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Anna

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1

Dienstag, 31. August 2010, 22:32

:) Hoi zäme

Mich würde interessieren ob es hier Aspies (evt. auch andere) gibt die in einem sozialen Beruf oder sonst in einem Beruf arbeiten, wo sie direkt mit Menschen zu tun haben. Wenn ja, Was habt ihr für Erfahrungen gemacht damit?

Ich selbst habe lange in diesem Bereich gearbeitet, weil ich ein sozial denkender Mensch bin und auch, weil ich gern anderen helfe. Ich hatte allerdings meine Schwierigkeiten. Schlussendlich suchte ich Arbeit im kaufmännischen Bereich, da ich dachte, es wäre einfacher. War es aber nicht. Jetzt arbeite ich Teilzeit, und begleite da ältere Menschen im Alltag. Ich bin schon zufrieden mit der Arbeit, aber ganz sicher bin ich nicht, ob es das richtige ist.

Anna :) ?(

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Anna« (2. September 2010, 02:55)


endeavour

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2

Donnerstag, 2. September 2010, 21:38

Hallo Anna

Ich habe früher aushilfsweise in Behinderten- und auch Altersheimen gearbeitet. Die Arbeit hat Spass gemacht. Was mir besonders gefallen hat, ist, dass vor allem im Altersheim die Leute so ehrlich und direkt waren mit mir. Für mich, dem meist nicht auffällt, wie ich wirke, ist das natürlich sehr lehrreich. Es kann allerdings auch schwierig werden, weil im Umgang mit Behinderten zum Beispiel ein ganz spezielles Verhalten gefragt ist. Je nach Ausprägung des AS kann das schwierig werden.

Fazit: Ich habe es gerne gemacht und würde es wieder tun. Ich fand es sehr schwierig, war aber dafür auch sehr lehrreich. Kommt halt wirklich drauf an, wo es ist und wie stark Du selber betroffen bist.

Gruss
Endeavour

Anna

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3

Sonntag, 5. September 2010, 22:21

Hallo Endeavour

Danke für die Antwort. Mir geht es jetzt etwas besser mit der Arbeit. Ich habe nur wenig Dienst und kann mich da langsam einleben. Auch muss ich mich bis jetzt nur um eine Person kümmern, und habe nicht täglich mit einem Team oder dem Betrieb zu tun. Dies ist für mich besser, ich weiss nicht ob es sonst ginge. Ich wäre glaube ich überfordert.

Ich persönlich habe mit behinderten Leuten manchmal weniger Mühe und fühle mich wohler als mit den anderen. Allerdings ist der Umgang da schon anspruchsvoll, auch weil man nicht immer weiss, was in ihnen vorgeht und ob man sich richtig verhält.

Gruss

Anna

4

Sonntag, 27. Februar 2011, 19:48

Hoi zäme :)

(Ist übrigens mein ersten Tread)
Ich berichte gerne von meinen Erfahrungen vom Arbeiten im sozialen Bereich. Bin nun seit fünf Jahren, seit knapp 19, in der Begleitung Menschen mit verschiedensten Behinderungen tätig und habe grundsätzlich positive Erfahrungen damit gemacht. Seit meiner Kindheit bereitet mir das Zwischenmenschliche im Gefühlsbereich sehr grosse Mühe , dies war mitunter ein Motiv in diesen Arbeitsbereich zu gehen, quasi die Flucht nach Vorne, die direkte Auseinandersetzung.
Auch habe ich mir seit meiner Kindheit Strategien und innere Instrumente zugelegt, oder zulegen müssen, (technisch/Objektiv) zu merken, wie ich mich im Zwischenmenschlichen verhalten kann oder jenachdem verhalten sollte (was die Mitmenschen wann und wie brauchen oder wie sich mein Verhalten auf sie auswirkt). Durch diese analytischen Beobachtungs/Handlungsinstrumente, welche ich auch durch meinen Beruf immer mehr verfeinern konnte, helfen mir in meinem Beruf zurecht zu kommen und eine gute Arbeit zu leisten. Meine starke Rollenidentifikation (in der ich genau weiss, was und in welcher Form von mir erwartet wird) ist die wichtigste Stütze für mich in meinem Beruf als Betreuer.
Ich werde als Berufsfachperson (bin im Sommer fertig mir der Ausbildung "Fachmann Betreuung") von vielen Person geschätzt, vielleicht gerade desshalb, dass ich, durch meine starke Rollenidentifikation, persönlich wenig berührt bin und klar, nüchtern und vernetzt denke. Meine Rollenidentifikation dient auch als mein Schutz, beispielsweise habe ich mir antrainiert, dass ich auf meiner Arbeit kritikfähig bin (Einstecken wie Austeilen), da es eine wichtige Kompetenz in der Berufsrolle darstellt, grundsätzlich bin ich aber alles Andere als kritikfähig.

