein zu versetzen ist nicht jedermanns faible. Ich ärgere mich viel mehr, dass vor einem halben Jahr auf Wickipedia noch stand, dass Aspis nicht Empathiefähig seien.
Auserdem ist mir die unterirdisch, schlechte und reisserische Berichterstattung egal, da ich in der Öffentlichkeit eh kein Aspi bin.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Elmex« (1. Juni 2013, 00:53) aus folgendem Grund: Buchstabenteufel


6

Samstag, 1. Juni 2013, 04:33

Nach dem Durchlesen und Überfliegen der Kommentare zum Artikel komme ich zum Schluss, das für die Meisten Leser, das dem Attentäter zugeschriebene Asperger Syndrom überhaupt kein Thema war. Die Kommentare sind die gleichen wie bei jedem anderen Fall von einem Attäter der wild um sich schiesst.

Es hat einen einzigen sagen wir mal Aspie-feindlichen Kommentar, der meinte wenn er wirklich das Asperger Syndrom hatte, müsste er in eine spezielle Schule gehen..., aber dieser Kommentar enthüllt woll auch eher die allgemeine Unwissenheit der Bevölkerung hinsichtlich des Asperger Syndroms...die meisten Leute haben keinen blassen Schimmer was das Aspeger Syndrom überhaupt ist und die, die etwas wissen, wissen das es eine Form des Autismus ist und im besten Fall wissen sie noch das wir Aspies etwas weniger belastbar sind unter gewissen Situationen.

Der Artikel ist sehr reisserisch. Es geht dem Blick wie so oft nicht darum Informationen zu vermitteln sondern möglichst viel Aufmerksamkeit zu bekommen...die Box zum Thema die Krankheit des Attentäters ist wirklich schlecht und sollte verboten werden...aber wahrscheinlich ist auch so das die Journalisten einer Boulevward Zeitung auch nur Journalisten 2. Klasse sind. Da die ersthaften, professionellen und wirklich guten Journalisten bei anderen Zeitungen arbeiten, die sachlich gut und auf hochstehendem NIveau informieren. Ich denke mal wer als Journalist seinen Job erst nimmt, kommt gar nicht auf die Idee bei einer solche Zeitung zu arbeiten.

Asperger

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Asperger« (1. Juni 2013, 04:35)


7

Samstag, 1. Juni 2013, 09:15

Hallo Asperger,

Nach dem Durchlesen und Überfliegen der Kommentare zum Artikel komme ich zum Schluss, das für die Meisten Leser, das dem Attentäter zugeschriebene Asperger Syndrom überhaupt kein Thema war. Die Kommentare sind die gleichen wie bei jedem anderen Fall von einem Attäter der wild um sich schiesst.

Es hat einen einzigen sagen wir mal Aspie-feindlichen Kommentar, der meinte wenn er wirklich das Asperger Syndrom hatte, müsste er in eine spezielle Schule gehen..., aber dieser Kommentar enthüllt woll auch eher die allgemeine Unwissenheit der Bevölkerung hinsichtlich des Asperger Syndroms...die meisten Leute haben keinen blassen Schimmer was das Aspeger Syndrom überhaupt ist und die, die etwas wissen, wissen das es eine Form des Autismus ist und im besten Fall wissen sie noch das wir Aspies etwas weniger belastbar sind unter gewissen Situationen.


Und genau das ist das Problem....

Es sind vielleicht 80 Kommentare......aber über eine halbe Million Leser.

Nehmen wir mal meine liebe Exschwiegermutter....einen IQ von eine Stück Zwieback und bei allem, was sie gelesen hat, interpretiert sie noch ihre eigene beschränkte Ansicht hinein....dann ab ins Dorf oder in die Kirche und es wird munter gequasselt......

Von dieser Sorte Mensch gibt es einen Haufen!
Diese Leute ergötzen sich an Unglücken und Katastrophen und klugscheissen an Stammtischen, Turnvereinen und Müttervereinen.
Wer das nicht selbst erlebt hat, hat keine Vorstellung davon, was solche Menschen anderen antun. Und es gibt viele, die sich auch noch mitreissen lassen - vor allem auf dem Land ist das noch so.

Und diese Leute sind es, die den Ruf von Aspis ruinieren können.
AS ist keine Behinderung und keine Krankheit, sondern eine Besonderheit, die man als Chance nutzen soll.

