Hoi zäme
(Ist übrigens mein ersten Tread)
Ich berichte gerne von meinen Erfahrungen vom Arbeiten im sozialen Bereich. Bin nun seit fünf Jahren, seit knapp 19, in der Begleitung Menschen mit verschiedensten Behinderungen tätig und habe grundsätzlich positive Erfahrungen damit gemacht. Seit meiner Kindheit bereitet mir das Zwischenmenschliche im Gefühlsbereich sehr grosse Mühe , dies war mitunter ein Motiv in diesen Arbeitsbereich zu gehen, quasi die Flucht nach Vorne, die direkte Auseinandersetzung.
Auch habe ich mir seit meiner Kindheit Strategien und innere Instrumente zugelegt, oder zulegen müssen, (technisch/Objektiv) zu merken, wie ich mich im Zwischenmenschlichen verhalten kann oder jenachdem verhalten sollte (was die Mitmenschen wann und wie brauchen oder wie sich mein Verhalten auf sie auswirkt). Durch diese analytischen Beobachtungs/Handlungsinstrumente, welche ich auch durch meinen Beruf immer mehr verfeinern konnte, helfen mir in meinem Beruf zurecht zu kommen und eine gute Arbeit zu leisten. Meine starke Rollenidentifikation (in der ich genau weiss, was und in welcher Form von mir erwartet wird) ist die wichtigste Stütze für mich in meinem Beruf als Betreuer.
Ich werde als Berufsfachperson (bin im Sommer fertig mir der Ausbildung "Fachmann Betreuung") von vielen Person geschätzt, vielleicht gerade desshalb, dass ich, durch meine starke Rollenidentifikation, persönlich wenig berührt bin und klar, nüchtern und vernetzt denke. Meine Rollenidentifikation dient auch als mein Schutz, beispielsweise habe ich mir antrainiert, dass ich auf meiner Arbeit kritikfähig bin (Einstecken wie Austeilen), da es eine wichtige Kompetenz in der Berufsrolle darstellt, grundsätzlich bin ich aber alles Andere als kritikfähig.
Für mich ist meine persönliche Entwicklung das, wofür es sich zu Leben lohnt. Für mich habe ich gemerkt, dass das Mensch-Sein ansich, worin sich das auch immer ausdrückt, wohl das wichtigste ist im Leben. Diese Arbeit, bei welcher man sich mit sich (was ich sowieso permanent tue), mit den Mitmenschen und dem grundsätzlichen Mensch-Sein auseinandersetzen muss, war und ist für mich sehr lehrreich, klar wenn auch alles andere als einfach (aber schwierig ist das Leben ja sowieso...).
Jedoch merke ich immer mehr, dass ich in meinem Beruf sowie auch den wenigen persönlichen sozialen Kontakten an deutliche Grenzen stosse. Im sozialen Umgang alles "technisch einwandfrei" aber um das, was es wirklich geht, echte Begegnung mit Menschen, emotionale Öffnung/Beziehung zwischeneinander ist für mich immer noch kaum möglich. Und wenn dann mal eine emotionale Bindung vorhanden ist (was bei mir bisher nur durch "Verlieben" geschaffen wurde, wie auch immer, aber es war plötzlich da) bin ich komplett überfordert/geht nicht. Das irgendwie hinzukriegen, dass ich mit emotionalen Bindungen umgehen kann ist und bleibt wohl meine grösste Herausforderung.
Hoffe dieser persönliche Beitrag ist hier sinnvoll plaziert. Mit Gruss, Don Miguel