Für mich ist meine persönliche Entwicklung das, wofür es sich zu Leben lohnt. Für mich habe ich gemerkt, dass das Mensch-Sein ansich, worin sich das auch immer ausdrückt, wohl das wichtigste ist im Leben. Diese Arbeit, bei welcher man sich mit sich (was ich sowieso permanent tue), mit den Mitmenschen und dem grundsätzlichen Mensch-Sein auseinandersetzen muss, war und ist für mich sehr lehrreich, klar wenn auch alles andere als einfach (aber schwierig ist das Leben ja sowieso...).

Jedoch merke ich immer mehr, dass ich in meinem Beruf sowie auch den wenigen persönlichen sozialen Kontakten an deutliche Grenzen stosse. Im sozialen Umgang alles "technisch einwandfrei" aber um das, was es wirklich geht, echte Begegnung mit Menschen, emotionale Öffnung/Beziehung zwischeneinander ist für mich immer noch kaum möglich. Und wenn dann mal eine emotionale Bindung vorhanden ist (was bei mir bisher nur durch "Verlieben" geschaffen wurde, wie auch immer, aber es war plötzlich da) bin ich komplett überfordert/geht nicht. Das irgendwie hinzukriegen, dass ich mit emotionalen Bindungen umgehen kann ist und bleibt wohl meine grösste Herausforderung.

Hoffe dieser persönliche Beitrag ist hier sinnvoll plaziert. Mit Gruss, Don Miguel

Anna

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5

Montag, 28. Februar 2011, 22:02

@miguel

Toll dass du das mit der Ausbildung schaffst. Ich selber habe im Wohnheimbereich gearbeitet, aber die Schule zur Behindertenbetreuung habe ich damals leider nicht geschafft. Ich konnte überhaupt nicht mitmachen ausser vielleicht mal im schriftlichen Bereich. Ich hatte zuviele Aengste und zuwenig Selbstbewusstsein und ich hatte keine Ahnung das meine Probleme mit Asperger oder sonst einer Einschränkung zu tun hatten. Heute würde ich es vielleicht schaffen, da ich mehr weiss.

6

Montag, 28. Februar 2011, 22:29

Super wie Du das machst.
Ich arbeite ähnlich wie du schon lange Zeit in der Betreuung und sehe auch das ich wachsen konnte.
Aber wie Du gerate ich auch immer wieder an diese Grenzen, weil eben alles immer über den Kopf läuft.
Ich bin froh gibt es klare Strukturen und Rollen in der Betreuung, das hilft den Klienten ebenso wie mir :D .
Wenn ich aber mit emotional neuem, besonders Gruppendynamisches betroffen bin schnalle ich nichts.
Ich finde es schwierig mich in diese Systeme der Gefühle hinein zu denken. Glücklicherweise gibt es Metoden und Lösungsansätze auf die ich zurück greifen kann.

Ich find es super solch persönliche Dinge auszutauschen denn auch ich konnte solche Dinge wie Gefühle und Unsicherheiten nie mit jemandem austauschen und solche Gespräche helfen mir beim Denken. Auch entlastet es den Stresss sehr.
Mach weiter so, ich habe grösste Hochachtung vor deinem Mut nach vorne zu gehen.
Es macht Müde aber es ist besser als als Opfer da zu stehen!

7

Montag, 25. Juli 2011, 20:23

Schön , mal über soziale Berufe und AS zu lesen, ich arbeite auch in der Betreuung, es gelingt und gefällt mir ganz gut im 1:1 Bereich mit geregelten Arbeitszeiten. Teamarbeit und Schichtdienst waren nicht so stimmig für mich. Ich habe das in der Vergangenheit auch bewältigt, das ganze hat mich aber unterm Strich viel zu viel Kraft gekostet.Ich habe in der Vergangenheit nicht ganz begriffen , wo genau ich die Kraft lasse, aber seit ich den AS Verdacht habe verstehe ich zunehmend , wo genau ich im Grunde oft gegen meine Natur gehandelt habe.Heute begebe ich mich nicht mehr als aktives Mitglied in Gruppen, deren Grundsätze meinen nicht entsprechen können und meide allzu unregelmäßige Arbeitszeiten soweit möglich.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Mosaik« (25. Juli 2011, 20:24)


friedel

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8

Montag, 25. Juli 2011, 21:31

Ich betreue nebenberuflich meine Familie. Ich denke, das Versorgen und Erziehen von Kindern sollte nicht nur dann als soziale Tätigkeit betrachtet werden, wenn es üblicherweise Geld oder Anerkennung dafür gibt. Deshalb erwähne ich es hier mal.
Keine Aussage wird wahrer, indem sie häufig wiederholt wird.