Liebe Gruess Sunny :winke:

Aspendos

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8

Samstag, 1. Juni 2013, 13:28

Das Problem ist doch nicht dieser Zeitungsartikel, sondern was Elmex sagt: "mir [ist] die unterirdisch, schlechte und reisserische Berichterstattung egal, da ich in der Öffentlichkeit eh kein Aspi bin."

Solche Zeitungsartikel - und allenfalls noch die (Extrem-)Darstellungen von Asperger-Betroffenen in gewissen Filmen (z.B. Mozart and the Whale, Adam, Simple Plain) - bestimmen das öffentliche Bild von AS, weil die Betroffenen, die weniger auffällig oder besser integriert sind, sich nicht zu erkennen geben.

Wir haben deshalb auch keine positiven Vorbilder, weder für diejenigen Betroffenen, die als Kind diagnostiziert werden noch für jene wie mich, bei denen es fast vierzig Jahre gedauert hat, bis AS festgestellt wurde. Bei mir war es auch deshalb so lange, weil mir selbst nicht klar war, wie unterschiedlich die Symptome von AS sein können und dass man es den Betroffenen oft nicht ansieht.

Asperger sagt, "die meisten Leute haben keinen blassen Schimmer was das Aspe[r]ger Syndrom überhaupt ist" - aber unter genau diesen Leuten sind auch viele, die selbst betroffen sind und es nur nicht wissen.

Ich finde deshalb all die Diskussionen in diesem Forum darüber, dass man AS bei Stellenbewerbungen nicht erwähnen soll, wie man sich am besten den NTs anpasst, usw. auch sehr problematisch. Letztlich ist es dieser Anpassungsdruck, der manche Individuen mit AS zu Gewalttaten treibt.

Für mich war schon vor der endgültigen Diagnose klar, dass ich mich nicht verstecken werde. Vielleicht hilft mir hier, dass ich offen schwul bin (obwohl ich auch in diesem Bereich wegen AS eingeschränkt bin). Ich habe mich vor vielen Jahren als schwul geoutet und diesen Monat, wenige Tage nach meiner Diagnose, als autistisch.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Aspendos« (1. Juni 2013, 13:33)


sid

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9

Samstag, 1. Juni 2013, 17:16

Liebe Sunny
Nehmen wir mal meine liebe Exschwiegermutter....einen IQ von eine Stück Zwieback und bei allem, was sie gelesen hat, interpretiert sie noch ihre eigene beschränkte Ansicht hinein....dann ab ins Dorf oder in die Kirche und es wird munter gequasselt......

Hmm... zuerst musste ich lachen, dann bekam ich doch ein wenig Mitleid (mit dem armen Zwieback). :lol: :lol: Ich weiss nicht, ob es Spass daran hätte, auf die gleiche Stufe wie deine Exschwiegermutter gestellt zu werden. Ein Zwieback hat nämlich folgende Vorteile:


  • es kommt nicht unangemeldet zum Besuch
  • es kritisiert nicht die Ordnung in der Wohnung und die Erziehung der Kinder
  • es lästert nicht über andere
  • es verdirbt einem nicht den Appetit
  • es stösst einem nicht sauer auf.... :ironie:

Nun, zurück zum eigentlichen Thema
Das Problem ist doch nicht dieser Zeitungsartikel, sondern was Elmex sagt: "mir [ist] die unterirdisch, schlechte und reisserische Berichterstattung egal, da ich in der Öffentlichkeit eh kein Aspi bin."

Für mich war schon vor der endgültigen Diagnose klar, dass ich mich nicht verstecken werde. Ich habe mich vor vielen Jahren als schwul geoutet und diesen Monat, wenige Tage nach meiner Diagnose, als autistisch.

Ich finde es sehr stark und mutig, dass du dich als Asperger geoutet hast. Ich werde in der Öffentlichkeit auch nicht als Aspie wahrgenommen, da ich mich jahrelang irgendwie durchgemogelt und angepasst habe. Ich dachte zuerst eigentlich auch: "Wer es bis jetzt nicht gemerkt hat, muss es nun auch nicht wissen...".

