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Freitag, 20. Januar 2012, 21:50

Ich verstehe die sozialen Normen nicht

Hallo,

ich habe erheblich Probleme damit, soziale Aktivitäten als "normal" anzusehen.

Ich kann zB: nicht vor anderen Leute essen, meine Gefühle zeigen; selbst Witze lustig finden, fällt mir sehr schwer.

Könnt ihr mir vielleicht ein Paar Tipps erklären, wie ich das besser in den Griff bekommen könnte ?

Danke.

lg Frederico
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:thumbsup:

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Freitag, 20. Januar 2012, 22:35

du könntest das mit leuten die dier vertraut sind z.B. eltern und geschwister üben, und dann versuchen vor ihnen zu essen, wenn man lsnge genugt übt, schaft man das. und das mit dem lachen kannste auch trainieren, welche krimase zu lachen zählt und dann wenn jemand einen witz erzählt einfach so tun als würde man ihn verstehen.
„Es scheint, dass für Erfolg in der Wissenschaft oder in der Kunst ein Schuss Autismus erforderlich ist.“ Hans Asperger

3

Samstag, 21. Januar 2012, 00:16

Ich habe jahrelang geübt. Ich habe andere beobachtet und deren Verhalten nachgespielt. Ich habe Schauspielunterricht genommen, mich mit Video aufgezeichnet und geübt, meine Atmung zu entspannen, wenn ich in der Gegenwart anderer war. Ich habe die Redewendungen und Floskeln, die ich aufgeschnappt habe, in lange Listen geschrieben und Dialoganfänge auswendig gelernt. Ich habe viele Filmsequnezen auswendig gelernt. Ich habe anderen zugehört, wenn sie telefoniert haben und versucht, das in Eigenregie selbst zu machen. Ich habe soziale Situationen in Soziogramme geschrieben, um mir klar zu werden, wann wer in einer Gruppe was zu wem sagt und wie die Reaktion der anderen ist. Und so weiter.
Bei all dem habe ich mich ziemlich ungeschickt angestellt. Ich habe mit 16 mit diesen Dingen angefangen und ungefähr seit ich 40 bin, habe ich den Eindruck, dass ich mit den anderen einigermaßen mithalten kann.
Ich kann mithalten. Aber ich kann mich nicht tarnen. Aus den Rückmeldungen, die ich bekomme, schließe ich, dass jeder Nichtautist, der mich kennt, mich merkwürdig findet.

4

Samstag, 21. Januar 2012, 20:19

Danke für eure Antworten.

M. le muet, so geht es mir auch. Ich bekomme das auch immer von NT´s zu hören, sie meinen ich wäre komisch, merkwürdig oder ein Sonderling. Ich selber versuche mich jedoch Krampfhaft an die Gesellschaft anzupassen, was mir anscheinend nicht gelingt. Mittlerweile habe ich mich aber damit abgefunden, dass ich anders bin. Ich wurde sogar Deppressiv, weil ich immer versucht habe es "der Gesellschaft" recht zu machen.

gdfggfd, also vor meiner engsten Familie sprich: Mutter, Vater und Bruder kann ich essen, wenn die auch am essen sind. Ich weiß auch wie man lacht, nur kann ich keinem Menschen ins Gesicht schauen und dann anfangen zu lachen. Ich fühle mich dabei total komisch, es ist so als ob sich meine Gesichtsmuskeln verkrampfen.

Danke nochmal für die Antworten :).

