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Donnerstag, 26. Januar 2012, 12:49

alkohol und drogenmissbrauch

Hallo

Ich hoffe ich schneide hier kein zu heikles thema an.
Nur um klar zu stellen, ich selber trinke kaum und konsumiere auch sonst nichts ( mehr).

In bezug auf adhs betroffene jugendliche und erwachsene spricht man davon, dass diese anfälliger für alkohol oder drogen missbrauch seinen. Oft würde es als eine art selbstmedikation gebraucht, was håufig zu sucht oder gewohnheit fuhrt.

Gibt es das bei aspies auch? Sind aspies auch eher gefährdet oder häufiger von süchten betroffen, oder eher das gegenteil?

Falls es unter euch jemand erfahrung mit weichen drogen oder alkoholexzessen hat, dann würde ich gerne mehr darüber wissen. Gerne auch per pn.


Ich will dieses thema.auf keinen fall verharmlosen.

friedel

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2

Donnerstag, 26. Januar 2012, 20:19

Gibt es das bei aspies auch? Sind aspies auch eher gefährdet oder häufiger von süchten betroffen, oder eher das gegenteil?

Ich meine, dass der Druck, "normal" und unauffällig zu funktionieren gerade auch bei Aspies, denen das ja bekannterweise eher schwer fällt, dazu führen kann, dass man in der Wahl der Mittel unvorsichtig wird.
Dass manche Aspie-Kinder bis zur Einschulung mehr Therapien und Medikamente "ausprobiert" haben, als manch Erwachsener im ganzen Leben, ist nur eine Form, Mittel anzuwenden.
Auf die Verwendung von Alkohol oder Drogen zu kommen, um in Gesellschaft entspannter/genehmer zu sein oder um dem ständigen Gedankenstrom, den die bewußte Verarbeitung von jeder Kleinigkeit mit sich bringt, zu entfliehen, ist da auch kein so großer Schritt.
Keine Aussage wird wahrer, indem sie häufig wiederholt wird.

Aber sie gewinnt dadurch ungemein an Glaubwürdigkeit. (UT)

3

Freitag, 27. Januar 2012, 14:18

Wie sieht es bei Euch mit den sogenannten Stimulanien aus. Hat jemand Erfahrung mit Ritalin und Co?
Sorry, das weicht jetzt etwas vom Thema ab. Aber kann die Einnahme dieser Medikamente nicht auch süchtig machen?
Wenn sich Betroffene mit diesen Medikamenten so viel besser fühlen im sozialen Umgang und bei Leistungsanforderungen, wie sieht die Medikamenteneinnahme dann auf lange Sicht aus?
Eigentlich bin ich dagegen unserer Tochter Medikamente zu geben. Aber müssen wir uns in ein paar Jahren vorwerfen lassen, dass ihre schulischen Leistungen und ihre sozialen Kontakte viel besser gewesen wären?
Danke für Eure Rückmeldungen!

Liebe Grüsse,
unam

4

Freitag, 27. Januar 2012, 16:26

Hallo unam

Ich habe adhs und bekomme seit 3-4 jahren concerta. (Gleicher wirkstoff).
Abhängig macht das, wenn es richtig eingesetzt wird nicht.
Allerdings hat es vor und nachteile und die sollten SEHR gut abgewogen werden.

Wie es gewesen wäre, hätte ich als kind schon mhp bekommen kann ich ja nicht sagen.
Mir wären wohl viele demütigungen erspart geblieben. Das ist so.

Und manchmal frage ich mich, ob ich gesund geblieben wäre, ob der stress immer das doppelte leisten zu müssen um "normal" zu sein, meine autoimmunkrankheiten ausgelöst haben.
Aber das weiss keiner.

Ubd eigentlich finde ich mich ganz ok so wie ich bin. Ich meine, ich habe auch stärken. Ich habe gelernt, immer wieder aufzustehen, zu kämpfen. Ich weiss nicht, ob ich auch viele guten dinge in mir drin nicht hätte, wäre ich korrekt behandelt worden.

Ich denke das wichtigste ist auf euer kind zu hören und zu achten.
Unnd nicht so sehr darauf, was die gesellschaft will.
Wie geht es ihr? Hat sie freunde? Wenn nein, leidet sie darunter?

Ich finde es auch nicht so wichtig, ob ein kind schön schreiben oder gut rechnen kann. Wichtig finde ich, dem kind zu vermitteln, dass lernen spass macht. Ihm zb das lesen schmackhaft zu machen.

Meine eltern haben das bei mir getan. Und noch heute macht mir lernen grossen spass und dadzrch steht mir die welt im prinzip offen.

