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1

Mittwoch, 18. Mai 2011, 11:03

Hallo zusammen

Hallo zusammen

Ich bin neu hier im Forum und möchte mich kurz vorstellen. Ich komme aus dem Kanton Schwyz, bin 21 Jahre alt und bin an der Pädagogischen Hochschule in Rorschach zur Ausbildung als Primarlehrperson. Und damit wäre ich auch bei der Erklärung wie ich auf das Forum gekommen bin. Die Bachelorarbeit steht vor der Tür und ich beschäftige mich mit der Frage, ob ein Kind mit Asperger-Syndrom in eine Regelklasse integriert werden kann. Nun wäre ich natürlich sehr froh über jeden Tipp und jede Information. Die Arbeit wird in einen theoretischen Teil und einen praktischen Teil gegliedert. Im praktischen Teil möchte ich nach Möglichkeit ein Kind mit Asperger-Syndrom in einer Regelklasse filmen, um dann die Filmsequenzen für mich auszuwerten. Der Film selber wird nicht der Arbeit beigelegt, wenn das von allen Beteiligten nicht erwünscht ist. Aber es erleichtert mir das ganze enorm und die Arbeit wird differenzierter, wenn ich filmen kann und diese dann auswerten kann. So ist es für mich möglich, mehreres zu sehen und aufzunehmen.

Liebe Grüsse Samira89

friedel

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2

Mittwoch, 18. Mai 2011, 13:00

Hallo Samira89,

ich habe dir eine Mail geschickt.

Wie ist die Lage? Wird eigentlich in der padagogischen Ausbildung bereits Grundwissen über das Asperger-Syndrom vermittelt, oder bist du die interessierte Ausnahme?

Gruß friedel
Keine Aussage wird wahrer, indem sie häufig wiederholt wird.

Aber sie gewinnt dadurch ungemein an Glaubwürdigkeit. (UT)

3

Mittwoch, 18. Mai 2011, 13:53

Hallo Friedel

Vielen Dank für deine Mail. Wenn man das Fachstudium Sonderpädagogik wählt wird der Begriff Autismus während 2 Minuten behandelt. Ansonsten habe ich mich aus eigenem Interesse mit der Thematik beschäftigt (Dokus, Literatur etc.) Ich interessiere mich persönliche sehr für solche Themen (Autismus, Tourett und was es alles gibt) und habe auch bereits während meinem Zwischenjahr ein Praktikum in einer Tagesschule mit verhaltensauffälligen und lernschwachen Kindern und Jugendlichen gearbeitet. Darum möchte ich jetzt in meiner Bachelorarbeit genauer darauf eingehen, ob ein Aspi in eine Regelklasse integriert werden kann, soll oder gar muss.

Liebe Grüsse Samira89

coffee

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Beruf: Lehrerin (Schulbegleitung AS)

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4

Mittwoch, 18. Mai 2011, 14:37

Zitat

..ob ein Aspi in eine Regelklasse integriert werden kann, soll oder gar muss.


Das ist kantonal unterschiedlich geregelt.

Im Kt. Bern gelten As grundsätzlich als Regelschüler mit Nachteilsausgleich. Wie die anderen Kantone das handhaben, keine Ahnung.
Ein Kind mit As erhält je nach Situation zusätzliche integrative Lektionen zugesprochen. Sogenannte Schulbegleitung.
Ich kenne die Bandbreite zwischen 5 und 13 Lektionen, ob das höher gehen kann, weiss ich nicht.

Die Herausforderung für Kinder mit AS im Schulalltag ist gross.
Ohne Diagnose haben viele Kinder in der Vergangenheit die Schullaufbahn mit AS irgendwie überlebt.
Mit Diagnose und Integrationshilfen hoffe ich sehr, wird sich die Schulsituation für AS Kinder nachhaltig verändern und verbessern.

...kann
klar kann er/sie, fragt sich mit welcher Unterstützung, mit welchem Ziel und wo die Grenzen sind.
...soll
Wie ich informiert bin, hat sich gezeigt, dass es wenig Sinn macht Menschen mit AS unter sich zu isolieren. Sie lernen in Situationen mit NT's. Gehören zur Gesellschaft wie jeder andere auch! Heute bin ich überzeugt jeder AS ist für unsere Gesellschaft eine riesen Bereicherung!
...muss
Integrationsartikel / Weisung Erziehungsdirektion / Schulbegleitungslektionen ..
(darum macht eine genaue Abklärung und Forderung nach dieser Unterstützung Sinn)

viel Erfolg bei deinen Nachforschungen, das Forum ist ein reicher Schatz!
coffee

Hugo

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5

Mittwoch, 18. Mai 2011, 15:29

Infos über AS

Hallo zusammen!

