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Sonntag, 19. Februar 2012, 14:20

Beeinflussung



An einem nasskalten Januar morgen stellte sich
ein Straßenmusiker in eine U-Bahn-Station in Washington DC. Er spielte
innerhalb von ca. 45 Minuten sechs Stücke von Bach. Während dieser Zeit
herrschte starker morgendlicher Berufsverkehr in der U-Bahn-Station –
errechnet wurde, dass mindestens 1.100 Menschen in dieser Zeit am
Musiker vorbeigingen. Die meisten von Ihnen auf den Weg zur Arbeit.

In den 45
Minuten die der Musiker spielte, hielten nur 6 Leute und blieben für
eine Weile stehen. Etwa 20 gaben ihm Geld, gingen aber im normalen Tempo
weiter an ihm vorbei. Er sammelte 32 Dollar. Als er mit dem Spielen
fertig war und Stille wieder in Metro einkehrte, bemerkte dies niemand.
Niemand applaudiert ihm. Niemand gab ihm auch nur einen Hauch
Anerkennung.
Niemand wusste allerdings, dass es sich bei dem Musiker
um den Star-Geiger Joshua Bell gehandelt hatte. Joshua Bell ist einer
der talentiertesten Musiker der Welt. Gerade hatte er in der
U-Bahn-Station mit Bachs Kompositionen eines der schwierigsten Stücke,
das je geschrieben wurde gespielt – das alles auf einer Geige im Wert
von 3,5 Millionen Dollar.

Geplant wurde
diese Aktion von der Washington Post und war Teil eines sozialen
Experiments über Wahrnehmung, Empfinden, Geschmack – Maßgeblich ging es
um das soziale Einordnen der Prioritäten. Wie nehmen Menschen Dinge
wahr, für die sie „ jetzt erstmal keine Zeit“ haben. Bedingungen für
das Experiment waren u.a. ein öffentlicher stark frequentierter Ort, zu
einer hektischen Phase (Rush hour). Können Menschen Schönheit
wahrnehmen? Hören sie die hohe Qualität raus. Erkennen sie das Talent in
diesem unerwarteten Zusammenhang?

Einer der möglichen Rückschlüsse könnte sein:

Wenn wir nicht mal einen Moment, einen Augenblick innehalten können um
einen der besten Musiker der Welt zu zuhören – uns nicht einen
Augenblick Zeit nehmen können diese wundervollen Melodien zu erkennen.
Welche Schönheiten und wundervollen Dinge in unserem Leben übersehen wir
noch?

2

Sonntag, 19. Februar 2012, 16:48

Diese Musik ist wundervoll.ich erkenne sie.Es ist mir egal wie teuer die Geige ist,der Klang und der Geiger sind wichtig.Auf dem Weg zur Arbeit ist mein Hirn schon auf die bevorstehende Arbeit konzentriert und nur ein kleiner Platz für Musik, was ich mich vielem verbinde z.B. auch mit Zeit zum geniessen,verbinde.
An einem freien Nachmittag oder Abend mit einem Glas Wein sieht es schon viel anders aus. Aber ich bin ja auf dem Weg zur Arbeit.
Eigentlich schade.
Gruss tibet

3

Sonntag, 19. Februar 2012, 17:23

Ich kann dazu nur mit Maslow antworten:
http://de.wikipedia.org/wiki/Maslowsche_…BCrfnispyramide

Auf dem Weg zur Arbeit ist das Bedürfniss pünktlich zu sein (Sicherheit) um einiges grösser, als das Bedürfniss stehen zu bleiben und zu geniessen ( Individualität).
Auf dem weg zur Arbeit ist (auch) mein Sichtfeld eingeengt auf die Tagesvorbereitung, so dass viele Sachen unwichtig erscheinen ( müssen).

Gruss Geralt

Die Nähe zu Menschen ist wie die Nähe zum Feuer.
Zu nahe verbrennt man sich und zu weit weg erfriert man.

4

Sonntag, 19. Februar 2012, 20:28

Ich glaube, dass das aus Sicht der Experimentalpsychologie ein ziemlich 'populistisches' Experiment ist:
Der erstaunten und empörten Öffentlichkeit sollen Dinge präsentiert werden, über die sie sich bitteschön maßlos aufregen soll.
Leitartikel werden geschrieben und die Feuilletonisten spitzen die Bleistifte, um auf hohem Niveau und ausgesprochen stilsicher den Zustand der Welt zu beklagen.
Mit anderen Worten: So etwas durchzuführen und in dieser Form darüber zu berichten, ist in meinen Augen der Versuch der Manipulation.

Die Gesetzmäßigkeiten, die hier präsentiert werden, sind den verschiedenen Zweigen der Psychologie seit Jahrzehnten bekannt. Sie sind experimentell gut untersucht und in den unterschiedlichsten Settings bestätigt worden.
Ein Beispiel:
Bereits in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts gab es intensive Bemühungen, den Bystander-Efffekt (http://de.wikipedia.org/wiki/Zuschauereffekt) zu beschreiben, zu analysieren und zu erklären. Aus den Ergebnissen dieser Untersuchungen sind weitreichende Schlüsse abgeleitet worden, die zum Beispiel in die Ausbildung von Polizisten, Konfliktmanagern und Krisenhelfern Eingang gefunden haben.

5

Sonntag, 19. Februar 2012, 20:42

Der erstaunten und empörten Öffentlichkeit sollen Dinge präsentiert werden, über die sie sich bitteschön maßlos aufregen soll.

wieso ?

Kathy92

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7

Sonntag, 19. Februar 2012, 21:52

Wenn ich auf dem Weg zur Arbeit bin, muss ich pünktlich erscheinen.

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