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Geralt

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  • »Geralt« ist der Autor dieses Themas

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1

Freitag, 16. September 2011, 23:09

Freund & Feind

Ein Vogel fliegt verspätet im Winter nach Süden.
Doch es ist so kalt, dass seine Flügel immer steifer werden.
Schliesslich stürzt er ab und fällt auf ein Feld.
Während er da liegt, kommt eine Kuh vorbei und lässt einen Haufen direkt auf den Vogel fallen.
Erst ärgert er sich, dann merkt er, wie wohlig warm das ist und taut langsam wieder auf.
Darüber ist der Vogel so glücklich, dass er damit beginnt, ein Lied zu trällern.
Eine Katze, die gerade vorbei streunt, hört das Gezwitscher, folgt ihm und entdeckt den Vogel.
Sie holt ihn aus dem Dung raus ...... und frisst ihn auf.


Und die Moral von der Geschichte ......






Nicht jeder, der dich, anscheisst ist dein Feind.
Nicht jeder, der dich aus der Scheisse raus holt, ist dein Freund.
Wenn du es schön warm und gemütlich hast, auch wenn du Scheisse steckst – schrei nicht rum!

Die Nähe zu Menschen ist wie die Nähe zum Feuer.
Zu nahe verbrennt man sich und zu weit weg erfriert man.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Geralt« (18. September 2011, 18:40)


Joe65

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2

Sonntag, 18. September 2011, 07:53

Mit dieser Geschichte sprichst du ein gosses Problem von AS an. AS sind ehrlich und loyal, erwarten (oder erhoffen) das aber auch von den anderen. AS sehen nicht die bösen Absichten der anderen und werden oft ausgenutzt. Es ist für einen AS sehr schwer einen wahren Freund zu erkennen. Genauso schwer erkennen AS auch die Feinde.

Wie soll man im Voraus erkennen ob es jemand gut oder böse meint? Die Mimik des Gegenüber hiflt einem da nicht weiter.

endeavour

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3

Sonntag, 18. September 2011, 18:14

AS sehen nicht die bösen Absichten der anderen und werden oft ausgenutzt.
Ich nehme aus der Geschichte aber auch den umgekehrten Schluss mit: AS sehen oft auch nicht die guten Absichten der anderen und verärgern Leute, die einem "nur" helfen wollen. Ich nehme oft gut gemeinte Kritik als Angriff wahr. Resultat: Die Leute machen zukünftig einen grossen Bogen um einen herum. Oder Leute erledigen die Hausarbeit, für die immer ich zuständig war mit dem Hintergedanken, mich zu unterstützen. Ich bin aber wütend darüber, dass jemand "meine" Arbeit weggenommen hat.

Sehr interessante Geschichte, und damit tatsächlich ein grosses Problem von AS angesprochen.

Grüsse
Endeavour

Joe65

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4

Montag, 19. September 2011, 09:38

"Ich nehme aus der Geschichte aber auch den umgekehrten Schluss mit: AS sehen oft auch nicht die guten Absichten der anderen und verärgern Leute, die einem "nur" helfen wollen. Ich nehme oft gut gemeinte Kritik als Angriff wahr"

Natürlich ist es auch umgekehrt gültig. Ich habe vor allem in meiner Partnerschaft nicht nur oft, sondern praktisch immer, gut gemeinte Kritik oder Ratschläge unbewusst als Angriff wahrgenommen und mich auch entsprechend verhalten. Auf jeden dieser "Angriffe" folgte meine Verteidigung oder meine Gegenwehr. Dies hat meine Partnerin natürlich nicht verstanden.

Jetzt, da ich den "Mechanismus" verstehe, gelingt es mir schon ganz gut Ratschläge auch als Rat oder als Hilfe anzusehen und lasse auch Hilfe zu.

endeavour

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5

Donnerstag, 22. September 2011, 21:33

Hallo Joe65
Jetzt, da ich den "Mechanismus" verstehe, gelingt es mir schon ganz gut Ratschläge auch als Rat oder als Hilfe anzusehen und lasse auch Hilfe zu.
Perfekt, das würde ich auch gerne. Ich verstehe schon, wie das funktioniert, und wie was bestimmtes gemeint sein könnte, aber ganz soweit bin ich noch nicht. Vor allem wenn es darum geht, mir gewisse Arbeiten abzunehmen, die ich selber aber gerne mache. Da lässt sich mein "innerer Antrieb" nicht mit dem Verstand übersteuern. Geht das bei Dir?

