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Landyman

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1

Samstag, 22. August 2009, 07:58

Sind Hunde die perfekten Aspies?

Salü
Der Titel ist etwas provokant, in der Hoffnung, hier einen interessanten Meinungsaustausch auszulösen.
Selbstverständlich gibt es nicht „den Aspie“, schon gar nicht den Perfekten.
Ebenso wenig gibt es „den Hund“, man denke an die Bandbreite vom Chihuahua über den Husky zur Dogge.
Trotzdem haben die meisten Hunde einige Gemeinsamkeiten.
Ein Hund, der auf der Suche nach seiner „Beute“ ist, ignoriert alle menschlichen Kommunikationsversuche, Leckerli, Duftwolken von Artgenossen, Hunger, Durst, Hitze, etc. und jagt diese bis zur totalen Erschöpfung.
Ein Hund versteht nicht „Wenn Du dich nicht gleich hinsetzt, könnte ich vielleicht beleidigt sein!“, reagiert hingegen meist auf ein klares „Sitz!“.
Hunde verbringen viel Zeit damit, ihre Umgebung zu beobachten und somit Abläufe und Handlungsschemen zu interpretieren.
Dies kommt sicher manchem Aspie bekannt vor...
Ich versuche weder Tiere zu vermenschlichen, noch Menschen als wilde Tiere darzustellen.
Trotzdem stelle ich fest, dass die meisten Hunde Verhaltensweisen haben, die an Aspies erinnern (man erkennt an anderen was man von sich selbst kennt).
Doch die meisten Hunde beherrschen trotzdem die grosse Bandbreite der artgerechten Kommunikation, vom Dominanz- und Unterwerfungsgehabe bis zu Ritualen (Rüden sind z. B. untereinander absolute Machos, gegenüber Hündinnen hingegen sehr zuvorkommend).
Auch wie Hunde (mit ihren extrem empfindlichen Sinnen) sich vor Reizüberflutung schützen und sich situationsbedingt auf kleine Details konzentrieren können, ist für mich immer wieder beeindruckend.
Ein Rüde, der wegen einer läufigen Hündin im Testosteronrausch ist, beschnuppert jeden Baum und jedes Grasbüschel, ob dort Spuren seiner „Angebeteten“ oder allfälliger Konkurrenten sind. Er ignoriert Futter, Wasser und Jagdbeute.
Derselbe Rüde kann Stunden später im Jagdfieber sein und blendet dann stehende Objekte, verführerische Duftwolken sowie Artgenossen aus.
Beide Male nimmt er extrem viele Eindrücke auf, und erliegt dennoch keiner Reizüberflutung.
Manchmal kommen mir diese Hunde vor wie Menschen, die in der Dunkelheit mit einer Stirnlampe herum rennen.
Im Lichtkegel ist die Welt klar und farbig, in einem kleinen Grenzbereich schwarz-weiss, und ausserhalb des Lichtkegels scheint die Welt gar nicht zu existieren.
Oft nehme ich als Aspie die Welt auch so war, doch im Gegensatz zu den meisten Hunden bereitet es mir Mühe, sofort in die „normale“ Welt zurück zu schalten.
In diesem Bereich sehe ich Hunde als perfekte Aspies: Sie nutzen ihre Wahrnehmungsfilter, um Höchstleistungen zu erbringen, und grenzen sich dennoch nicht aus der Gesellschaft aus...
Nun bin ich gespannt auf Eure Antworten.
Herzliche Grüsse
Landyman

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2

Samstag, 22. August 2009, 11:22

Mich beeindruckt bei meinem Hund v.a. auch, dass er die nonverbale Kommunikation so gut beherrscht (evtl. besser als Menschen). Er reagiert extrem stark auf Stimmungen, die in der Luft liegen, den Tonfall der Stimme, die Körperhaltung, den Blick des Anderen, etc. Es ist ja auch kein Wunder, denn er selbst kann ja auch nur nonverbal kommunizieren.