Das ist tatsächlich von Ausbildungsinstitution zu Ausbildungsinstitution verschieden. Ich bin als Dozent an der Pädagogogischen Hochschule Thurgau tätig. Bei uns haben die Studierenden die Möglichkeit im Rahmen einer Studienwoche sich über AS zu informieren. Dazu haben sie zwei Ausbildungsgefässe:


  1. Im Rahmen von Postenarbeiten können sie sich individuell ins Thema Autismus vertiefen.
  2. Sie können sich ein Referat anhören, das von unserem Informatiklehrling, der selbst von AS betroffen ist, und mir gestaltet wird.


Zusätzlich können Lehrerinnen und Lehrer in Ihrem zweiten Berufsjahr innerhalb einer dreiwöchigen Intensivweiterbildung sich weiter zum Thema "autistische Spektrumsstörungen" kundig machen. Gerade vor einer Woche organisierte ich eine Tagung zum Thema "Auffällig unauffällige Kinder und Jugendliche: Wer bemerkt sie in der Schule?" An dieser Tagung bot auch Frau Dr. Asperger Felder einen spannenden Workshop an. Weitere Informationen findet ihr unter http://www.phtg.ch/ueber-uns/tagungen/au…g-unauffaellig/ und http://www.phtg.ch/ueber-uns/news-archiv…muessen-nerven/


Am 8. September ist zudem an der PHTG in Kreuzlingen eine Veranstaltung der Autismushilfe Ostschweiz geplant.

Wir versuchen im Rahmen unserer Möglichkeiten künftige Lehrpersonen wie auch aktive Lehrerinnen und Lehrer über AS zu informieren. Gerade aber Studierende werden in der Ausbildung mit vielen Informationen konfrontiert, die für sie noch keine Praxisrelevanz haben. So scheint es mir auch wichtig zu sein, bei Studierenden eine Haltung zu schaffen, die es ihnen ermöglicht, wenn sie ein Kind mit AS in ihrer Klasse haben, genau hinzusehen, zu beobachten, sich in den Kind einzufühlen und sich dann das Wissen zu beschaffen bzw. sich Hilfe zu holen.

Das Forum erlaubt aber auch mir viele interessante Einblicke und Kontakte mit Menschen mit AS.

Vielleicht habt ihr ja auch noch andere Ideen, wie Lehrerinnen und Lehrer über AS besser informiert werden könnten! Ich bin offen für neue und gute Vorschläge!

Herzlich

Hugo

friedel

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6

Mittwoch, 18. Mai 2011, 17:34

Wenn man das Fachstudium Sonderpädagogik wählt wird der Begriff Autismus während 2 Minuten behandelt.
Also wenn man mal annimmt, dass von 1000 Personen circa 3 das Asperger-Syndrom haben und dabei ignoriert, dass im sonderpädagogischem Einflussbereich der Satz etwas höher sein könnte, und für das Asperger-Syndrom zwei Minuten aufgewendet werden, so müssten alle anderen 997 Fälle in gut 33 Stunden durchgehandelt sein. Also sind die Studiengänge wohl recht kurz, oder die Gewichtung ist nicht ausgeglichen.
Keine Aussage wird wahrer, indem sie häufig wiederholt wird.

Aber sie gewinnt dadurch ungemein an Glaubwürdigkeit. (UT)

7

Mittwoch, 18. Mai 2011, 23:20

Wenn man das Fachstudium Sonderpädagogik wählt wird der Begriff Autismus während 2 Minuten behandelt.
Also wenn man mal annimmt, dass von 1000 Personen circa 3 das Asperger-Syndrom haben und dabei ignoriert, dass im sonderpädagogischem Einflussbereich der Satz etwas höher sein könnte, und für das Asperger-Syndrom zwei Minuten aufgewendet werden, so müssten alle anderen 997 Fälle in gut 33 Stunden durchgehandelt sein. Also sind die Studiengänge wohl recht kurz, oder die Gewichtung ist nicht ausgeglichen.



Es sind wohl beide Punkte nicht ganz falsch, doch stellt sich die Frage was muss alles behandelt werden und was nicht? Ich persönlich finde auch das ich viel zu wenig über wirklcih guten Turnunterricht weiss, aber was soll man machen in 3 Jahren? Und was ist mit Krankheitsbildern, wie atypischer Autismus, Tourett, Epsilepsie, Depressionen bei Kindern oder auch Fallsituationen wie was macht man wenn jemand stirbt? Wie geht man mit dem Tod in der Schule um? Wie geht man um, wenn sich Eltern scheiden lassen? etc. es wäre utopisch zu glauben, alles in nur 3 Jahren Ausbildung thematisieren zu können und doch wer würde die Primarlehrerausbildung machen wenn sie 7 oder 8 Jahre gehen würde?

