@Nyoz: Ich habe deine Zeilen gelesen und dabei den Eindruck bekommen, dass du dein eigenes, gesundes Selbst bekämpfst; du schreibst von Depressionen, Anpassung und von Krämpfen. Du scheinst dich zu etwas zu zwingen, das nicht in deiner Natur liegt, zu etwas, das dir bereits Schmerzen zugefügt hat; du zwingst dich vielleicht sogar, dieses als "Normal" empfinden zu müssen. Weshalb glaubst du, das Soziale als angenehm und normal empfinden zu müssen, woher kommt dieser Druck, diese Anforderung? Versteht dein Umfeld, um was es sich beim Asperger-Syndrom handelt?
Mir hat es sehr geholfen, mich selbst kennenzulernen und zu verstehen, über Jahre hinweg meine Stärken zu fördern und Interessen autodidaktisch auszubauen, sodass ich diese kommerziell einsetzen kann. Natürlich gelte auch ich als eigenartig, bin vielen Menschen ein Rätsel, gelte als "reserviert", wie es NTs gerne ausdrücken. Das ändert aber nichts an meinen fachlichen Qualifikationen und meinen Qualifikationen als Mensch. Klar habe auch ich meine Schwächen, die mich zeitweise nerven, aber Schwächen hat jeder; die Frage ist nur, wie man damit umgeht. Ich habe beispielsweise kaum Bedürfnis nach Beziehungen, was aber nicht heisst, dass ich mich nicht in die Gesellschaft einbringen und mich wirkungslos oder sinnlos fühlen würde. Ich habe durchaus direkten Kontakt mit Menschen, wenn auch nur selten, da ich dessen Mass selbst bestimme. So oder so hat mein Fachwissen in den Bereichen IT und Psychologie bereits bei einigen Menschen zu nachhaltigem, positivem und sehr persönlichem Fortschritt geführt. Kurz: Ich bin dabei, mir ein Leben aufzubauen, bei dem ich mich selbst nicht aufgeben muss, sondern sogar Schwächen in Stärken umfunktionieren kann; beispielsweise kann ich monatelang am Stück vollkommen alleine arbeiten und dabei eine konstante Leistung bringen. Ich habe Rituale für mich entwickelt, die mir guttun - täglich eine Stunde spazieren zu gehen ist nur eines davon. Auch wenn es seltsam klingen mag: Aussenstehende bezeichnen meine Eigenartigkeit nicht als unerwünscht, sondern als notwendig. Wäre ich neurotypisch extravertiert, wäre ich nicht dazu in der Lage das zu tun, was ich tue.
Deine Aufgabe könnte nun daraus bestehen, dir ein Leben aufzubauen, welche sich für dich als lebenswert herausstellt; finde heraus, was ein gutes Leben für dich ausmacht und arbeite mit oder ohne Unterstützung darauf zu.
Falls dir das Soziale doch äusserst wichtig sein sollte, dann bringt dich
das hier wahrscheinlich weiter, das sind die "ungeschriebenen sozialen Regeln". Gut möglich, dass dich auch die Lektüre des Buches "Ein Leben mit dem Asperger Syndrom" von Tony Attwood weiterbringt; er ist weltweit einer der bedeutendsten Experten für das Asperger-Syndrom. Was die Erkennung von Mimik anbetrifft, kommst du an Büchern von Paul Ekman kaum vorbei. Wir Asperger besitzen zwar kaum oder keine naturgegebene Empathie, aber meistens eine sehr gute Auffassungsgabe, mit der sich Empathie gewissermassen "simulieren" lässt, denn unser Hirn ist sehr stark im Kompensieren.