.....Und die nonverbale Kommunikation ist der Bereich, mit dem Menschen mit AS teilweise sehr grosse Schwierigkeiten haben.
Janine Grütter

3

Sonntag, 23. August 2009, 01:25

In diesem Bereich sehe ich Hunde als perfekte Aspies
Nun von der Seite habe ich das noch nicht betrachtet. Aber gewisse Ähnlichkeiten sind mir dennoch aufgefallen. Wenn ich mit den Hunden zusammen war, die ich bis jetzt angetroffen habe, dann gaben sie mir das Gefühl nicht anders zu sein, von ihm verstanden zu werden. Wobei dieses Gefühl bei grösseren Hunden meist stärker war als bei kleineren. Ich mag auch diese Direktheit an den Hunden, denn mir ist bis jetzt noch nicht aufgefallen das sie sich zweitdeutig ausdrücken bzw. sarkastisch sind. Ausserdem habe ich schon öfters erlebt, dass wenn ich mit einer oder mehreren Personen unterwegs war und uns ein Hund begegnet ist, der uns laut angebellt hat, dieser von den anderen als "böse" und "nervig" hingestellt und manchmal mit einer "Halt die doch einfach die Fresse!" angeschrien wurde. Meistens habe ich den Leuten danach bewiesen dass dieser Hund nicht "böse" ist, sondern sich nur anders ausdrückt als Menschen. Das hat mich dann innerlich nur noch mehr mit dem Hund verbunden, da mir auch oft solche Vorurteile und Befehle wiederfahren sind. Ich habe mich bis jetzt mit jedem Hund gut verstanden.

LG Akatash
Alles was ich hier geschrieben habe ist meine Meinung und meine Sicht und kann gegenwärtig von der relativen Realität abweichen.

soleil

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4

Sonntag, 23. August 2009, 19:34

Hallo Landymann

Dein Beitrag und deine Schlussfolgerungen gefallen mir! Dass (viele?) AS Betroffene wohl eine überdurchschnittlich gute Beziehung zu Hunden haben, ist irgenwie stimmig und stimmt auch in unserer Familie: Der Hund unseres AS betroffenen Sohnes ist eine absolute Bereicherung für uns alle....auch wenn ich als berufstätige Familienfrau mit dem "Hundealltag" manchaml etwas überfordert bin. Ich sehe täglich, dass ein Hund für den AS Betroffenen einfach ein absolut treuer, nie kritisierender, loyaler und zuverlässiger Freund ist... einer der es einem auch nicht unnötig kompliziert mit der Gefühlswelt macht!
Ein willkommener Nebeneffekt am Leben mit einem Hund ist wohl auch das "rausgehen müssen", das sonst ja oft eher vermieden wird...und nicht selten ergeben sich über den Hund auch soziale Kontakte....oder eben ein kurzer small-talk mit einem anderen Hundebesitzer.
In diesem Bereich sehe ich Hunde als perfekte Aspies: Sie nutzen ihre Wahrnehmungsfilter, um Höchstleistungen zu erbringen, und grenzen sich dennoch nicht aus der Gesellschaft aus...
Was mich an deinen Schlussfolgerungen schmunzeln liess, ist, dass du Eigenschaften der Hunde direkt mit Eigenschaften von AS Betroffenen verbindest: Mache nämlich etwas ähnliches....nur nicht mit unserem Hund sondern mit der im gleichen Haushalt wohnenden Katze!
Irgenwie stelle ich bei den Katzen Eigenschaften fest, die mir auch an meinem AS betroffenen Sohn auffallen:
Hang zur Egozentrik....man lässt sich nur anfassen, wenn man will......man isst partout nur, was einem schmeckt, eher würde man verhungern.....Kritik wird wenn möglich ignoriert...das Revier wird verteidigt und man neigt zum Einzelgängertum....Beachtung wird aber geschätzt!

Dies aber eher zum Schmunzeln als zum ernst nehmen gedacht!