lg Nyoz :thumbsup:
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:thumbsup:

soleil

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5

Sonntag, 22. Januar 2012, 19:28

hallo M.le Muet
Bei all dem habe ich mich ziemlich ungeschickt angestellt. Ich habe mit 16 mit diesen Dingen angefangen und ungefähr seit ich 40 bin, habe ich den Eindruck, dass ich mit den anderen einigermaßen mithalten kann.
Meinen grossen Respekt: Es ist sehr eindrucksvoll, wie du deine Anstregnungen beschreibst, Emotionen anderer zu lesen, soziale Abläufe zu erkennen....und dabei nicht aufzugeben!
Emotionen aus Gesichtern zu lesen, soziale Siatuation zu erkennen ist etwas, das NT (meist) einfach instinktiv "geschenkt" wird. Asperger-Autisten fehlt diese Gabe. Das hat nichts mit fehlendem Wille oder Intelligenz zu tun! Das neuronale Hirnstruktur ist da einfach anders "gebaut", so dass etwa das Lesen von Gesichtern sehr erschwert ist.
Ich finde es toll, wie du damit umgehst. Schon das Besusstsein, da "genauer" hinsehen zu müssen, solche Abläufe effektiv lernen zu müssen, ist wertvoll.
Ich wünsch dir weiterhin Mut!

grüsse

soleil

6

Dienstag, 17. April 2012, 13:08

Ich bin einfach so, wie ich bin. Allerdings habe ich einige Dinge gelernt durch die psychosozialen Bedingungen in meiner Familie. Mein Vater war sehr jähzornig, also lernte ich es, ihn zu besänftigen, Einfluss zu nehmen, um Ordnung zu schaffen und dieses "jähzornige Element" in der Familie wegzudrücken und eine "Friedensordnung" zu erzwingen. Meine Geschwister waren sehr zuwendungsbedürftig und labil, sodass ich mich um sie kümmern musste. So lernte ich, wie mit schwierigen Menschen am besten umzugehen ist. Das konnte ich dann auch allgemein beruflich und im sozialen Umfeld anwenden. Galt ich als Jugendliche noch als Sonderling, konnte ich mich als Erwachsene mit diesen Erfahrungen als unfreiwilligen Therapeuten kaum retten vor zuwendungsbedürftigen Leuten, sodass ich mich immer mehr zurückzog, weil es mich einfach zu viel Energie kostet. Außerdem vereinnahmen sie mich zu sehr, sodass es mir schwer fällt, bei mir selbst zu bleiben und mich nicht zu verlieren. Es ist alles so anstrengend, zeit- und kraftraubend und irgendwo auch sinnlos. Es lohnt sich nur in wenigen Fällen oder wenn es ethisch angebracht ist. Ach, ich finde viele Menschen einfach nur langweilig.

LG cosma

Geralt

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7

Mittwoch, 18. April 2012, 07:31

...........; selbst Witze lustig finden, fällt mir sehr schwer.
Gibt es Witze, die du lustig findest ?
Gibt es Witze , die du auch selber erzählst ?

Gruss Geralt

Die Nähe zu Menschen ist wie die Nähe zum Feuer.
Zu nahe verbrennt man sich und zu weit weg erfriert man.

Nowhere Man

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8

Samstag, 21. April 2012, 06:58

Bei sozialen Kontakten geht es mir unterschiedlich. Wenn ich mich gut fühle, und das Umfeld stimmt, komme ich ganz gut zurecht und kann es durchaus auch geniessen. Wenn ich mich weniger gut fühle, wird es schwieriger. Dann stehe ich rasch abseits, habe Mühe mich in Gespräche einzubringen und bin froh, wenn das Ganze möglichst rasch und ohne Schaden vorbeigeht. Heute kann ich aber mit solchen Situationen besser umgehen als früher, wo ich häufig nur noch Fluchtgedanken hatte. Bei Witzen lache ich jeweils mit, obwohl ich vieles nicht witzig finde. Ich verstehe wohl die Witze, aber offenbar habe ich einen anderen Humor. Im Gegenzug finde ich manchmal Sachen witzig, mit denen die andern nichts anfangen können, z.B. Wortspielereien.
Liebe Grüsse
Nowhere Man

telnet

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9

Samstag, 21. April 2012, 11:09

Was Nowhere Man schreibt, kommt mir sehr bekannt vor. Da ich aber meist die Fluchtgedanken nicht mehr zurückhalten kann, vermeide ich Anlässe, die in solche Situationen münden können, konsequent. Seit etwa Mitte 20 habe ich dabei auch nicht mehr länger das Gefühl, dass ich etwas verpassen könnte, wenn ich nun eben nicht mit von der Partie bin. Zuvor hab ich mich deshalb oftmals noch extra zu solchen Anlässen geschleppt und sass dann schlussendlich doch alleine in ner Ecke.