Aber sie gewinnt dadurch ungemein an Glaubwürdigkeit. (UT)

9

Montag, 25. Juli 2011, 23:51

; )

Dieser Beitrag wurde bereits 5 mal editiert, zuletzt von »Data« (25. September 2011, 20:38)


10

Dienstag, 9. August 2011, 22:07

Danke für das Teilen eurer Erfahrungen.

Die Fragen stelle ich mir auch immer wieder; grundsätzlich, wie auch im Job: Steuere ich mein Leben so, dass ich, eben z.B. durch den Job, tagtäglich in unangenehme und sehr anstrengende soziale Situationen gerate? Oder lasse ich meine Zwänge und Ängste im Zwischenmenschlichen mein Leben bestimmen und passe mein Leben entsprechend diesen an?

Ich arbeite nun seit 5 Jahre im sozialen Bereich, wie ich es bereits erwähnt habe. So langsam geht mir auch die Puste aus, obwohl es während den 5 Jahren immer ein bischen leichter viel mit der Arbeit, aber es stellt noch immer eine zu grosse Anstrengung dar.

Ich führe nun etwas aus...um euch meine Berufsmotivation zu erklären: Mit 18,5 Jahren war ich mehr oder weniger ein psychisches Wrack, hatte bis dahin jahrelange Depressionen, war drogensüchtig, soziale Kompetenzen gleich null. Bis dahin waren so ziemlich alle soziale Kontakte eine emotionale Überforderung für mich; ich war und fühlte mich sehr verloren in dieser Welt. Diese Zustände, Depression, Drogensucht usw. hätte ich aber nicht weitere Jahre aushalten können. Ich habe mich dann für das Leben entschieden, zumindest zu versuchen mein Leben so zu gestalten, dass "ich wohl in mir bin". Dieser Versuch bedeutete/bedeutet eigentlich in vielen, vorallem sozialen Situationen mich gegen mein Naturel zu stemmen/zu wehren und mit meinem Willen es so auszuführen, wie ich es dachte oder denke, dass es sozial gesehen sinnvoll wäre. So gesehen waren meine letzten 5 Jahre eben wirklich ein Training. Ich empfinde es auch als Training und entsprechend anstrengend ist es. Ich bon sehr froh, habe ich mir dies angetan, den so habe ich für mich vieles erreicht (bin selbstsicher in sozialen Situationen, kann gut verbal kommunizieren, bin nicht mehr andauernd emotional irritiert in soz. Situationen, usw.).

Ich verstehe es, wenn Menschen sagen: "Ich könnte das nicht, ich müsste doch mir treu bleiben, es entspricht mir und meinem Naturel überhaupt nicht, die Mitmenschen müssten doch rücksichtsvoller sein" oder ähnliches. Für mich war und ist es jedoch gerade dieser Weg, mir und meinem Leben treu zu sein, mein Leben zu gestalten, dass ich mich wohl fühle darin. In dieser Zeit mit 18,5 Jahren war dieser Schritt die einzige akzeptable Möglichkeit.

Ich habe es in meinem ersten Beitrag geschrieben, dass ich in letzter Zeit an unverrückbar scheinende Grenzen im Zwischenmenschlichen stosse. Eben, soziales Verhalten "technisch einwandfrei" aber doch fehlt etwas, es fehlt sogar etwas sehr wesentliches einer jeden zwischenmenschlichen Beziehung: wirkliche emotionale Bindung/Öffnung. Bei diesem Punkt weiss ich auch, dass da trainieren/konditionieren in meinem herkömmlichen Sinne mich da nicht weiter bringt, wenn ich denn das überhaupt wollen würde. Mit dem fehlenden Entwicklungspotenzial im Beruf schwindet auch meine Motivation, weshalb ich mir nicht vorstellen kann in 5 Jahren noch als Betreuungsperson zu arbeiten (ich mach jetz noch die Ausbildung zum Sozialpädagoge, damit ich einen HF Berufsabschluss habe und schaue dann weiter).

Mit Grüess :)

waldelfe

unregistriert

11

Mittwoch, 10. August 2011, 12:58

Hallo zusammen,

diese Beiträge von euch finde ich echt toll:-)!
Ich persönlich halte Aspi-sein nicht für eine Strafe, sondern für eine Gabe und Chance. Diese Einstellung hatte ich aber nicht immer........