Wie auch immer, der Kontakt und das Zusammensein mit unserem Hund und unserer Katze ist in unserer Familie jedenfalls sehr wichtig. Ich merke auch, dass die Tiere unserem Sohn viel Vertrauen und Konstanz vermitteln. Wenn es einem unserer Tiere nicht gut geht, ist die Aufregung und die Verunsicherung grösser, als wenn es einem uns bekannten Menschen nicht gut geht.

grüsse
soleil
»soleil« hat folgendes Bild angehängt:
  • Katze und Hund.jpg

Dieser Beitrag wurde bereits 5 mal editiert, zuletzt von »soleil« (3. September 2009, 17:38)


Landyman

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5

Sonntag, 23. August 2009, 22:36


Was mich an deinen Schlussfolgerungen schmunzeln liess, ist, dass du Eigenschaften der Hunde direkt mit Eigenschaften von AS Betroffenen verbindest: Mache nämlich etwas änliches....nur nicht mit unserem Hund sondern mit der im gleichen Haushalt wohnenden Katze!
Irgenwie stelle ich bei den Katzen Eigenschaften fest, die mir auch an meinem AS betroffenen Sohn auffallen:
Hang zur Egozentrik....man lässt sich nur anfassen, wenn man will......man isst partout nur, was einem schmeckt, eher würde man verhungern.....Kritik wird wenn möglich ignoriert...das Revier wird verteidigt und man neigt zum Einzelgängertum....Beachtung wird aber geschätzt!



Salü

Deinen Vergleich mit der Katze finde ich schön.
Auch ich mag sowohl Katzen wie Hunde.

Das erinnert mich an eine Beobachtung, die ich an mir selbst machte:
Wenn ich nur meinen Asperger-Instinkten folgen würde, wäre ich wie ein Wolf.
Da ich mich um Integration in der Gesellschaft bemühe, versuche ich wie ein Hund zu sein...

Herzliche Grüsse

Landyman

6

Montag, 24. August 2009, 07:57

.....Und die nonverbale Kommunikation ist der Bereich, mit dem Menschen mit AS teilweise sehr grosse Schwierigkeiten haben.
Da teile ich deine Meinung nicht mit dir.
Ich komme allgemein gut mit Tieren aus, gerade darum weil es nur um die "nonverbale Kommunikation" geht und ich diese 100% besser beherrsche wie ein Normalo. Ich gehe viel nur schon aufs Äussere von Leuten und die ersten paar Worte sind auch entscheidend, diese "nonverbale Kommunikation" hat sich bis jetzt immer bewährt und ich lag sozusagen nie falsch. Andere nennen es auch "Oberflächlichkeit" und stempeln dies als böse ab, was ich auch verstehe, wenn man es nicht beherrscht, ansonsten ist es ein sehr guter 6ter Sinn. Tiere haben diesen 6ten Sinn auch sehr gut ausgeprägt.

Ich mag die meisten Tiere aber trotzdem nicht wirklich und streichle sie nicht wirklich oft, weil sie meistens stinken und ich danach immer die Hände waschen muss.


Die eigene Persöhnlichkeit ist jedem ins Gesicht geschrieben, es gibt aber nur wenige die sowas in einem Gesicht lesen können. Ich denke auch nicht das dies jeder aus dem autistischen Spektrum haben muss, teile davon kann man sogar besser wie Normalos, was für andere AS'ler wiederum schwer ist oder garnicht erst möglich ist.

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7

Sonntag, 30. August 2009, 09:30

6. Sinn

Hallo Jaweh

Du hast absolut Recht! Jeder Mensch mit AS ist verschieden und es gibt ganz grosse Unterschiede auch bezüglich nonverbaler Kommunikation. Darum habe ich auch geschrieben, dass sie teilweise sehr grosse Schwierigkeiten haben. Ich kenne schon einige Personen mit AS, welche grosse Probleme haben, Gesichter zu lesen, den Gefühlsausdruck in der Mimik beim Gegenüber zu erkennen. Oder auch Gestik, Körperhaltung, Distanz zum Interaktionspartner, etc. Es gibt einen Test dazu: Reading Mind in the Eye von Baron-Cohen (übrigens der Cousin von Sascha Baron-Cohen - Borat / Brüno). Bei diesem Test geht es darum, das Gefühl nur aus der Augenpartie von verschiedenen Menschen auf Fotos zu erfassen. NT Menschen schneiden da einiges besser ab, als Menschen mit AS. Man geht davon aus, dass NT Menschen das einfach unbewusst wahrnehmen, ohne überlegen zu müssen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es bei den Testresultaten grosse Unterschiede gibt bei Leuten mit AS. Und ... spannend ist auch, dass ich beobachtet habe, dass sich Leute mit AS durch eine spezifisch auf sie ausgerichtete Psychotherapie verbessern können in dem Test.