Auch würde ich dem kind vermitteln, dass es zwar leichter ist sich anzupassen, dass es "die norm" aber nicht gibt und es absolut ok ist, wie es ist und alles erreichen kann.

Ich hoffe ihr versteht wie ich das meine. Medikamente können eine gute sache sein, wenn man funktionieren MUSS. Die medis haben für mich vorteile. Ich kann meine energie besser einteilen und habe deshalb mehr. Ich habe kaum noch kopf karussell. Ich habe kaum noch wutausbrüche, die vermisse ich nicht.
Aber ich habe auch kaum noch höhenflüge, das fehlt mir und ich bin deutlich weniger kreativ.

Ausserdem verträgt sich dieses medi nicht mit alkohol!

5

Freitag, 27. Januar 2012, 18:02

Hallo,

ja ich habe ADHS und Asperger und ich greife schon öfters zu Alkohol um zB: auf Feten zu gehen zu denen ich eingeladen wurde.

Früher habe ich noch andere Drogen genommen zB: Kokain, ich habe versucht mich selbst zu behandeln. Was natürlich nicht funktioniert hat, ich habe dadurch alles nurnoch schlimmer gemacht.
Leider lebt man als ADHSler im "hier und jetzt" d.h man denkt nicht über morgen nach und dementsprechend handelt man oft auch so.
Mittlerweile werde ich mit Medikinet und AD´s behandelt, die AD´s schlagen zwar nicht wie gewünscht an ( ich vermute wegen Asperger) aber durchs Medikinet kann ich mich auffjedenfall besser Konzentrieren.

lg
"+++++ +++[- >++++ ++++< ]>+.< +++++ ++[-> +++++ ++<]> +.--- .<+++ [->--
-<]>- -.<++ +[->+ ++<]> ++++. <+++[ ->--- <]>-- .--.< +++[- >+++< ]>+++ +.<"

:thumbsup:

6

Samstag, 28. Januar 2012, 16:10

Hallo soul seller

Vielen Dank für Deine Rückmeldung!
Unsere Tochter hat eine auditive Wahrnehmungsstörung und tut sich insbesondere im Fremdsprachenerwerb sehr schwer. Aus diesem Grund wird sie wahrscheinlich die Sekundarschule nicht schaffen, was sie aber unbedingt will. Zudem hat sie keine Freundinnen und die Mädchen, die sich noch ab und zu mit ihr abgeben, kommen in die Sek. Die Psychologin, die die Wahrnehmungsstörung diagnostiziert hat, hat eben Ritalin (oder entsprechendes) empfohlen.

Wir sehen das Problem vor allem auch darin, dass beim Kind das Gefühl
entstehen könnte: Ich nehme eine Pille und dann geht alles viel besser.
Zudem widerstrebt es uns -genau wie du gesagt hast- sie mit Medikamenten "gesellschaftsfähig" zu machen. Und wenn sie dadurch Freundinnen findet, muss ich mich irgendwie auch fragen, was für Freunde das sind, die einen nur angepasst akzeptieren.
Wahrscheinlich werden wir unserer Tochter wohl weiterhin den sicher schwierigeren Weg ohne Medikamente zumuten. Unserem Sohn mit ADHS übrigens auch.
Wenn sie alt genug ist, kann sie ja dann selber ausprobieren und entscheiden. Schliesslich sollte man bei Kindern und Heranwachsenden mit Medikamenten doppelt vorsichtig sein.

Liebe Grüsse,
unam

Tuxine

Aspie-Mutter

Beiträge: 92

Wohnort: 127.0.0.1

Beruf: Hausfrau und Mutter

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7

Samstag, 28. Januar 2012, 19:52

Hallo unam

Als unsere Söhne im Schulalter waren haben wir uns auch lange gegen die Einnahme von Medikamenten (damals Ritalin) gewehrt, bis die Situation immer schlimmer wurde. Inzwischen sind wir froh, dass wir doch eingewilligt haben, denn ich vermute, dass unser Ältester nur mit Hilfe von diesem Medikament die Sekundarschule geschafft hat. Gemobbt wurde er trotzdem, und Freunde hatte er auch keine. Aber ohne hätte er die Sek kaum geschafft und das hätte seine berufliche Laufbahn sehr erschwert.

Jetzt ist er im 4. Lehrjahr seines Traumberufes und nimmt schon lange keine Medis mehr.