@Don Miguel: das kenne ich - da haben wir etwas gemeinsam. Auch ich hatte die ganze Sparte durch: von Heimaufenthalten über Drogen und Gewalt zu Obdachlosigkeit bis zu Suiziden.......Zum Glück hat mich meine Kraft und Spiritualität bis jetzt immer gerettet und mir immer wieder neue Wege gezeigt.

Ich habe es aufgeteilt: halb arbeite ich in einem Büro für Kommunikation (wer hätte dies gedacht;-)) und halb selbständig (www.raumformer.org). Wenn ich eines dieser zwei Sparten 100% machen müsste, würde ich durchdrehen. Ich brauche also beides als Ausgleich.
Das Büro, weil ich da nur für mich an Projekten arbeiten kann und selbständig, da ich Hierarchien nicht so gut ertrage und es liebe kreativ zu sein. In meiner Freizeit bin ich mit meinem Partner und mit meinen Hunden in der Natur unterwegs, da habe ich nichts mit der Gesellschaft zu tun (absichtlich); denn wie ich es drehe und wende und wie es auch schon Jemand hier geschrieben hat, das kommerzielle Arbeiten ist für mich so oder so ein Stress. Ich versuche es mir einfach schön zu machen und im JETZT zu leben. Ich möchte nämlich trotzdem in diese Welt gehören und zu einem friedlichen Miteinander beitragen. Da ich schon Jahre an mir arbeite (schon mit 3 Monaten meinte der Kinderarzt, es könnte in Richtung Autismus gehen), etliche Therapien und Kurse besuchte, konnte ich mich so trainieren, dass es mittlerweile fast nicht mehr auffällt und jeder Tag für mich ein glücklicher sein kann.

Aber eben - ohne Training geht dies nicht.

Alles Liebe und ich bin stolz auf uns:-))

12

Mittwoch, 10. August 2011, 18:33

@Waldelfe: Hab mich über deinen Beitrag gefreut. Schön dich kennenzulernen. Anscheinend haben wir noch mehr gemeinsam, dein Satz: "Zum Glück hat mich meine Kraft und Spiritualität bis jetzt immer gerettet und mir immer wieder neue Wege gezeigt.", könnte auch 100%ig von mir stammen :). Spiritualität bzw. das Erleben, das Wissen, die Ahnung von seinem "wahren" Ich, das Erleben/Wissen von tieferen Zusammenhängen der Welt und sich selber war und ist für mich meine Lebensgrundlage.

Ich orientiere mich in meinem Leben nach meinem inneren Wohlbefinden; ich möchte dass mir wohl ist. Weltliches Training und Spiritualität/die konkrete Auseinandersetzung mit mir auf "tieferen" Ebenen stellen für mich dazu eine Schlüsselfunktion dar.

Mit Grüess

Suanpan

unregistriert

13

Freitag, 12. August 2011, 19:37

Mit Leuten...

...muss ich in meinem Beruf ständig umgehen. Meistens habe ich vom Morgen bis am Abend ein Meeting nach dem anderen. Sei es physisch oder Telefonkonferenz oder Videokonferenz oder Chat oder Business-Social-Media oder ... oder ...; das auf allen Kontinenten (Afrika selten).

Ich denke, dass meine eigentliche Asozialität mir bei diesem Marathon sehr hilft, denn ich muss mich nicht menschlich engagieren, obschon ich im Laufe der Jahre gelernt habe mich so zu verhalten, dass es für die Anderen so aussieht.

waldelfe

unregistriert

14

Sonntag, 18. Dezember 2011, 14:18

@ Don Miguel:
das hast du wunderschön gesagt:-)!

Ich habe jetzt lustigerweise angefangen mein Umfeld (für den Beginn nur mal ausgewählte Menschen!) konkret mit meinem Aspi-Sein zu konfrontieren; habe angefangen Ihnen davon zu erzählen und die Reaktionen waren meist wundervoll - sie haben mir für das Vertrauen gedankt! Klar waren auch andere Reaktionen darunter, aber mit dem muss man immer rechnen und sollte sich davon nicht aufhalten lassen.
Ich habe begonnen dies so zu machen, weil ich es satt hatte, mich zu verteccken oder zu rechtfertigen oder zu entschuldigen oder mich minder zu fühlen als andere. Und ich muss sagen, es hat mir viele Wunden geheilt und es hat mir mein SELBST wiedergegeben:-)!

In ewiger Liebe und Licht
Waldelfe

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