Man geht davon aus, dass Personen auf dem Autismus Spektrum eine andere Wahrnehmung haben als NT Menschen. ..... und du hast den 6. Sinn erwähnt ... das finde ich ganz spannend, denn ich habe schon ein paar Leute mit AS kennen gelernt und ich habe gestaunt, wie viel sie plötzlich über mich wussten, bzw. von mir stimmungsmässig irgendwie aufnahmen und dann in Worte fassen konnten. Dat hat mich sogar ein bisschen erschreckt, weil es ungewohnt ist. Ich denke, das kennt man sonst nur von Menschen, die einem ganz nahe stehen, mit denen man schon ganz lange eine Beziehung führt. Es gibt wirklich Leute mit AS (vielleicht auch die meisten), die hochsensibel sind, sie können es aber teilweise nicht in Worte fassen oder zeigen, sodass man das gar nicht realisiert, wenn man sie kennt.

Und Hunde haben auch dieses sehr feine Gespür für Stimmungen, die in der Luft liegen. Ich sage mir selbst immer wieder, dass mein Hund mir anzeigt, wie ich mich fühle. Manchmal im Alltagsstress passiert mir, dass ich im Moment gar nicht richtig wahrnehme, wie es mir eigentlich geht, bzw. ich übersehe dann, dass ich vielleicht gestresst bin und kann dann auch nicht gleich etwas unternehmen, damit ich mich besser fühle. Dann beobachte ich plötzlich, dass mein Hund alles hängen lässt und dann realisiere ich, dass seine "schlechte" Stimmung durch meine verursacht sein könnte.

An Tierkommunikation, also dass jemand nur schon anhand eines Fotos einer Katze z.B. sagen kann, wie es der Katze geht und mitteilen kann, was sie denkt, glaube ich nicht. Sehr wohl aber daran, dass ein Hundebesitzer, der sensibel genug ist, mit der Zeit seinen Hund so gut kennen lernt, dass er die Stimmungen seines Hundes besser wahrnehmen kann und somit auch besser auf die Bedürfnisse des Hundes eingehen kann (was dieser einem sicher dankt, denn sprechen kann er ja nicht). Die Wahrnehmung eines sensiblen Hundebesitzers wird also mit der Zeit geschärft, er lernt, auf einem anderen Kanal Signale zu empfangen.

Ich kann auch sehr unterschreiben, dass sich die meisten Menschen mit AS sehr gut mit meinem Hund verstehen. Meiner ist sehr zurückhaltend, er geht ganz langsam auf die Leute zu. Hunde, die einen dauernd anspringen und ablecken, wären da wohl weniger gut geeignet. Mein Hund ist ein Therapiehund, obwohl er nicht ausgebildet ist. Er hilft mir sehr fest, den Zugang zu Menschen mit AS, die zu mir in die Therapie kommen, schneller zu finden.

Ich wünsche Allen einen schönen Sonntag!
Janine Grütter

soleil

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8

Sonntag, 30. August 2009, 23:07

Es gibt wirklich Leute mit AS (vielleicht auch die meisten), die hochsensibel sind, sie können es aber teilweise nicht in Worte fassen oder zeigen, sodass man das gar nicht realisiert, wenn man sie kennt.
Ja, das kenne ich von meinem Sohn: Hochsensibilität in mehrfacher Beziehung und oft auch in der Wahrnehmung von Stimmungen! Das Problem liegt aber eher im Verarbeiten dieser "Datenflut" oder im Umgang mit den Informationen: Da liegt dann das der Problem oft! Ein "angemessene" Reaktion auf die hochsensible Datenflut ist beim AS Betroffenen wahrscheinlich oft schwierig. Also das was NT eben "gefühlsmässig" gelingt, ohne es mühsam zu erarbeiten, zu lernen!