TheoryOfMind

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Donnerstag, 10. Mai 2012, 23:43

@Nyoz: Ich habe deine Zeilen gelesen und dabei den Eindruck bekommen, dass du dein eigenes, gesundes Selbst bekämpfst; du schreibst von Depressionen, Anpassung und von Krämpfen. Du scheinst dich zu etwas zu zwingen, das nicht in deiner Natur liegt, zu etwas, das dir bereits Schmerzen zugefügt hat; du zwingst dich vielleicht sogar, dieses als "Normal" empfinden zu müssen. Weshalb glaubst du, das Soziale als angenehm und normal empfinden zu müssen, woher kommt dieser Druck, diese Anforderung? Versteht dein Umfeld, um was es sich beim Asperger-Syndrom handelt?

Mir hat es sehr geholfen, mich selbst kennenzulernen und zu verstehen, über Jahre hinweg meine Stärken zu fördern und Interessen autodidaktisch auszubauen, sodass ich diese kommerziell einsetzen kann. Natürlich gelte auch ich als eigenartig, bin vielen Menschen ein Rätsel, gelte als "reserviert", wie es NTs gerne ausdrücken. Das ändert aber nichts an meinen fachlichen Qualifikationen und meinen Qualifikationen als Mensch. Klar habe auch ich meine Schwächen, die mich zeitweise nerven, aber Schwächen hat jeder; die Frage ist nur, wie man damit umgeht. Ich habe beispielsweise kaum Bedürfnis nach Beziehungen, was aber nicht heisst, dass ich mich nicht in die Gesellschaft einbringen und mich wirkungslos oder sinnlos fühlen würde. Ich habe durchaus direkten Kontakt mit Menschen, wenn auch nur selten, da ich dessen Mass selbst bestimme. So oder so hat mein Fachwissen in den Bereichen IT und Psychologie bereits bei einigen Menschen zu nachhaltigem, positivem und sehr persönlichem Fortschritt geführt. Kurz: Ich bin dabei, mir ein Leben aufzubauen, bei dem ich mich selbst nicht aufgeben muss, sondern sogar Schwächen in Stärken umfunktionieren kann; beispielsweise kann ich monatelang am Stück vollkommen alleine arbeiten und dabei eine konstante Leistung bringen. Ich habe Rituale für mich entwickelt, die mir guttun - täglich eine Stunde spazieren zu gehen ist nur eines davon. Auch wenn es seltsam klingen mag: Aussenstehende bezeichnen meine Eigenartigkeit nicht als unerwünscht, sondern als notwendig. Wäre ich neurotypisch extravertiert, wäre ich nicht dazu in der Lage das zu tun, was ich tue.

Deine Aufgabe könnte nun daraus bestehen, dir ein Leben aufzubauen, welche sich für dich als lebenswert herausstellt; finde heraus, was ein gutes Leben für dich ausmacht und arbeite mit oder ohne Unterstützung darauf zu.

Falls dir das Soziale doch äusserst wichtig sein sollte, dann bringt dich das hier wahrscheinlich weiter, das sind die "ungeschriebenen sozialen Regeln". Gut möglich, dass dich auch die Lektüre des Buches "Ein Leben mit dem Asperger Syndrom" von Tony Attwood weiterbringt; er ist weltweit einer der bedeutendsten Experten für das Asperger-Syndrom. Was die Erkennung von Mimik anbetrifft, kommst du an Büchern von Paul Ekman kaum vorbei. Wir Asperger besitzen zwar kaum oder keine naturgegebene Empathie, aber meistens eine sehr gute Auffassungsgabe, mit der sich Empathie gewissermassen "simulieren" lässt, denn unser Hirn ist sehr stark im Kompensieren. :D