Grüsse
Endeavour

Joe65

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6

Freitag, 23. September 2011, 09:09

Hallo Endeavour

Die AS Eigenschaft, dass ich immer recht habe, dass ich immer alles besser weiss, dass ich immer alles unter Kontrolle haben muss, liessen mich hier oft scheitern. Heute kann ich eine Arbeit, eine Aufgabe delegieren oder einfach von anderen machen lassen ohne dass ich einen inneren Zwang habe mich vergewissern zu müssen ob auch alles richtig gemacht wurde. Es braucht Vertrauen dass auch andere Menschen die Dinge die ich "perfekt" kann auch können. Vertrauen in den Partner, Vertrauen in die Kinder, Vertrauen in die Mitarbeiter. Es war zwar einigermassen leicht für mich dieses Vertrauen zu haben aber es war enorm schwer für mich den anderen dieses Vertrauen zu offenbaren. Wie mache ich dem Partner nach über 20 Jahren klar dass ich auf einmal Vertrauen habe das ich bis jetzt nie gezeigt hatte?

Ich gebe es zu. Zu Beginn brauchte es viel Kopfarbeit bei mir. Noch viel mehr als vorher, wenn ich einen Rat als Rat, eine Hilfe als Hilfe und nicht einen Rat als Kritik und eine Hilfe als "etwas wegnehmen" auffassen wollte. Eben dieses Erkennen von "Gut und Böse".

Ich musste meine Grundeinstellung ändern. Statt alles negativ zu sehen und dann im Nachhinein zu erkennen dass das meiste postiv war stufe ich heute alles positiv ein und erkenne in Einzelfällen dass es gewisse negative Punkte hat. Diese Umstellung dauerte einige Zeit. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen dass ein "normaler" Mensch ca. 60 Anläufe braucht, bis er ein neu gelerntes Verhalten oder eine Reaktion instinktiv macht. Bei AS sind bedeutend mehr Anläufe nötig, wenn es überhaupt möglich ist.

Hier ein konkretes, lapidares Beispiel wie ich früher reagierte: Meine Frau und ich machen eine Wanderung die ich geplant hatte. Sie sagt unterwegs beiläufig:"Ich habe müde Beine, wenn nicht so kalter Wind wäre könnten wir hier eine Pause machen". Sofort begann mein Kopf die Aussage zu analysieren: "müde Beine"?? Habe ich eine zu lange Tour geplant, zu steil, zu wenige Pausen, war ich zu schnell gelaufen, ect. Zu " kalter Wind "?? habe ich die Wetterprognosen falsch interpretiert, die falsche Route ausgewählt(auf der anderen wäre sicher windstill und wärmer) Ich interpretierte die Aussage total falsch und fühlte mich für alles verantwortlich, sogar für das Wetter. Jeder einzelne Punkt fasste ich als Kritik auf, gegen mich.

Meine Frau meinte mit der Aussage einfach nur, dass sie müde Beine hat und dass sie ohne kalter Wind Lust auf eine Pause hätte.... Punkt. So wie sie sagt, dass heute Fraitag ist. Es war einfach ein Aussage, eine Feststellung von ihr ohne Hintergedanken, ohne Erwartungshaltung, ohne Forderung.

Wir machen morgen wieder eine Wanderung die ich geplant habe. Wenn Sie wieder sagt.:"Ich habe müde Beine, wenn nicht so kalter Wind wäre könnten wir hier eine Pause machen", sage ich vielleicht, "Das mit der Pause ist eine gute Idee" oder sonst irgendetwas. Fühle mich aber nicht mehr kritisiert oder angegriffen.

Ich kann AS nicht verhindern, lerne aber die Nachteile auszugleichen und geniesse die Vorteile.

grafschafft

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7

Freitag, 23. September 2011, 14:41

Lieber Joe65: das tönt nach einer grossen Wende in deiner Wahrnehmung zum Positiven. Ich freue mich für dich / euch!

endeavour

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8

Freitag, 23. September 2011, 19:16

Hallo Joe65

Danke für Deine sehr anschauliche Schilderung. Das mit der Wanderung ist mir auch schon mal passiert mit meiner Frau, und ich habe fast gleich reagiert wie Du damals. Interessant ist Deine Erzählung mit dem Analysieren von Aussagen. Ich habe das sehr stark, ich analysiere praktisch alles und jeden, vor allem bei der Arbeit und im Kollegen- und Freundeskreis. Bisher habe ich allerdings nicht geglaubt, das dies eine Eigenschaft ist, die dem AS zugeschrieben werden kann. Das gibt mir nun doch eine Bestätigung.

Genau wie Du probiere ich derzeit alles positiv zu sehen, aber ich bin noch nicht ganz so weit wie Du. Wie Du sehr schön gesagt hast, sind bei AS bedeutend mehr Anläufe nötig, was mich motiviert, weiter zu machen.

Besten Dank für Deinen Bericht.
Grüsse
Endeavour