Der Mittlere hat kaum auf Ritalin reagiert und darum haben wir es auch wieder abgesetzt, leider hat er bis jetzt keine Ausbildung und ist auch nicht arbeitsfähig. ;(

:winke: Tuxine :winke: :respekt:

8

Samstag, 28. Januar 2012, 22:19

Hallo

@ unam
Übrigens im Autismulink Forum hat es einen spannenden Thread zu diesem Thema (Ritalin /Stimulanzen) ist zwar schon etwas älter aber das ändert nichts zur Sache.

Grüsse bronti

9

Sonntag, 29. Januar 2012, 00:08

Nun es ist ja nicht so, dass einem mit ritalin alles gelingt :)
Von dem her, denke ich nicht, dass es in dieser weise abhängig macht.
Wichtig finde ich wie gesagt, dass eure tochter niemals das gefühl entwickelt, sie müsse ein medi.nehmen um der gesellschaft zu genügen.

Leider ist unser schulsystem hier nicht sehr flexibel. I h träume ja davon, dass man jeden menschen nach seinen stärken beurteilt und individuell fördert. Nun ja, da mussten wir alle durch nicht wahr.

Ich ging ja gezwungenermassen auch ohne medis durch die schulzeit. Ich hatte zusätzliche nachhilfestunden im rechnen und zweimal schickten meine eltern mich nach frankreich (in eine familie).
Damit und mit viel unterstützung meiner mutter bei den hausaufgaben, habe ich die sek so mittelmässig hinter mich gebracht.
Danach machte ich ein zusätzliches freiwilliges schuljahr richtung kunst. Das hat mir sehr gut getan. Und ich habe die lehre danach als zweitbeste abgeschlossen.

Allerdings: und hier kommen wir zum thema zurück, als teenager habe ich meine fehlende selbstsicherheit in alkohol ertränkt und habe über die stränge geschlagen, bis ich mit 22 diabetes bekam..

Medis wären in dieser sensiblen phase sicher auch nicht schädlicher gewesen.

10

Sonntag, 29. Januar 2012, 13:46

als teenager habe ich meine fehlende selbstsicherheit in alkohol ertränkt und habe über die stränge geschlagen, bis ich mit 22 diabetes bekam..

Medis wären in dieser sensiblen phase sicher auch nicht schädlicher gewesen.
Liebe Soul Seller

danke für die Offenheit. Es tröstet mich enorm, denn unsere Tochter nimmt regelmässig Sertralin. Damit hat sie nun endlich ihre extreme Müdigkeit überwunden. Natürlich hätte ich mir gewünscht, dass es ohne Medis gegangen wäre. Dem Aspekt der Labilität in der Pubertät habe ich bisher wenig Beachtung geschenkt. So bin ich nun froh, wenn (falls) dadurch eine Sucht irgendwelcher Art nicht aufkommen wird. Aber, wie ich schon an anderer Stelle gelesen habe, gibt es einfach Situationen, bei welchen man um Medis schlecht rumkommt. Einem Kind mit Epilepsie muss man viel stärkere Medis geben, damit es vor Anfällen möglicht geschützt wird. Dies wird nicht in Frage gestellt. Wenn unsere AS Betroffenen eine sehr schlechte Lebensqualität haben und (wie in unserer Familie der Fall) auch selber massiv darunter leiden, muss man eine Lösung suchen. Vielleicht kann meine Tochter irgendwann mal ohne Medis leben und wenn nicht, kann ihr damit geholfen werden.

So können mit der richtigen Therapie (je nach Situation auch mit Medis) eventuelle Schäden, durch Süchte ausgelöst, vermieden werden.

Liebe Grüsse
Kate
Wenn wir einem Menschen helfen wollen, müssen wir an ihn glauben. (Alb. Schweitzer)

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Montag, 30. Januar 2012, 16:19

Liebe Kate

Ganz sicher gibt man seinen Kindern nicht leichtfertig Medikamente. Wenn der Leidensdruck für das Kind zu gross wird, muss man rechtzeitig reagieren. Auch der Druck von aussen und die damit verbundenen Konsequenzen, z. B. wenn das Kind angeblich ohne Medikamente nicht mehr für die Schule tragbar ist, können die Gabe von Medis erforderlich machen.
Man muss sicher die Situation immer wieder neu beurteilen und neu abwägen. Ich schliesse überhaupt nicht aus, dass wir auch einmal auf Medis zurückgreifen (müssen).
Bisher ist es aber nach unserer Ansicht für unsere Kinder noch gut tragbar.
Zudem gibt es einen kleinen Lichtblick für unsere Tochter: Vielleicht kann sie- ihren Stärken entsprechend - in Math die spez Sek Klasse besuchen.

@bronti
Danke für den Thread im AutismuslinkForum

Liebe Grüsse,
unam

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