Vielen Dank für die Interessanten Beiträge.

@ Hugo: Wo genau kann ich mich informieren, wenn ich am 8. September an diese Tagung möchte? Oder ist diese nicht öffentlich zugängig?

soleil

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8

Donnerstag, 19. Mai 2011, 11:34

Hallo Hugo
Zusätzlich können Lehrerinnen und Lehrer in Ihrem zweiten Berufsjahr innerhalb einer dreiwöchigen Intensivweiterbildung sich weiter zum Thema "autistische Spektrumsstörungen" kundig machen. Gerade vor einer Woche organisierte ich eine Tagung zum Thema "Auffällig unauffällige Kinder und Jugendliche: Wer bemerkt sie in der Schule?"
Danke für die wertvollen Links....habe mir die Datei gleich gespeichert! Toll, das im Thurgau an der PHZ bereits in der Lehrerausbildung die Wahrnehmung für besondere, "schüchterne" Kinder geschärft wird und diese auch fachlich besprochen werden! Bei uns in Luzern wird seit dem letzten Jahr in der Lehrerfortbildung immerhin ein Kurs zum Thema "Asperger Kind in der Regelklasse" angeboten. Vielen Lehrpersonen ist aber das ASS fremd, oft ein "nicht Wissen" und nicht ein "nicht Wollen"!

grüsse

soleil

soleil

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9

Donnerstag, 19. Mai 2011, 13:13

Hallo coffee
Ein Kind mit As erhält je nach Situation zusätzliche integrative Lektionen zugesprochen. Sogenannte Schulbegleitung.
Ich kenne die Bandbreite zwischen 5 und 13 Lektionen, ob das höher gehen kann, weiss ich nicht.
...wow, da habt ihr in Bern aber grosszügige Lektionenpools! Bei uns im Kanton Luzern ist (soviel mir bekannt ist) das Maximum an gesporchener IS (integrierter Sonderschule) 6 Wochenlektionen. Das ist aber immerhin schon viel....als Mutter eines Sohnes ohne AS Diagnose während der Schulzeit wäre dieses Angebot, Wissen darüber und verständnisvolle Lehrpersonen ein Segen gewesen!!

grüsse

soleil

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »soleil« (19. Mai 2011, 13:14)


Hugo

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10

Donnerstag, 19. Mai 2011, 21:13

@soleil

Liebe Soleil

Aus meiner Sicht kann man sich als Lehrperson das Wissen über AS beschaffen. Allerdings muss man erst auf die Idee von AS kommen und diese Informationen - damit eben Lehrpersonen überhaupt an AS denken - muss in der Lehrerinnen- und Lehreraus- und -weiterbildung thematisiert werden.

Bei uns an der Hochschule ist - aus meiner Sicht - unser Lehrling mit AS ein Gewinn für den Betrieb. Auch seine Berufsschule spricht so! Aber er ist nicht nur ein Gewinn für die Instituition - sondern auch einer für mich persönlich. Er lernt mich die Welt - teilweise - mit anderen Augen zu sehen und ... ziemlich häufig sind für mich die Welten aber sehr ähnlich ;) !

@samira89

Liebe Samira

Zur Diskussion, was alles in die Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern gehört: Wenn man davon ausgeht, dass Lehrpersonen nach ihrer Ausbildung alles können, bis sie etwa 40 Jahre später pensioniert werden, ist diese Ausbildung sicherlich absolut defizitär und ungenügend.

Ich gehe aber davon aus, dass Lehrpersonen sich während ihrer Zeit in der Schule immer wieder weiterbilden müssen, im Laufe ihrer Berufsbiographie auch andere Fragestellungen haben. Dafür müssen Lehrpersonen aber auch Zeit bekommen und diese Zeit und die Weiterbildung kosten auch! Wir unterscheiden auch zwischen einer GRUNDausbildung und einer Weiterbildung: Eine Grundausbildung muss folglich nicht alles behandeln!

Zu deiner Frage: Die Tagung ist schon vorbei. Die Autismushilfe Ostschweiz wird am 8. September einen Film zum Thema Autismus an der PHTG zeigen und dazu eine Einführung anbieten. Ich hoffe, sie werden es auf ihrer Homepage http://www.autismushilfe.ch/ ankünden - allenfalls findet sich auch ein Vermerk auf unserer Homepage www.phtg.ch .

Wenn du aber keine Informationen findest, kannst du mich über das Forum gerne anschreiben. Dank Simon, unserem Admin ist so etwas ja leicht möglich :thumbup: .

Herzlich

Hugo

Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von »Hugo« (19. Mai 2011, 21:20)


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