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Freitag, 3. Februar 2012, 18:01

Zitat von »M. le muet«
Ich biete Seminare zur Unterscheidung von Kunstgefühlen und echten Gefühlen an, die regelmäßig völlig überbucht sind.

Ist das eventuell ein Zeichen für ein langsames Umdenken?
Oder ist es nur das moderne Bestreben, möglichst gut herauszufinden, was den anderen wirklich bewegt, um ihm möglichst viel verkaufen zu können?
Da ich in der Finanzdienstleistungsbranche arbeite, bette ich diese Seminare in Verkaufstrainings ein.
Es spricht aus meiner Sicht nichts dagegen, den Menschen die Finanzdienstleistungen zu verkaufen, die sie brauchen bzw. haben wollen.
Natürlich will jeder Verkäufer "möglichst viel" verkaufen. Aber auch daran kann ich nichts unethisches sehen (wenn der erste Schritt des Verkaufes darin besteht, herauszufinden, was der Kunde braucht oder haben will).
Dieses Bestreben der Kaufleute, möglichst viel zu verkaufen, ist nicht "modern", sondern schon z.B. von den alten Sumerern und Hethitern überliefert.

In meiner Welt ist es so, dass man erst sich selbst verstehen muss, bevor man andere verstehen kann.
Ich zeige den Verkäufern und Führungskräften mögliche Wege dazu, wie sie erst sich selbst und dann andere verstehen können. Vieles kann ich nur andeuten, weil ein Seminar kein Coaching und auch keine Therapie ist.
Die Menschen bekommen in meinen Seminaren Hinweise, wie sie lernen können, das zu sehen, was schon immer direkt vor ihren Augen war.

Ob das "Umdenken" bedeutet, weiß ich nicht.

Denn um das umzusetzen, was in meinen Seminaren Thema ist, muss man sich aus der eigenen Abhängigkeit von der Meinung und der Zuwendung anderer befreien. Kant hat das sehr schön ausgedrückt: "Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit."

In meinen Seminaren erzähle ich manchmal eine Geschichte, die ich mal gelesen habe. In Kurzform geht sie so:
Ein alter Mann lebte abseits des Dorfes in den Bergen. Im Dorf galt er als verschroben aber harmlos. Eines Tages träumte der Mann, dass das Wasser in den Dorfbrunnen giftig würde. Wer es trank, war nicht mehr in der Lage, Vorgestelltes von Realem zu unterscheiden. Der Mann gab nichts auf diesen Traum. Aber als er ihn viele Male hinter einander träumte, nahm er ihn als Zeichen. Er begann, Wasservorräte anzulegen. Er warnte die Dorfbewohner, dass ihre Brunnen vergiftet werden würden. Aber wie gesagt - er galt als verschroben. Verschrobene Männer erzählen manchmal solche Sachen.
Der Traum wurde Wirklichkeit. Von einem Tag auf den anderen konnten die Dorfbewohner Reales nicht mehr von ihren Vorstellungen unterscheiden. Der Mann sah das mit Bestürzung und wies die Dorfbewohner darauf hin, dass sie anfingen, verrückt zu werden. Er warnte sie, weiter von diesem Wasser zu trinken. Und er blieb beharrlich seiner Wahrnehmung der Realität treu. Jetzt wurden die Dorfbewohner ziemlich sauer auf den Mann. "Früher war er ja ganz nett", sagten sie, "aber jetzt geht er allmählich zu weit." Und weil er mit seiner Sicht der Dinge und seinen Mahnungen so ein großes Ärgernis geworden war, jagten sie ihn außer Landes.

Damit muss man dann leben können.