grüsse
soleil

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »soleil« (31. August 2009, 11:44)


Tesla

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Montag, 31. August 2009, 17:20

Wieder mal Zeit in ein Fettnäpfchen zu treten: für mich sind Hunde "Automaten", ich sehe ihre Funktionsweise und wie sie sich programmieren lassen. In diesen TV-Sendungen (der Hundetrainer oder so, Name vergessen da nicht wichtig) kommt das genau rüber. Wenn Frauchen/Herrchen sich falsch benimmt, benimmt sich der Hund genau so falsch, wie es Frauchen/Herrchen eben nicht will. Also wird Frauchen/Herrchen umdressiert und alles funktioniert! Hier wird zwar die Umgebung an das Programm des Hundes angepasst, oder so *lach* Sicher haben Tier andere Sinne, Sinne die wir Menschen nicht mehr brauchen. Oder vielleicht doch noch behalten hätten sollen? Das Zusammenleben ist so schon genug kompliziert, und wenn man dann noch auf jede Stimmung des anderen adäquat und mit Rücksicht reagieren soll, wirds noch komplizierter. Für Hunde/Katzen/Tiere sind diese Sinne für ihr vereinfachtes Sozialverhalten extrem wichtig, da ihnen die Sprache fehlt. Zeigt ein Wolf seine Macht oder seine Unterlegenheit nich sehr deutlich, kann das für ihn tödlich enden. Der Stärkere lässt nur einen sich ihm unterwerfenden Schwächeren am Leben oder duldet ihn in seinem Umfeld. Wir haben die Kommunikation, nur ist diese teilweise schon wieder zu vielfälltig und so können kleine Ursachen (= unebdachte Äusserungen) schnell mal zum Krieg zwischen Nationen führen. Das heute zum Teil wieder Drohgebärden und mehr oder weniger nonverbale Kommunikation ("was kukkst du?") zum Streit oder Schlägerei führen können, zeigt das wir oder gewisse Menschengruppen die Steppe noch nicht verlassen haben. Überigens sind Menschen mit dieser Funktionsweise für mich wiederum Automaten, da ihnen offensichtlich das Denken abhanden gekommen ist. Meiner Ansicht nach sind Hunde keine perfekten Aspies.

Carina

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Donnerstag, 3. September 2009, 13:45

Tesla, ich muss dir gleich nochmals zustimmen, ich sehe das genau so. Bei Katzen weniger (sie lassen sich nicht dressieren) aber ansonsten pflichte ich dir bei, das hätte ich geschrieben wenn ich es gekonnt hätte.
Grüsse
Adviana

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11

Donnerstag, 3. September 2009, 14:59

Was der Umgang mit Tieren für Aspies bedeuten kann

Ich habe das Thema bis jetzt schweigend mitverfolgt und kann irgendwie beide Seiten verstehen. Ich selber liebe vor allem Katzen, vielleicht gerade weil sie so eigenwillig sind wie ich :rot:
Ich denke, dass Tiere im Leben von Aspies eine wichtige Rolle spielen können, das müssen nicht Hunde sein. Da mein Mann keine Haustiere will (die bringen Schmutz und sind nach seinem Verständnis dumm), haben sich unsere AS-Söhne selbst "Haustiere" oganisiert. Sie begannen Schnecken zu sammeln und richteten in grossen Eimern ein Terrarien ein. Die Freude war gross, als sie eines Tages darin junge Schneckenbabies fanden.
Vor allem für meinen jüngeren Sohn war dies eine Rückzugsmöglichkeit in eine andere für ihn friedliche Welt. :thumb: (ob Schnecken wirklich friedlich sind ist ein anderes Thema)
Später, als er im Internat leben musste und meistens weder von Lehrern, noch Betreuern noch Mitschülern verstanden wurde, bekam er zu seinem Glück das Ämtli die Hühner zu betreuen. Zusammen mit den Hühnern, wurden auch noch Kaninchen gehalten. So hatte er wieder eine möglichkeit sich mit etwas lebendigem zurückzuziehen, was für ihn sehr wertvoll war.