Wir haben diese Woche im Forum viel über das Thema anpassen und überspielen diskutiert (Thema Sozialverträgliches Ich). Und ich habe dabei gemerkt, dass ich nur authentisch und ehrlich sein kann, wenn ich meine Umwelt über meine Probleme informiere. Sonst ist die Schauspielerei schon fast vorprogrammiert. So habe ich es z.B. geschafft, einer Sportkollegin zu erzählen, dass ich letzten Freitag bei Tony Attwood an der Fachtagung war. Auf ihre Nachfrage konnte ich dann antworten: "ich bin eben auch betroffen". Dieses Gespräch hat mich unglaublich viel Mut und Überwindung gekostet. Vielleicht auch wegen der schlechten Erfahrungen, die ich bisher bei der Mitteilung meiner Diagnose gemacht habe.

10

Samstag, 1. Juni 2013, 20:00

Hmm... zuerst musste ich lachen, dann bekam ich doch ein wenig Mitleid (mit dem armen Zwieback). Ich weiss nicht, ob es Spass daran hätte, auf die gleiche Stufe wie deine Exschwiegermutter gestellt zu werden. Ein Zwieback hat nämlich folgende Vorteile:


es kommt nicht unangemeldet zum Besuch
es kritisiert nicht die Ordnung in der Wohnung und die Erziehung der Kinder
es lästert nicht über andere
es verdirbt einem nicht den Appetit
es stösst einem nicht sauer auf....


Du bist einfach herrlich!!!! :knuddel:

Für mich war schon vor der endgültigen Diagnose klar, dass ich mich nicht verstecken werde. Vielleicht hilft mir hier, dass ich offen schwul bin (obwohl ich auch in diesem Bereich wegen AS eingeschränkt bin). Ich habe mich vor vielen Jahren als schwul geoutet und diesen Monat, wenige Tage nach meiner Diagnose, als autistisch.


Man nennt es auch die Flucht nach vorne.
Nicht jeder kann sich überwinden und nicht allen gelingt dieser Schritt....vielleicht hat Dir Dein Outing zu Deiner Homosexualität geholfen?
Aber auch ich habe gute Erfahrungen gemacht, offen darüber zu sprechen. Ich glaube, meinem Sohn wurde mehr erspart als verbaut, weil wir offen damit umgehen.
Auch ich gratuliere Dir zu Deiner offenen Haltung und wünsche Dir weiterhin alles Gute auf diesem Weg.
AS ist keine Behinderung und keine Krankheit, sondern eine Besonderheit, die man als Chance nutzen soll.

Liebe Gruess Sunny :winke:

11

Sonntag, 2. Juni 2013, 18:39

Diverse Beiträge in diesem Thema nach "Mitmenschen über AS-Diagnose informieren" verschoben

Wir sind in der Diskussion vom Thema abgewichen. Darum wurden diverse Beiträge von hier zum Thema von Sid Mitmenschen über AS-Diagnose informieren verschoben.


Weitere Beiträge und Meinungen zum besprochenen Zeitungsartikel sind gerne willkommen!

dhqd

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »dhqd« (2. Juni 2013, 18:40)


12

Sonntag, 2. Juni 2013, 18:57

Solche Zeitungsartikel - und allenfalls noch die (Extrem-)Darstellungen von Asperger-Betroffenen in gewissen Filmen (z.B. Mozart and the Whale, Adam, Simple Plain) - bestimmen das öffentliche Bild von AS, weil die Betroffenen, die weniger auffällig oder besser integriert sind, sich nicht zu erkennen geben.


Das ist sicher eine Seite....
Die Frage ist doch, warum sich Aspis nicht zu erkennen geben. Meist ist es die Furcht, ausgeschlossen zu werden oder sich *blöden* Fragen stellen zu müssen.

Aspis bewegen sich da im Kreis.....
Zum einen möchten sie verstanden und angenommen werden wie sie sind, verstecken sich aber noch immer hinter einer Fassade, die sie sich mühsam aufgebaut haben.
Es gibt nur eine Lösung, um aus diesem Kreis aus zu brechen - die Flucht nach vorn.
Ich sehe da zum Beispiel die Möglichkeit, Medien für sich zu gewinnen und über Autismus bzw. AS zu informieren. Sei das in Zeitschriften wie z.B. *Die Schweizer Familie*, Den Beobachter, Sprechstunde (gibt es die noch????) usw.
Aber auch einen Stand an belebten Plätzen wäre eine Möglichkeit. Aspis organisieren und NT's stehen hin und erklären und vielleicht kann sich ja der eine oder andere Aspi dazu überwinden und auch hinstehen.... :rot:
Das sind einfach nur mal so ein paar Hirngespinnste von mir.......ich glaub ich dreh gleich und hör mal auf schreiben.... :wall: :hm2: :pfeifen: :rot:
AS ist keine Behinderung und keine Krankheit, sondern eine Besonderheit, die man als Chance nutzen soll.