Derselbe Sohn konnte aber immer wieder Hunde zum Zorn reizen, ich hatte oft Angst um ihn und war dankbar, dass diese Hunde an der Leine waren (könnte sein, dass er darauf geachtet hat, nur angebundene zu reizen :hm: das wäre ja richtig fies gewesen :autsch: )

Es ist mir bewusst, dass der Umgang mit Tieren, auch für NT-Kinder wertvoll ist, aber ich denke für Aspies können Tiere oft eine tröstende, oder therapeutische funktion haben.

Je länger je mehr wird mir jedoch bewusst, dass Aspie nicht = Aspie ist. So gibt es vermutlich auch Aspies, die mit Tieren nichts anfangen können.

:winke: Tuxine :winke: :respekt:

Tesla

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12

Donnerstag, 3. September 2009, 16:14

Ein wenig auf dünne Äste hinausklettern = Gedankenspiele.

Wie stark ist die Gefahr, das sich ein Aspie den Hund (Katzen sind da zu eigensinnig, oder) als einzigen Freund nimmt und sich von der Umwelt abkapselt? Aber auf der anderen Seite kann ein Hund auch den Aspie aus seiner Isolation herausholen. Er zeigt dem Aspie eine vereinfachte Kommunikationsform, zum Beispiel Freude oder den immer wieder aufgenommenen kurzen Blickkontakt. Der Hund zwingt den Aspie nach draussen und bringt ihn mit anderen Menschen in Kontakt. Über das Thema "Hund" können sich neue Sozialkontakte ergeben und das Gespräch liegt irgendwo zwischen SmallTalk und "Hundewissen".

Aspies haben auch eine Abneigung gegen Schmutz (Achtung, Aspie ist nicht gleich Aspie..). In Verbindung mit einem Tier oder eben einem Hund wird er vielleicht einen Teil dieser Abneigung ablegen. Dazu muss er sich erst dazu überwinden, sich mit dem Hund zu beschäftigen. Nicht mit dem Hund als "Dreckschleuder", sondern dem Hund als Wesen mit Charakter und eigenem Sozialverhalten. Ok, mit langhaarigen stinkenden Hunden kann ich zB gar nix anfangen, die erzeugen in mir gewaltigen Ekel.

Auch wenn ich (gemeinerweise) Hunde als Automaten bezeichne, sind sie nicht dumm. Sie haben ihren eigenen Charakter, sie können lernen und haben Fähigkeiten die nur Hundbesitzer erkennen, da sie sehr viel Zeit mit dem Hund verbringen.

Wieder etwas Kleines in der ich-Form.... Ich habe mich in meiner Kinder- und Jugendzeit intensiv mit Tieren beschäftig. Lurchen (Schwanzlurchen, Frösche), Reptilien (nur die einheimischen) und vor allem mit Ameisen. Ich erkenne heute noch eine Ameisenkönigin auf den ersten Blick und kenne doch noch von einigen Ameisenarten den lateinischen Namen. Das war meine Rückzugsmöglichkeit und ein erstes Austesten von Spezialbegabungen (logo nicht bewusst). Naja, ich habe sogar mal versucht einen Frosch zu operieren (der Bauch war offen), da ich keine Tiere sterben lassen konnte. Ist zwar schief gelaufen. Äther für die Narkose war damals noch in jeder Drogerie erhältlich, nur von Desinfektion habe ich nix gewusst. Operation gelungen, Patient tot ;( *g* :D

13

Freitag, 4. September 2009, 13:41

Bei Katzen weniger (sie lassen sich nicht dressieren)
Meinst du damit die üblichen Hauskatzen oder Katzen allgemein?
Wie stark ist die Gefahr, das sich ein Aspie den Hund (Katzen sind da zu eigensinnig, oder) als einzigen Freund nimmt und sich von der Umwelt abkapselt?
Ich vermute eher schwach da der Aspie schon vor der Begegnung mit dem Tier abgekapselt ist.
wenn ich (gemeinerweise) Hunde als Automaten bezeichne
Der von dir beschriebene Standbymodus im Militärthread, erinnert der dich nicht auch an einen Automaten?