Liebe Gruess Sunny :winke:

friedel

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13

Sonntag, 2. Juni 2013, 22:13

Zitat

"Es war nicht so, dass er gemobbt wurde. Man liess ihn einfach links liegen."

Das ist Ausgrenzung aus der Gruppe, also bereits der Beginn von Mobbing. Das Zitat stammt aus dem Blick-Artikel und wird einem Mitschüler zugeschrieben.

Zitat

"Sie seien stressempfindlich und hätten Mühe, wenn etwas nicht nach Plan laufe. Dies könne zu emotionalen Ausrastern führen, "

Ein Satz aus dem Infoblock desselben Artikels. Damit soll wohl der Leser unterschwellig dazu gebracht werden, einen Zusammenhang zwischen emotionalen Ausrastern (die manche Zeitgenossen fast täglich haben) und Amokläufen zu sehen.
Ein Leben nach Plan ist ein Schutz vor überlastenden Situationen. Man kann es aber auch als selbst gewähltes Gefängnis sehen.
Das Überlastungs-Ausrasten eines Aspies mag auf Außenstehende recht heftig wirken. Das ist kein Wunder, denn im Grunde ist es eine Notwehrreaktion.
Und ebenso wie eine Notwehrreaktion ist sie beendet, sobald der Rückzug erfolgreich vollzogen ist.
Keine Aussage wird wahrer, indem sie häufig wiederholt wird.
Aber sie gewinnt dadurch ungemein an Glaubwürdigkeit. (UT)
Wer den Willen hat, etwas zu tun (oder zu lassen), findet auch einen Anlass dafür. (UT)

Aspendos

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14

Montag, 3. Juni 2013, 00:24

Ich finde diese ständige Verschieberei von Beiträgen von mir in Bereiche, die nicht öffentlich sind, so was von mühsam.

Meine drei Beiträge zu dem Thema hier haben sich spezifisch auf den Blick-Artikel und die Reaktionen dazu in diesem Forum bezogen. Ich habe versucht aufzuzeigen, warum diese Reaktionen zu kurz greifen, solange wir nicht selbst positive Gegenbeispiele setzen.

Warum zwei meiner Beiträge nun in ein anderes Thema verschoben wurden, auf das sie sich nicht beziehen und ohne mich darüber zu informieren, geschweige denn meine Meinung dazu zu suchen, ist mir schleierhaft. Ist auch nicht das erste Mal, dass mir das in diesem Forum passiert.

Und dass diese Beiträge dann in Bereiche verschoben werden, die nur "intern" (also für registrierte oder freigeschaltete Nutzer) zugänglich sind, ist genau das Gegenteil von dem, was ich zu erreichen versuchte. Ich schreibe darüber, dass wir AS offen kommunizieren sollten - und meine diesbezüglichen Beiträge werden im internen Bereich des Forums versteckt, obwohl ich das gar nicht wünsche!

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Aspendos« (3. Juni 2013, 00:25)


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Montag, 3. Juni 2013, 08:24

@Aspendos

Sunny hat bezüglich den verschobenen Beiträgen im Thema "Mitmenschen über AS-Diagnose informieren" bereits Stellung genommen.
Wenn du die Öffentlichkeit suchst, dann steht dir nichts im Wege in diesem Forum im öffentlichen Bereich ein Thema zu eröffnen. Darauf hat Sunny im erwähnten Thema auch hingewiesen.



@Friedel
So empfinde ich das auch: Jemanden "links liegen lassen" ist Ausgrenzung und Teil von Mobbing.

Zitat

Ein Satz aus dem Infoblock desselben Artikels. Damit soll wohl der Leser unterschwellig dazu gebracht werden, einen Zusammenhang zwischen emotionalen Ausrastern (die manche Zeitgenossen fast täglich haben) und Amokläufen zu sehen.
Genau das hat mich an der Infobox so gestört und wütend gemacht! Sie ist so perfid forumuliert, dass man inhaltlich nichts nachweisen kann aber dem Lesern wird die Botschaft vermittelt und bleibt in den Köpfen hängen: "8-tung, Menschen mit dem AS können ausflippen und das kann gefährlich werden!" - was aber in der Realität nicht stimmt.

dhqd

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »dhqd« (3. Juni 2013, 10:05)


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