Auch ich hatte in meiner Kindheit sehr viel mit Tieren zu tun. Die nenneswertesten waren:
Die jungen Elstern, die möglicherweise von ihrem Geschwister aus dem Nest geschubst wurden. Leider hat nur einer von drei überlebt. Die eine hatte das Bein gebrochen und die andere wollte/konnte einfach nicht essen.
Meine drei Meerschweinchen, die auf mein Glöckchenklingelkommando alle "das Männchen" machten.
Und meine Hausratte, die meine selbstgemachten Jump and Run Parkours immer mit Erfolg geschafft hat.

Mit freundlichen Grüssen
Akatash
Alles was ich hier geschrieben habe ist meine Meinung und meine Sicht und kann gegenwärtig von der relativen Realität abweichen.

Landyman

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14

Freitag, 4. September 2009, 20:54

Ich behaupte nicht, mit Tieren sprechen zu können oder Ihre Gefühle empfangen zu können, doch ähnlich wie Temple Grandin kann ich recht gut nachvollziehen, was bei ihnen abläuft.

Hier kann mir AS helfen: Da ich immer Probleme im Umgang mit Menschen hatte, bin ich gewohnt, mein Verhalten und das Verhalten meiner Umwelt ständig zu beobachten, zu analysieren sowie Lösungsansätze zu erarbeiten.
Auch Hunde beobachten fast permanent ihre Umgebung und versuchen Vorgänge zu interpretieren.
Dadurch konnten sie sich dem Menschen anpassen.

Zitat Tesla: „Hunde sind wie Automaten“.
Grundsätzlich hast Du recht.
Ich habe zu Letzten gehört, die in der kaufmännischen Ausbildung (Typ R) COBOL lernen mussten.
Diese extrem strukturierte Programmiersprache hilft mir nun bei der Ausbildung von Tieren (Hunden, Katzen, etc.).
Denn so muss man
1. die aktuelle Situation definieren,
2. das Ziel definieren,
3. wie man dieses Ziel erreichen will.
Dann muss man diesen Weg in Zwischenschritte aufteilen,
und diese Zwischenschritte so oft wiederholen, bis sie erfolgreich sind (Iteration).

Wenn man einen jungen Hund zum Drogen- oder Sprengstoffsuchhund ausbilden will heisst dies:
- Mensch: Zeigt Hund, dass man Jagd- und Spieltrieb mit Suchspielen ausleben kann.
- Hund: Verändert sein Spielverhalten.
- Mensch: Bringt Hund bei, dass das Apportieren der Beute nicht schlecht, jedoch das Hinsetzen und Anstarren der „Beute“ mehr Streicheleinheiten und Belohnungen bringt.
- Hund: Passt sein Spielverhalten an.
- Mensch: Setzt spezielle „Beute“ mit minimalen Spuren von Drogen oder Sprengstoff ein.
- Hund: Sucht keine „gewöhnlichen“ Spielzeuge mehr.
- Mensch: Verwendet „Beuten“ mit minimalen Mengen unterschiedlicher Drogen oder Sprengstoffe ein.
- Hund: Wird ein „richtiger“ Suchhund (Beispiel stark vereinfacht).

Umgekehrt funktioniert dieses Verfahren auch.
Beispiel: An einem warmen Tag möchte die Hündin (oder der Hund) zu einem Brunnen, der etwas abseits der Route liegt.
- Hund: Versucht auf Hunde-Art den Menschen sein Befinden (Hitze, Durst) mitzuteilen.
- Mensch: Versteht die Signale nicht, keine Reaktion.
- Hund: Läuft langsamer, versucht Aufmerksamkeit vom Menschen zu bekommen.
- Mensch: Bemerkt die Signale, kann sie nicht interpretieren, reagiert unsicher.
- Hund: Setzt die bewährte Kommunikationsform (wie beim Sprengstoff-Fund) ein und meldet den Brunnen als identifiziertes Ziel.
- Mensch: Reagiert wie vom Hund gewünscht. Geht mit Hund plantschen und trinken.
- Erfolgserlebnis auf beiden Seiten.

Im Alltag kommt es wohl häufiger vor, dass Hunde ihre Menschen trainieren als umgekehrt, was grundsätzlich nicht schlecht ist, solange sich dies in Grenzen hält.

Ich war schon immer ein extremer Einzelgänger, der lieber verwaisten und verletzten Tieren half, als mich mit Pseudo-Freunden zu umgeben.
Meine sehr ruhige, extrem anhängliche Hündin vermittelt den Grossteil meiner sozialen Kontakte.
Ich vermittle ihr artgerechte Bewegung und Beschäftigung (als Therapiehündin, Sterbebegleiterin, Suchhündin, Trainingspartnerin, etc.).
Wir lernen beide voneinander und ergänzen uns gegenseitig...

Wolli

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15

Montag, 30. August 2010, 00:05

Also ich hatte immer Tiere und kam mit ihnen viel besser klar als mit Menschen.
Ich bin mit Tauben aufgewachsen und konnte mit ihnen komunizieren ich adoptierte Jungtauben und sie sahen mich als ihres Gleichen an. Noch heute kann ich "lesen" was die Stadttauben sich zu sagen haben. :love: Eigene Tauben habe ich nicht mehr.
Tiere sind in meinen Augen die idealen Aspie Begleiter. Sie haben mir über viele Sorgen hinweggeholfen. :thumbsup:
Liebe Grüße von Wolli.

endeavour

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16

Donnerstag, 14. Oktober 2010, 19:55

Hallo zusammen

Heute war ein Artikel auf 20min Online über Bumble Bee, der erste Autistenhund der Schweiz:

http://www.20min.ch/news/zuerich/story/11276460

Gruss
Endeavour

Simon

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17

Donnerstag, 14. Oktober 2010, 20:23

Findet sich auch bei uns auf der Newsseite :)

Sinaia ist geistig, zerebral und autistisch behindert. Dem Mädchen fehlten Freunde und die Lust am Leben. Dann kam «Bumble Bee», der erste Autisten-Hund der Schweiz

 

Lange hat Jacqueline Ilunamien gekämpft, damit ihre zerebral, geistig und autistisch behinderte Tochter Sinaia einen Hund bekommt. «Ich kann mich noch genau an den Tag erinnern, als mir klar wurde, dass Sinaia einen Hund braucht», sagt Ilunamien. Sinaia sei etwa sieben Jahre alt gewesen, als sie weinend zu ihr kam. «Sie realisierte, dass ihre jüngere Schwester viele Freundinnen hat und sie keine. Da wollte sie gar nicht mehr leben.»

 

Bumble Bee ist der erste Autismus-Begleithund in der Schweiz. Doch der Weg von Jacqueline Ilumanien dorthin war steinig und lang. «Es fing mit der Genossenschaft an, von der wir unsere Wohnung mieten.» Einen jungen Hund, den Ilunamien zusammen mit einer Therapiehunde-Trainerin selbst ausbilden wollte, genehmigte die Genossenschaft nicht. «Zuerst wäre überhaupt nur ein Blindenhund erlaubt gewesen, dann schwenkte die Genossenschaft auf einen ausgebildeten Hilfshund ein», so Ilunamien.

 

Ein Video finden Sie hier auf der Website von 20min.

Simon

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18

Donnerstag, 14. Oktober 2010, 20:32

Irgendwann werd ich's lernen :D

Danke für den Hinweis. Wenn man übers Forum direkt einsteigt, dann sieht man die News nicht direkt. Ich pass glaub mal mein Lesezeichen an....

Gruss
Endeavour

Simon

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19

Freitag, 15. Oktober 2010, 18:37

Hier noch ein weiterer Artikel zum Thema Therapiehund:
http://www.mopo.de/2010/20101014/hamburg…nd_geklaut.html
Simon

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Asperger Syndrom, Aspie, Hunde